Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Auslandsnachrichten Bulgarien Der bulgarische Innenminister General Sp ow veröffentlicht die Mitteilung, daß die bulgarische Regierung die beiden nationalistischen Organisationen „Narodna Zaschtita" (Heimwehr) und „Nationalistische Liga" aufgelöst hat. Sie hätten von je eine scharfe antisemitische Terrorpolitik getrieben. Dänemark Fast die gesamte dänische Presse hat eine durch die offizielle dänische Nachrichten-Agentur Ritzau- Büro verbreitete Kundgebung veröffentlicht, die der Bischof von Kopenhagen, Fubelsüng- Damgaard, sowie die Professoren der Kopenhagener Universität Aage Bentzon, Johannes Pedersen, Frederik T o r m und Dozent Flemming Hvidberg gegen die in letzter Zeit verstärkte judenfeindliche Propaganda einer kleinen antisemitischen Gruppe und der ton. ihr herausgegebenen Kampfblätter erlassen haben. Gleichzeitig veröffentlichen die dänischen Zeitungen ein Interview mit Professor T o r m, der als einer der besten Kenner jüdischer Angelegenheiten und Verhältnisse in Dänemark gilt. In diesem Interview entlarvt Professor Torm die von der antisemitischen Gruppe Dänemarks in ihrer Propaganda angewandten Methoden der Verbreitung unwahrer Behauptungen und der Benutzung gefälschter Dokumente und erklärt, es sei eine Schande, daß derartige Dinge in dänischer Sprache veröffentlicht werden. Polen In der Budgetkommission des polnischen Sejm hielt der Abgeordnete M i n z b e r g, Vorsitzender der Lodzer Jüdischen Gemeinde, eine Rede, in der er die Verzweiflung der jüdischen Bevölkerung über die gegen sie gerichtete Politik zum Ausdruck brachte und an den an der Sitzung teilnehmenden Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium Grhbowski zur Weiterleitung an den Ministerpräsidenten Koszialkowski den Appell richtete, die allgemeinen Politischen Verhältnisse so zu gestalten, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Lebensmöglichkeit nicht beraubt werde. Aber es sei die Regel, daß die Polizei auf dem Schauplatz solcher Ereignisse um eine Minute zu spät eintrifst. Der Redner betonte, daß es nicht möglich sein werde, gegenüber einer Bevölkerung von 3Va Millionen Bürgern eine Rassenpolitik durchzuführen. Es sei daher notwendig, daß die Regierung sich ernsthaft mit der Judenfrage befasse und sie einer Lösung im Sinne der Verfassung, der wahren Staatsinteressen und der Menschlichkeit zuführe. In dem Schlußwort zu der Debatte ging Unterstaatssekretär Grybowski auch aus die Ausführungen des Abgeordneten Minzberg ein. Er müsse die Darlegungen des Abgeordneten selbstverständlich zur Kenntnis nehmen. Sollte es sich Herausstellen, daß die antisemitische Propaganda ton einzelnen behördlichen Stellen tatsächlich Förderung erfahren habe, so wäre dies außerordentlich zu bedauern. Die Behörden haben den Straßenberkauf der extrem antisemitischen Zeitschrift „Warta" verboten. Das Verbot wurde damit begründet, daß die Straßenverkäuser Armbinden mit einem Emblem trugen, das Bestandteil der Flagge einer fremden Macht ist. Rumänien Auf den Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft im rumänischen Senat, Oberrabbiner Dr. Jacob Niemirower, wurden am Sonnabend, als er sich zum Gottesdienst in der Bukarester Hauptshnagoge begeben wollte, von einem Studenten namens Aurel Jonescu vier Revolverschüsse abgegeben. Wie durch ein Wunder blieb Oberrabbiner Niemirower unverletzt, obwohl eine Kugel den Aermel seines Mantels durchbohrte. Passanten eilten Dr. Niemirower zu Hilfe und nahmen mit großer Mühe den verzweifelten Widerstand leistenden Attentäter fest. Obwohl amtlich erklärt wird, daß die Tat mit Jks zum 1. Aptil füc 66 Jlfmnig-! Wer die C.-V.-Zeitung noch nicht liest, schicke uns umgehend diesen Bestellzettel: Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.>Zeitüng 66 Pfennig für Februar/März zahle ich an den Briefträger. — Die beiden letzten Januar - Nummern erhalte ich kostenlos. Name :----:— Ort:--- Strasse :-—--- Datum -— Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert senden an» C.-V .-Zeitung, Vertrieb Berlin W15, Emser Strasse 42 J 2, Oliva 8141. politischen Motiven nichts zu tun habe, muß dochangenommen werden, daß die ungezügelte antisemitische Propaganda, die trotz Belagerungszustand und Zensur vielfach unter stillschweigender Duldung der Behörden vor sich geht und zum Teil auch von kirchlichen Kreisen gefördert wird, den krankhaft veranlagten Attentäter zu dem verbrecherischen Anschlag auf den 64jährigen Oberrabbiner veranlaßt hat. Statistische Notizen Der Familienstand der Juden in Deutschland Die Ehefreudigkeit der Juden in Deutschland unterschied sich bisher nur wenig von der Umwelt. Die Volkszählung des Jahres 1933 stellte nämlich den Familienstand der einzelnen Konfessionen besonders fest. Dabei ergab sich die Tatsache, daß im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung 439 von 1000 Personen verheiratet waren; von 1000 Jüden, die Mitte 1933 in Deutschland gelebt haben, waren dagegen 446 verheiratet. Der Wunsch zur Konsolidierung, der aus den Verheirateten-Zifsern abzulesen ist, war bei den Juden eher noch größer als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Allerdings darf nicht vergessen werden — worauf hier schon des öfteren hingewiesen worden ist — daß die heiratsreisen Jahrgänge der Juden relativ stärker besetzt sind als bei der Gesamtbevölkerung, so daß also den Altersvoraussetzungen hier eine maßgebliche Bedeutung zukommt. Das drückt sich noch stärker darin aus, daß die Zahl der Ledigen bei der jüdischen Bevölkerung in Deutschland weit niedriger. der der Verwitweten und Geschiedenen dagegen weit höher ist als bei der Gesamtbevölkerung. Das sei durch zwei Zahlengegenüberstellungen bewiesen. Bei der Gesamtbevölkerung des Jahres 1933 waren 492 unter 1000 Menschen ledig, unter 1000 Juden nur 444, bei der Gesamtbevölkerung gab es 69 verwitwete oder geschiedene Menschen unter 1000, bei den Juden dagegen lll unter 1000, Der seit Jahrzehnten sich steigernde Geburtenrückgang bei den Juden und die damit parallel gehende Ueberalterung sind die wichtigsten Ursachen für diese Abweichungen des Familienstandes des jüdischen Vollsteiles pon dem der Umwelt. Die Säuglingssterblichkeit bei den Juden in Deutschland Die neuesten statistischen Veröffentlichungen ergeben die Tatsache, daß die Säuglingssterblichkeit bei den ehelich geborenen Kindern aus rein jüdischen Ehen eine geringere ist als beim Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Die neuesten Zahlen liegen für das Jahr 1933 vor. Von der Gesamtbevölkerung starben in diesem Jahr rund 447 000 Menschen, darunter waren rund 45 000 Säuglinge (Kinder unter einem Jahr alt), das sind etwa 10 Prozent. Jüdische Menschen starben tnt Jahre 1933 rund 5660, darunter 83 Säuglinge, das sind 1,5 Prozent. Die unkritische Betrachtung dieser Zahlen muß mit Rücksicht auf die viel ungünstigere Altersgliederung der Juden — mit der Folge einer besonders großen Zahl von Sterbefällen — und dem besonderen Geburtenrückgang zu einer Fehlerkenntnis führen. In Wirklichkeit ist zwar die Säuglingssterblichkeit der Juden günstiger, aber doch nicht, in dem Maße, wke man es aus dem großen Unterschied der vorhergehend gerechneten Prozentsätze von rund 10 Prozent und 1,5 Prozent vermuten könnte. Der richtigere Maßstab ist der, die Zahl der verstorbenen Säuglinge den Zahlen der Geborenen in der gleichen Zeitspanne gegenüberznstellen. Da ergibt. sich bei der Gesamtbevölkerung eine Zahl von rund 556 000 ehelich geborenen Kindern im Jahre 1983, die Zahl her rein jüdischen ehelichen Geburten betrügt 1913. Stellt man die Zahl der gestorbenen Säuglinge diesen beiden Werten gegenüber, so ergibt sich bei der Gesamtbevölkerung eine so errechnet« Säuglingssterblichkeit von 8 Prozent, bei den Juden in Deutschland von 4,3 Prozent. Es sei hierbei erwähnt, daß auch in einzelnen anderen Ländern, für die einschlägiges Material vorliegt, die Säuglingssterblichkeit bei den jüdischen Volksteilen zum Teil günstiger liegt als bei der jeweiligen Umwelt, Polnische Ziffern Den soeben veröffentlichten amtlichen Statistiken ist zu entnehmen, daß im Verlanf der zehn Jahre. zwischen den beiden letzten Volkszählungen ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Polen vor sich, gegangen ist, der sich am stärksten in den ostpolnischen Städten, die früher teilweise absolute jüdische Mehrheiten auswiesen, äußert. In sechs Wojwodschaften, für die bereits die vollständigen Ziffern vorliegen, machten die Juden im Jahre 1921 noch 12,5 Prozent, dagegen im Jahre 1931 nur noch 9,5 Prozent der Gesamteinwohnerschaft aus. In den Westprovinzen hat sich der prozentuale Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung noch mehr verringert. Die Ursache liegt in dem Geburtenrückgang bei den jüdischen Familien, die eine Folge der unbeschreiblichen Not ist, sowie in der sich alljährlich steigernden Auswanderung nach Palästina. Die Palästina-Auswanderung überstieg im letzten Jahr sogar den natürlichen Bevölkerungszuwachs der Juden. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung leben in Warschau 352 659 Juden; von ihnen haben 333 554 als Muttersprache Jiddisch, etwa 19 000 Pvmisch angegeben. Ablehnung von Straßenumbenennungen- In der Münchener Ausgabe des „Völkischen Beobachters" wird mitgeteilt, daß die Anwohner des Judenbühlweges, Judenhofes und Judenplanes in Würzburg wiederholt an die Stadtverwaltung das Ersuchen gestellt haben, diese Straßen neu zu benennen. Da diese Bezeichnungen sich aber geschichtlich entwickelt, und somit ein Stück Stadtgeschichte seien, verdienten sie, erhalten zu werden. In verschiedenen deutschen Großstädten seien Anträge auf Umbenennung ähnlicher Straßennamen, wie Judengasse, Judenhof usw. aus den gleichen Gründen abgelehnk Norden. Umbenannt Norden seien überall lediglich die nach Nichtarier.n benannten Straßen. Die Judenfrage in der Wirtschaft Der Gauwirtschaftsberater der NSDAP für den Gau Köln-Aachen hatte, wie der „Völkische Beobachter" meldet, im Aufträge von Gauleiter Staatsrat Große die Vertreter der Partei, der Behörden und der Wirtschaft aus dem westdeutschen Grenzgebiet zu einem Ausspracheabend mit Staatssekretär Posse in die Kölner Industrie- und Handelskammer geladen. Ueber das Rheinland hinausgehende Bedeutung hatten, wie der „V. B." schreibt, die Auslassungen des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Gauleiter Staatsrat Terboven, über die Judenfrage im Wirtschaftsleben. Er hob nachdrücklich hervor, daß der Nationalsozialismus von seinen programmatischen Erklärungen und seiner Stellung zum Judentum nicht im geringsten abgehen wird. Der realpolitischen Einstellung der Partei entsprechend, sei es dem Endziel jedoch nicht förderlich, durch unnötige Maßnahmen in der Judenfrage die Wirtschaft, und letzten Endes auch damit den Staat, zu schädigen. Die „Kölnische Zeitung" berichtet über die Ausführungen vop Oberpräsident Terboven zur Judenfrage in der Wirtschaft, daß sie, ohne grundsätzliche Konzessionen zu machen, sehr realpolitisch eingestellt gewesen seien und in der These gipfelten, daß jeder wirtschaftliche Rückschlag, der bei der heutigen schwierigen Wirtschaftslage Auswirkungen aus die Aufbauarbeit haben können, zu vermeiden sei. Er unterstrich bei dieser Gelegenheit die außerordentliche Bedeutung des Exports, der aus jeden Fall sichergestellt werden müsse. Er stellte weiter fest, daß jegliche Tarnung, und damit Unmoral, in der Wirtschaft vermieden werden müsse. Staatssekretär Posse schloß sich den Auffassungen des Oberpräsidenten an und erklärte, daß sich der Führer und Reichskanzler eine Erweiterung der Nürnberger Gesetze auf das wirtschaftliche Gebiet Vorbehalten habe, und daß, solange die Entscheidung nicht gefallen sei, Eingriffe nicht gestattet seien. Die Auswirkungen des Reichsbürgergesetzes innerhalb der Reichsjustiz" Verwaltung In der „Deutsche n I u st i z", dem amtlichen Blatt der deutschen Rechtspflege, werden die Namen der Beamten veröffentlicht, die aus Grund des Reichsbürgergesetzes und der dazu ergangenen Ausführungsverordnungen als jüdische Beamte im Sinne dieser Bestimmungen in den Ruhestand versetzt worden sind. Bei den Oberlandesgerichten sind 1 Senatspräsident, 11 Kammergerichtsräte und 16 OberlandeSgerichtsräte, also 28 Beamte in den Ruhestand getreten. Bei den Landgerichten sind in den Ruhestand versetzt worden: 8 Landgerichtsdirektoren, 51 Landgerichtsräte sowie 1 Senatsprästdent, 6 Kammergerichtsräte, 4 Oberlandesgerichtsräte, 1 Erster Staatsanwalt und 1 Arbeitsgerichtsdirektor, die bei den Landgerichten beschäftigt gewesen sind, insgesamt also 72 Beamte. Bei den Amtsgerichten sind von der Neuregelung 74 Amtsgerichtsräte sowie 2 Senatspräsidenten, 1 Landgerichtspräsident, 2 Kammergerichtsräte, 1 Oberlandesgerichtsrat und 12 Landgerichtsdirektoren betroffen worden, die bisher bei den Amtsgerichten beschäftigt worden sind. Bei der Staatsanwaltschaft sind 1 Erster Staatsanwalt, 1 Staatsanwaltschaftsrat und 1 Oberamtsanwalt in den Ruhestand getreten, innerhalb der Strasanstaltsverwaltung 1 Strafanstaltsmedizinalrat und der Strasanstaltsrabbiner bei dem Strafgefängnis Plötzensee. Weiterhin sind 6 Notare (diese Zahl betrifft nur außerhalb Preußens tätig gewesene Notare, denen Gebühren nicht zufließen), 3 Gerichtsassessoren und 5 Mitglieder des Reichspatentamtes in den Ruhestand getreten. Es sind somit 216 Beamte aus der Neichsjustizverwaltung ausgeschieden.?flicktfortbiIdrmF für Aerzte Wie im „Deutschen Aerzteblatt" (Heft 1 vom 4. Januar 1936, S. 4) mitgeteilt wird, umfaßt die nächste Etappe der Organisation der Pflichtfortbildung die deutschen praktischen Aerzte und Fachärzte aus Orten über 100 000 Einwohnern (Großstadtärzte). Deutsche Aerzte sind diejenigen, die gemäß 8 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 nicht als Juden gelten. ,, Der Heufieberbund E. B., Verein zur Bekämpfung des Heufieberleidens, Sitz Helgoland, versendet ein Rundschreiben mit folgendem Passus: „Unter Hinweis auf das Gesetz vom 14. November 1935 bitten wir die laut Durchführungsbestimmung 8 5 nichtarischen Mitglieder, ihre Äustrittserklärunq bis 1. Februar 1936 der Geschäftsstelle des Bundes schriftlich anzuzeigen." Mecklenburg kommt zum Preussischen Landesverband Am 12. Januar fand in Rostock die Landesversammlung der Israelitischen Landesgemein-de Mecklenburg statt, die als wichtigster Punkt über den Anschluß an den Preußenverband zu beschließen hatte. Nach einem ausführlichen Referat des zu der Tagung erschienenen Vizepräsidenten des Preußischen Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, und ergänzenden Ausführungen des Sachbearbeiters des Verbandes, Max Birnbaum, wurde der vorgelegte Vertrag über den Anschluß der mecklenburgischen Landestemeinde und ihrer Ortsgemeinden an der .preußischen Landesverband jüdischer Gemeindeinstimmig genehmigt. Die Versammlung wählt um Vertreter Mecklenburgs im Großen Rat bei' Preußenverbandes den Vorsitzenden des mecklen burgtschen Oberrats, Direktor Max Samueck. Beschlüsse der Ägudas Jisroel Auf dem Frankfurter Delegiertentag der deütschen Landesorganisation der Agudas Jrsroel wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, die dem Landesvorstand als Material übergeben wurden- So wurde eine weitgehende Zusammenarbeit von zentralen und lokalen Stellen, von Keren Harora und Jugendorganisationen angeregt. In den Gruppen sollen soziale Fragen ebenso wre dre Frage der Landkinder-Aktion gelöst werden. Nach Frankfurter Muster will man auch in anderen Gruppen Landschülerhetme einrichten. In gemeinsamer Arbeit mit der „Freien VereimgunH für die Interessen des orthodoxen Judentums sollen Schmirat Schäbbat-Fragen behandelt werden; ebenso will man zusammen mit der Freien Vereinigung religiöse Auswandererberatungsstellen schaffen. Ein Antrag,, wonach es Aguda- Vorstandsmitgliedern nicht erlaubt sein, solle, anderen nichtorthodoxen Organisationen irn Hauptvorstand anzugehören, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Delegierten hießen das Abkommen mit dem RjF gut. Sokolow Der Nestor der zionistischen Bewegung, Nachum Sokolow, ist am 10. Januar 75 Jahrs alt geworden. Wollte man aus Anlaß dieses Ereignisses ein Bild seines Lebens geben, so hieße das nicht viel weniger, als eine Geschichte des Zionismus schreiben. . Denn der Weg Sokolows von seinen publizistischen Anfängen bei der in Warschau erscheinenden hebräischen Zeitschrift „Hazesira" bis zu einer Wahl zum Präsidenten und Ehrenirästdenten der Zionistischen Weltorganiation umfaßt gedanklich sowohl wie politisch die ganze Spanne zionistischer Wirkungsmöglichkeit überhaupt. Sokolow stammt aus dem kleinen polnischen Ort Whszogod bei Plock, aber von früh an ist nichts von Kleinheit und Enge an ihm. Mit dem unverbrauchten und ungebändigten Wissensdurst der besten Menschen seiner Herkunft sucht er die europäische Geisteswelt und bewältigt sie, indem er sich ihr öffnet. In seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten schlägt er die Brücke zwischen ihr und den Menschen seiner Generation, die sich soeben aus den Fesseln des Oestlichen Ghettos zu lösen beginnt. Sokolow selbst prägt diese schicksalhafte Begegnung zwischen mittelalterlich-starrem Judentum und europäisch - neuzeitlicher Geistesfreiheit zum Zionisten. Er schließt sich bald nach dem ersten Zionistenkongreß der Bewegung an, wird Generalsekretär, Mitglied des engeren Aktionskomitees, Präsident der zionistischen Weltorganisation. Als 1935 wieder Weizmann dieses Amt übernahm, wurde Sokolow zum Ehrenpräsidenten. ernannt. Aber diese äußeren Fortschritte aus der Stufenleiter der zionistischen Hierarchie erschöpfen die Bedeutung des Mannes auch nicht annähernd. Denn sie sind errungen und ausgesüllt durch eine enorme Arbeitsleistung auf 'allen Gebieten der Politik und Publizistik und in allen Ländern Europas. Sokolow, der eine unwahrscheinliche Zahl von Sprachen fließend beherrscht, ist neben Weizmann der Diplomat der Bewegung. An den diplomatischen Vorarbeiten zur Balfour-Deklaration ist er hervorragend beteiligt gewesen- Seine Zuammenarbeit mit Weizmann ist seit damals o eng, daß Weizmann einmal von ihm agte: „Wenn ich von ihm spreche, ist es mir beinahe, als spräche ich von mir selbst". In dieser Zeit, der die Bewältigung ungeahnter geistiger und praktischer Probleme aufgegeben ist, braucht der Zionismus Männer, die Wissen, Leistung und Tradition in sich vereinigen wie Nachum Sokolow. Wenn Verehrung und Liebe Kraft zu geben vermögen, wird er noch lange jugendfrisch 'an seinem Platze wirken. E. R.—J. An Stelle des verstorbenen Lord Peading ist Sir Herbert Samuel zum Präsidenten der Palestine Electric Corporation (Rutenberg Elektrizitäts-Werk) gewählt worden. Der Ehrenpräsident des Joint Distribution Comitees Felix M. Marburg hat anläßlich seines 65. Geburtstages am 14. Januar Glückwunschtelegramme und -Schreiben aus allen Ländern der Welt erhalten. Marburg erklärt, er beabsichtige seine Tätigkeit aus jüdisch-öffentlichem Gebiet sortzusührem I. P. Morgan & Co. In Presseberichten über die Verhandlung des amerikanischen Senatsausschusses zur Untersuchung der Munitiönssabrikation und den Munitionshandel wird gelegentlich das „jüdische Haus" I. P. Morgan & Co. erwähnt. Diese Angabe beruht auf einem Irrtum. In amerikanischen jüdischen Kreisen weiß man seit langem, daß das Haus I. P. Morgan niemals einen jüdischen Partner hatte, sondern immer darauf achtete, puritanische Geschästsiühaber zu besitzen. Auch unter den leitenden Beamten des Hauses haben sich keine Juden befunden, so ,daß das Haus I. P. Morgan den Ruf einer antisemitischen Haltung gewonnen hat. Das „Handbuch der Judenfrage" von Theodor Fritsch führt übrigens die Firma I. P. Morgan nicht aus. HaMtschrlftlelter: Dr. Altred Hirschberg; Stellvertr. und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim. Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Aneigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Vnzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. IV. Vj. iOOOO, PI. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e, V., Berlin W 15, Emsrcr Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft mbH, Berlin SW 19.