Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Blick in den jüdischen Kalender Von Professor Ludwig Basnizki (Heidelberg) Wenn der König der deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der auf mancherlei Gebieten der Mathematik neue Fundamente gebaut hat, sich mit dem jüdischen Kalender so intensiv befaßte, daß er sogar eine Formel ersann, die eindeutig gestattet, das Oster- und Neujahrsfest zu errechnen, so ist es wohl der Mühe wert, daß auch wir uns mit ihm etwas mehr als bisher üblich vertraut machen. Schlagen wir den derzeitigen jüdischen Kalender (Luach) aus, so erblicken wir an seinem Kopse die Zahl 5696. Sie belehrt uns, daß nach jüdischgläubiger Auffassung seit Erschaffung der Welt oder besser des Menschen 5696 Jahre verflosten sind. Jede Zeitmessung muß sich ein Anfangsdatum schaffen, von welchem aus der Ablauf alles Geschehens gezählt werden soll. Zumeist sind es bedeutsame Ereignisse, die den Ursprung der Zeitrechnung bei den verschiedenen Völkern bilden. In der jüdischen Zeitrechnung hat man sich, aufbauend auf Esra, Juda I und Hillel II allmählich dazu entschlossen, das neutralste Ereignis, das sich denken ließe, das zugleich das ursprünglichste sein mußte, als Grundlage zu nehmen. In sinngemäßer Ausdeutung des 5. Kapitels im ersten Buch Moses, das die Geschlechter von Adam bis Noah verzeichnet, wurden kühne Berechnungen angestellt und Kombinationen ersonnen, die rückwärts führen sollten bis auf Adam und Eva. Daß bei den verschiedenen Forschern Berechnungsdifferenzen bis zu 2009 Jahren auftraten, hat an der Festhaltung des Prinzips nichts zu ändern vermocht. Es läßt sich nicht mit Sicherheit angeben, wann das Jahr 3761 vor unserer bürgerlichen Zeitrechnung als das Jahr der Erschaffung des Menschen anerkannt und als mathematisch gesicherter Anfangspunkt des jüdischen Kalenders festgelegt wurde. Zählen wir zu dieser Grundzahl 3761 die Jahreszahl 1935 hinzu, so erhalten wir die Luach-Zahl 5696. Ist die bürgerliche Jahresschwelle während eines jüdischen Jahres überschritten, so muß man den Wert um 1 verringern. Mögen wir Heutigen, die darum wissen, daß der Neandertalmensch vor etwa 200 000 Jahren gelebt, und daß die Wissenschaft das Alter des Menschen auf ungefähr eine Million Jahre veranschlagt, diese jüdische Kalendergrundlage als naiv empfinden, so beeinträchtigt dies nicht im geringsten die große Freude des Mathematikers, der die unerbittliche, mathematische Konsequenz bewundert, mit der die jüdischen Chronologen zu Werke gingen. Sie gingen nämlich noch einen Schritt weiter. Bekanntlich ist der Beginn des silbischen Monats durch das erste Erscheinen der kleinsten Mondsichel nach dem Neumond festgelegt. Man nennt die kalendermäßige Bestimmung dieses Zeitpunkts den Molad, und man spricht z. B. von dem Molad Tischri als dem Beginn des Neuen Jahres. Die Festsetzung dieses Molads für irgend einen gegemvärtigen Zeitpunkt ist durch genaue astronomische Beobachtungen und exakte Berechnungen möglich. Infolgedessen mußte es auch möglich sein, den Molad der Erschaffung des Menschen rückwärts rechnend zu ermitteln. Und so gelangen wir zu dem Molad, der der Bibelstelle entspricht: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei", zu dem Molad tohu, dem Molad des Nichts, dem Molad der Schöpfung. Er war nach unserer heutigen Bezeichnungsweise am Montag, dem 6. Oktober 8761 um 23 Uhr 11 Minuten 20 Sekunden, oder in das Jüdische übersetzt, am 2. Wochentag 5 Uhr 204 Chalakim. Der jüdische Kalender kennt ja bloß einen Namen für den Sabbat, während die übrigen Tage nur mit Ordnungszahlen belegt sind. Der Zeitpunkt nachts 11 Uhr oder 23 Uhr wird zu 5 Uhr, nicht etwa weil der jüdische Kalender die Zählung von 1 bis 24 nicht hätte — er hat sie von jeher gehabt — sondern weil der Tag etwa mit dem Sonnenuntergang um 18 Uhr seinen Anfang nimmt. Die Stunde wird in 1080 Chalakim und 1 Chelek in 76 Regai'm eingeteilt; die Unterteilung der Stunde in 1080 Teile macht jedoch 1 Chelek zu einem solch kleinen Zeitelement, daß die Rega'ün nur bei ganz peinlichen astronomischen Berechnungen eine Rolle spielen. Die Molad-Bestimmung für die einzelnen Monate, vor allem für den Monat Tischri — denn von ihm hängt daS ganze kommende Jahr ab — war in ältester Zeit nicht so einfach aus- Zuführen wie heute, zumal man sich ursprünglich ausschließlich auf das Sichtbarwerden der kleinsten Mondsichel verließ und erst später zu Berechnungen überging. Um einen etwaigen Beobachtungsfehler unwirksam zu machen, half man sich mit der Vorsichtsmaßregel, alle wichtigen Feste an zwei Tagen zu feiern — mit Ausnahme der Fasttage —! Diese Tradition hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten, obwohl nach mathematischer Fixierung des Kalenders eine Notwendigkeit hierzu nicht mehr bestünde. * Wenn wir das Titelblatt des diesjährigen Luach mit forschendem Auge weiter untersuchen, so finden wir außer manchen anderen Angaben, auch — sehr klein gedruckt — die drei Buchstaben nebeneinander geschrieben 3 UM. Es wird nicht allzu viele Kundige geben, die diese Zeichen in ihrer Bedeutung zu würdigen verstehen. Und doch ist in ihnen der Charakter des ganzen Jahres enthalten. Der erste Buchstabe von rechts 7 ---- 7 besagt, daß der Neujahrstag auf den 7. Wochentag, also auf einen Sabbat fällt; der letzte Buchstabe ) — 3 will besagen, daß Pessach mit dem 3. Wochentag an einem Dienstag beginnt; und der mittlere Buchstabe ist der Anfang des Wortes überzählig. Gerade dieser letzte Begriff führt uns mitten in den jüdischen Kalenderausbau hinein. Das jüdische Jahr, ein Mondjahr, setzt sich aus 12 oder 13 Monaten zu je 29 oder 30 Tagen zusammen. In einem regelmäßigen Mondjahr ----- H *7 D 3 haben wir zum Beispiel 12 Monate mit zusammen 354 Tagen, und zwar: 1. Tischri 30 7. Nissan 30 2. Marcheschwan 29 8. Jjar 29 3. Kislev 30 9. Siwan 30 4. Tebeth 29 10. Thamus 29 5. Schevat 30 11. Av 30 6. Adar 29 12. EluI 29 Daß der Marcheschwan 29 Tage und der Kislev 30 Tage zählt, darin steckt der Charakter des regelmäßigen jüdischen Jahres. Hat nämlich aus Gründen, die schert erörtert werden, der Marcheschwan auch 30 Tage wie der Kislev, so hat das Jahr 355 Tage und es heißt ein überzähliges; und hat schließlich der Kislev 29 Tage wie der regelmäßige Marcheschwan, so zählt das Jahr nur 353 Tage und wird ein mangelhaftes genannt — rnon- Man findet nun als mittleren der drei Buchstaben des Luach entweder ein 3 oder ein oder ein pj und weiß dann, daß das Jahr 354 oder 355 oder 353 Tage zählt und wie es mit dem Marchsschwan und Kislev bestellt ist. Warum nun diese Verschiedenheiten der Mondjahre? Ein Mondmonat, auch synodischer Monat genannt, das heißt die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten Neumond beträgt 29 Tage 8 Stunden 44 Minuten SH Sekunden. Demnach betragen 12 Monate zusammen 354 Tage 8 Stunden 48 Minuten 40 Sekunden. Geben wir nun dem regelmäßigen Jahr 354 Tage, so haben wir ungefähr 8 Stunden zu wenig zugeteilt, was in 3 Jahren schon 24 Stunden oder einen Tag ausmacht. Zum Ausgleich dieses Fehlers muß daher jedes dritte Jahr etwa ein Tag hinzugelegt werden, was dadurch geschieht, daß man dem Marcheschwan 30 Tage gibt. Ein solches Jahr nennt man — worauf ausdrücklich hingewiesen sei — nicht etwa Schaltjahr, sondern ein überzähliges. Der Begriff des Schaltjahrs hängt im jüdischen Kalender, wie wir nachher zeigen werden, mit ganz andern Beziehungen zusammen. Was nun das „mangelhafte" Jahr betrifft, so benötigen wir zu dessen Erklärung die sogenannten Dechiot oder Vertagungsgründe für die hohen Feiertage. Ueber die Ursachen dieser Vertagungen sind die rabbinischen Meinungen keinesfalls geklärt. Die einen vermuten astronomische, die anderen zeremonielle oder rituelle Gründe. Wir ■ wollen hier nur einiges über die letzteren ansügen. Bekanntlich ist Neujahr am 1. Tischri, Versöhnungsfest am 10. Tischri und Hoschana rabba am 21. Tischri. Würde nun Jomkipur aus einen Freitag, also vor Sabbat, fallen, .so könnte jemand, der am Freitag stürbe, wegen der Heiligkeit des Sabbat nicht spätestens am Tage nach seinem Tode beerdigt werden, was aber einer hygienischen und zeremoniellen Vorschrift der damaligen jüdischen Länder entsprach. Fiele Jomkipur aus Sonntag, also unmittelbar nach Sabbat, so träte, wenn jemand am Sabbat stürbe, derselbe Behinderungsfall ein. Daraus folgt also, daß Jomkipur picht an einem Freitag oder Sonntag, und rückwärts gerechnet Neujahr nicht an einem Mittwoch oder Freitag sein kann. Ein weiterer Vertagungsfall ist durch die Zeremonie des Weidenklopsens an Hoschana rabba bedingt, eine Tätigkeit, die natürlich nicht an einem Sabbat vorgenommen werden darf. Der 21. Tischri darf demnach kein Sabbat und damit der 1. Tischri kein Sonntag sein. Zusammensassend sei sestgestellt, daß Neujahr niemals auf Sonntag, Mittwoch und Freitag fallen kann, d. h. nicht auf den 1., den 4. und 6. Wochentag, da ja die jüdische Woche mit dem Sonntag beginnt. Man merkt sich diese Tatsache durch das Kennwort Adu, wobei A dem Ales =2 1, b dem Dalet 4 und u dem Uwaf — 6 entspricht. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Dechiot, deren Erörterung aber schon in ganz spezielle Kalenderrechnung hineinführen würde. Tritt nun einer der oben gekennzeichneten Fälle ein, so muß Neujahr um einen Tag verschoben werden. Dadurch wird das alte Jahr verlängert, und es könnte aus diesem Grunde zu einem überzähligen werden, während das kommende Jahr nun einen Tag kürzer werden müßte, wenn nicht aus anderen Gründen ein Ausgleich zustande käme. Wir verstehen jetzt auf alle Fälle, daß es kürzere, sogenannte mangelhafte Jahre geben kann, wie wir sie oben ja schon gekennzeichnet haben. Marion Koegel Fol. Herbert Sonnenfeld, Berlin WM iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Eine spätere Generation hat die Adu-Verschiebungen nicht mit dem Sterben, sondern mit dem Essen in Verbindung gebracht, was allerdings weit sympathischer klingt. Man erwog: wäre Jomkippur am Freitag oder Sonntag, so würde entweder das „Anbeißen" oder die Hauptmahlzeit vor Kolnidre mit der jeweils erhöhten Kochtätigkeit der Hausfrau in die Sabbatzeit fallen, was jedoch, nicht sein durfte. — Ich halte diese Deutung für eine dem einfachen Verstand gefälligere Umschreibung der vorhin gekennzeichneten, keinesfalls aber für eine ursprüngliche. * Während nun die besprochenen Verkürzungen und Verlängerungen innerhalb des Mondjahres aus astronomischen oder rituellen Gründen notwendig sind, müssen zum Ausgleich und zur Uebkreinstimmung mit dem Sonnenjahr wesentlich andere Maßnahmen getroffen werden; denn der Unterschied zwischen einem Mondjahr von 354 Tagen und einem Sonnenjahr von 365 Tagen beträgt rund 11 Tage. Die genaue Berechnung führt uns zu dem wichtigen mathematischen 3Iesultat, daß 19 Sonnenjahre fast genau so lang sind wie 235 Dtondmonate. Diese 235 Mondmonate lassen sich aufspalten in 144+91, d. h. in 12 Jahre zu je 12 Monaten und 7 Jahre zu je 13 Monaten. Das grundlegende Schaltsystem lautet somit: Innerhalb eines Zyklus von 19 Sonnenjahren sind im jüdischen Kalender 7 Schaltmonate einz u f ü g e n. Aus rechnerischen Gründen hat man jeweils das 3.. 6., 8., 11., 14., 17., 19. Jahr zu Schaltjahren zu machen. Es läßt sich daher ein Schaltjahr leicht daran erkennen, daß die Division der Jahreszahl durch 19 den Rest 3, 6, 9, 11, 14, kann die milde, weiche Linie Mendelssohnscher Melodik warm und empfunden nachgezeichnet werden. Eine erfreuliche Leistung, die durch weitere Arbeit noch gesteigert werden könnte. Die Lieder begleitete Leo Taubmann sehr schön, für das Kantorale zeigte er weniger Sinn. h. Ä. Im Anschluß an den musikalischen Teil des Programmes las Johanna Meyer zwei Erzählungen aus der „Legende des Baalschem" von Martin Buber. Ohne rhetorischen Ueberschwang, auch ohne klügelnde Ueberspitzung des geistigen und formalen Elementes dient Johanna Meyer selbstlos, gütig und mit wohltuender Zurückhaltung lediglich dem Worte des Dichters. Diese Vorzüge kamen insbesondere der ersten der beiden Geschichten zustatten. Aber auch die düsterromantische. geheimnisvoll verhangene Symbolik der zweiten Erzählung, des „Werwolf" wußte die Sprecherin in der Klarheit eines starken, sinnlichen Ausdrucks unaufdringlich zu entschleiern. Li. L. Im Rahmen des Berliner Kulturbundes gab Dtarion Koegel einen Vortragsabend. Sie sang „Chansons und Lieder aller Länder", französisch, ungarisch, englisch, deutsch. Hebräisch, polnisch und jiddisch. Es ist nicht leicht für eine Vortragskünstlerm, allein einen ganzen Abend — über zwei Stunden — mit kleinen Liedern zu bestreiten, ohne das Publikum zu ermüden; daß ihr das gelang, daß die Zuhörer beifallsfreudig bis zum Schluß blieben, ist eine gute Bewährung ihrer Leistung, eine Bestätigung ihrer Kunst. Wenn man aus Kleinkunst eine Unterscheidung zwischen „naiv" und „sentimentalisch" anwenden darf, dann muß man Marion Koegels Vortragskunst als „sentimentalisch" bezeichnen. Sie gestaltet aus dem Intellekt, nicht aus der Ursprünglichkeit der Empfindung. Das Volkslied wird bei ihr zum Kunstlied — so erklärt es sich auch, daß ihr die „Volksweisen in deutscher Sprache" am wenigsten gelingen. Die mittelalterlichen Landsknechtslieder und Spielmannsweisen sind viel zu primitiv, viel zu „trutzig" und viel zu „milde, um mit einem solchen Aufwand an raffinierter moderner Kleinkunsttechnik vorgetragen zu werden. Diese Kritik richtet sich aber nur gegen einen Teil des Programms. Alles übrige — vor allem die zeitgenössischen Chansons, die am meisten Vergeistigung verlangen —- ist Beweis ihrer starken sprachlichen Mld auch mimischen Ausdrucks- und Wandlungsfähigkeit. Dem Publikum schienen die jiddischen und chassidischen Lieder am meisten zu gefallen. Werner Seelig-Baß, ausgezeichneter Pianist, „begleitete" mit zum Erfolg. 8.8—u. Die Berliner Synagoge Rykestratze war auch zu ihrer zweiten Winterhilssveranstaltung ausgezeichnet besucht. Die Künstler, die sich zur Verfügung stellten, hätten ihren Darbietungen vielleicht einen geschlosseneren Rahmen geben können, der insgesamt einen einheitlichen Eindruck gewährt hätte, aber die Einzelleistunaen waren beachtlich und konnten wohl die beabsichtigte Freude bereiten. Alice Hannes-Cassirer sang mit trefflicher Bemühung um seelische Durchdringung und mit leuchtendem Sopran aus Dvoraks Biblischen Gesängen, die sich auch Adolf Schwersenz erwählt hatte, dessen schönes tenorales Material aber durch leidenschaftslose Gestaltung beeinträchtigt wurde. Der Cellist Walter M a n e s mit gehaltvollem Ton, die Violinistin Senta G l a ß, rn der Rezitation Hildegard Caspary und am Flügel Lili Goetz und Hanna Engel waren weiter für die schöne Sache tätig. Dr. Fritz Lamm, der stellvertretende Vorsitzende des Mischen Wohlfahrtsamtes, gab einen Bericht über die Tätigkeit seiner Stelle. Lai. Einmal in jedem Monat findet bei Simon in Wannsee ein geselliger Nachmittag statt. Man sitzt in kleinen Stuben, auf dem Korridor, um den Flügel herum, und das sind die begehrtesten Plätze. Musik und Rezitationen finden einen andächtigen und aufnahmebereiten Kreis. Diesmal spielte der Cellist Fritz Wallenberg, von dem trefflichen Hermann 8. Schlesinger begleitet, Werke von Bach und Saint-Saöns mit guter Technik und schönem Ton. Dann trug der bekannte Pianist Stefan Antal Stücke von Chopin vor. Ein neues Gesicht: Rose Agnes Her sch. Eine sympathische, warme, kultivierte, tieftimbrierte Stimme hatte mit Opernarien einen schönen Erfolg. Der Weg zu einer unmittelbaren und persönlicheren Gestaltung liegt heute noch vor ihr. Johanna Meyer las aus den Essays von Dr. Simon, und Maxcelle Blank trug aus einer eigenen Novelle vor. L. A. Die Hamburger Aufführung von Schnitzlers .Liebelei", die in der vorigen Nummer der C.-B.-Zeitung besprochen wurde, scheint an Ge^ schlossenheit gewonnen zu haben. Das Hamburger Ensemble gefiel bei seinem Gastspiel im Jüdischen Kulturbund Frankfurt a. M. jo jehr, daß eins weitere Aufführung neben der geplanten notwendig wurde. Das Publikum war ergriffen. W. 8. M. Auch Mainz hatte das Glück, Alexander K i p - nis (Berlin) vor seiner endgültigen Abreise aus Deutschland zu hören. Wiederholt brachten die ergriffenen Zuhörer dem berühmten Künstler ihre Anerkennung und Bewunderung durch Erheben von den Sitzplätzen zum Ausdruck. Dr. Willy S a l 0 m 0 n war ein ebenbürtiger Begleiter, der Abend eine Erbauung. m—l. Ein interessanter Vergleich: vor einigen Wochen Joseph Plaut als Plauderer und Vortragskünstler in seiner chevaleresken, fast möchte man sagen, wohlerzogenen Art als Gast des Hamburger Kulturbundes; jetzt Max Ehrlich aus Berlin, der mit seinem Heiteren Abend einen starken Erfolg durch seine mehr saloppe, darum aber sicherlich, nicht weniger geprobte und erprobte Kunst erzielte. Ihren Höhepunkt erreichte die Heiterkeit des Publikums bei den „gespielten Witzen". Mitspieler waren Liselotte Cohn (Rosen), Hermann Ludwig Schlesinger und Fritz Melchior, der mit dem Vortrag Heinescher Gedichte, die er als Schnellzeichner durch Skizzen mit Kohlestift illustrierte, eine aparte Leistung der Kleinkunst im besten Sinne des Wortes bot. 8. 6. Der „Heitere Abend", den der Kulturbund Hannover zum Besten der Winterhilfe veranstaltete. stand ganz im Zeichen frischen Humors. Max Ehrlich plauderte, scherzte, spielte. Erfolgreich assistierten ihm dabei der Pianist Hermann Ludwig Schlesinger, die temperamentvolle Sängerin Erika Samson und Fritz Melchior, Rezitator und Zeichner in einer Person. 0. 8. Im Breslauer Kulturbund plauderte Dr. Anneliese Landau sehr geistvoll und gefällig über „Ungetanzte Tänze, ein Walzerabend". Ihre Ausführungen fanden den dankbaren Beifall der Hörer. Wolfgang Rose erläuterte den Vortrag in meisterhafter Weise am Flügel. Schw. Die Jüdische Winterhilfe Breslau veranstaltete zwei Sondervorstellungen des im Breslauer Kulturbund mit großem Erfolg aufgenommenen Bibeldramas „Die Krone Davids" von Calderow Die Aufführungen waren von über 1000 Gästen besucht, die den Vorgängen auf der Bühne mit starkem Interesse folgten und am Schluß stürmischen Beifall spendeten. 8chw, Vor einem begeisterten Publikum konzertierten Boris und Joseph Schwarz im Jüdischen Kulturbund Oberschlesien. Höhepunkte waren Beethovens Kreuzersonate, das virtuos gespielte L-moll-Konzert von Mendelssohn, die von Joseph Schwarz herrlich wiedergegebene 8-moII-Sonate und das „Berceuse" von Chopin. Das Publikum überschüttete die Künstler mit reichem Beifall. G. L. Anläßlich einer Offenbach-Veranstaltung der Jüdischen Kunstgemeinschaft Köln skizzierte der bekannte Musikwissenschaftler, Dr. Martin Friedland, in ansprechendem Plauderton das Leben und Schaffen des in der rheinischen Metropole geborenen Komponisten. Wirksam wurde der Redner durch musikalische Illustrationen, ausgeführt von der charmanten, hochbegabten Soubrette Emmy Merkel (besondere Beachtung für weitere, der leichten Muse geweihte Abende dürfte ihr geschenkt werden), und dem wohlklingenden, kultivierten Tenor von Dr. Josef Carlebach unterstützt. Als Begleiter bewährte sich bestens Artur Düring, der sich auch solistisch am Flügel betätigte. Der Beifall war herzlich. — yo— In einem Gemeindeabend in Essen schilderte der Vorsitzende der' Gemeinde, Dr. Georg H i r s chl a n d, die Maßnahmen der Jüdischen Winterhilfe nach der materiellen Seite, während Rabbiner Dr. Hugo Hahn sich vor allem mit der seelischen und geistigen Hilfe befaßte, die in dieser Zeit den vom Schicksal Vernachlässigten unserer Gemeinschaft gebracht werden müsse. Der Abend war umrahmt von Liedvorträgen des neugegründeten Gemischten Chores der Gemeinde unter Erwin Palm, Düsseldorf. Als Solistin des Abends wirkte Ruth Kisch-Arndts Kölnmit. Der Kulturbund für Osttvestfalen und angrenzende Gebiete veranstaltete in Herford, Bielefeld, Detmold, Rheda, Minden, Paderborn, Hamm, Münster, Osnabrück, Oldenburg mit der Altistin Ruth Kisch-Arndt, Köln, einen Liederabend, der wieder ein großer Erfolg wurde. Neben Werken von Händel, Beethoven, Brahms und Schubert wurden jüdische Komponisten zu Gehör gebracht. Ruth Kisch-Arndt verfügt über einen herrlichen, klangvollen Alt. 8.V.