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Central-Verein-Zeitung · 1936-01-03 · 1 (3.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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* 5. Beiblatt C«¥lirituni Palästina^ Umschau Politische Entwicklungen im vorderen Orient Von uiiserem Palästina-Korrespondenten Die Unruhen in Aegypten und die arabische Frage TBL AVIV, den 17. Dezember 1935. Die jüngste Wendung der politischen Ereignisse in Aegypten ist für Palästina, insbesondere für das dort so wichtige Verhältnis zwischen Juden, Arabern und Engländern von unmittelbarer Bedeutung. Das grosse und wohlhabende Aegypten nimmt unter den Araberstaaten des Mittleren Ostens eine Sonderstellung ein. Es liegt auf der Hand, dass die unmittelbar an das Mittelmeer grenzenden Länder dieses Raumes stärker mit dem Welthandel und der Weltpolitik verknüpft sind, als die landeinwärts gelegenen oder nach exotischeren Meeren orientierten Staaten Irak, Saudi-Arabien oder gar das kleine Transjordanien. Die eigentlichen Länder des östlichen Mittelmeerbeckens, nämlich Aegypten, Syrien und Palästina haben schon durch ihre geographische Lage einen gewissen Entwicklungs-Vorsprung, der sich in Wirtschaft und Zivilisation sehr deutlich auswirkt. Von diesen drei Ländern aber ist nur Aegypten unter einem König aus einheimischem Fürstengeschlecht wenigstens in gewissen Grenzen selbständig und autonom, während Syrien und Palästina als französische bzw. englische Mandatsgebiete offiziell überhaupt keine eigene Politik haben. Es ist klar, dass die Führer der arabischen Nationalbewegung auch in Syrien und Palästina die ägyptischen Vorgänge mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen, und dass die arabische Aktivität auch in Syrien und Palästina zunimmt oder abnimmt, je nachdem die Dinge in Aegypten eine vom arabischen Standpunkt ermutigende oder entmutigende Wendung nehmen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass in derselben Zeit, in der die ägyptische Politik von Studentenkrawallen und anderen Unruhen beherrscht wurde, auch in Syrien und Palästina die Araberfrage erneut in den Vordergrund trat. Die syrische Polizei entdeckte eine Geheimorganisation, die in grossem Stil mit der Sammlung von Geld und Waffen begonnen hatte, in Palästina kam es zu dem blutigen Gefecht zwischen der Staatsgewalt und der Terrorist^nbande des Scheichs Izz el Din al Quazzam; am Jahrestag der Besetzung Jerusalems durch die Engländer nahm eine Massenversammlung der arabischen Jugend scharfe Protestresolutionen gegen die Mandatarmacht an und noch heute erfolgen gelegentlich Verhaftungen im Zusammenhang mit der Aktion gegen die Terroristen. Als bezeichnende Einzelheit sei erwähnt, dass dieser Tage zwei arabische Beamte der Polizeistation Hebron gemassregelt werden mussten, weil sie versucht hatten, Akten über arabischen Waffenschmuggel beiseite zu schaffen. Die ganze Problematik des geplanten „Gesetzgebenden Rates“, der einer starken, zionisten- und englandfeindlichen Majorität ein Mitbestimmungsrecht — wenn auch mit beschränkten Befugnissen — einräumen würde, wird dadurch beleuchtet. Es bleibt nunmehr abzuwarten, wie sich der Umschwung in Aegypten auf die Stimmung in Palästina auswirken wird. Dort scheint es nämlich gelungen zu sein, die Entwicklung in die Bahn der Evolution zu leiten und die Gefahr ernsthafter revolutionärer Ausbrüche zu bannen. Die Ablösung des gemässigten Ministeriums Nessim Pascha durch ein radikal-nationales Ministerium unter den Auspizien der „Wafd“- Partei, die schon beschlossene Tatsache schien, wurde im letzten Augenblick abgeblasen, die seit längerer Zeit suspendierte Verfassung von 1923 wird wieder eingeführt und ein neuer englisch-ägyptischer Vertrag dürfte schon in naher Zukunft abgeschlossen werden. Englands Einfluss im östlichen Mittelmeer-Becken Es ist hier nicht der Ort, auf die Einzelheiten dieser Neuregelung einzugehen. Wichtig zur Beurteilung der palästinensischen Lage — und diese Zusammenhänge dürfenallerdings nicht unterschätzt werden — ist nur die Veränderung, die etwa in der Stellung Englands und der Araber im östlichen Mittelmeerbecken ein treten könnte. Aegyptens Bedeutung für die Araber wurde bereits erwähnt, seine Bedeutung für England kann durch die Schlagworte „Suezkanal“ und „Baumwolle“ einigermassen, wenn auch keineswegs erschöpfend, gekennzeichnet werden. Aegypten ist zwar weder Kolonie noch Dominion, weder unter dem Protektorat noch Mandat des Britischen Reiches. England hat in Aegypten „nur“ eine Reihe vertraglicher Vorrechte, Truppen und einen High Commissioner, und der Sudan, der Pufferstaat zwischen Aegypten und -Abessinien, steht auch formell unter gemeinsamer englisch-ägyptischer Verwaltung. Englands Truppen- und Flottenbewegungen zum Schutze des Suezkanals sowie der abessinisch-sudanesischen Grenze bzw. (des dortigen Nil-Quellgebietes aber können als der unmittelbare Anlass der ägyptischen Unruhen bezeichnet werden. Wenn jetzt auch die Ordnung auf den Strassen im polizei massigen Sinne wiederhergestellt ist, so haben eben diese Unruhen doch die Entwicklung ein gutes Stück weiter getrieben. Der König hat ein Dekret unterzeichnet, das die Verfassung von 1923 wiederherstellt. Danach soll ein Zweikammersystem als gesetzgebende Gewalt eingeführt werden, und das Kabinett muss vom König, nach den Grundsätzen des parlamentarischen Konstitutionalismus gebildet werden. Gleichzeitig aber hat sich der Wafd nach längerer Aussprache mit dem König und dem britischen High Gommissioner Sir Miles L a in p s o n — der bezeichnenderweise auch unmittelbar mit der Opposition verhandelt hat — bereiterklärt, einem neuen ägyptisch-englischen Vertrage zuzustimmen, der sich auf der Grundlage des 1930 von Arthur Henderson auf englischer und von dem Wafd-Führer Nahas Pascha auf ägyptischer Seite paragraphierten Vertragsentwurfes halten würde. Nach diesem Entwurf sollen Englands militärische Rechte in Aegypten strenger, begrenzt werden, und vor allem würde der Schutz der Ausländerinteressen nicht mehr besonderen Konsulargerichten, sondern den ägyptischen Behörden unterstehen. Zur Verfassungsfrage ist noch zu bemerken, dass es sich hier viel weniger um eine demokratische als um eine nationale Angelegenheit handelt. Wenn in Aegypten die Wiederherstellung der Konstitution, in Syrien die Erneuerung des republikanischen Parlamentarismus und im Mandatsgebiet Palästina die Schaffung eines Gesetzgebenden Rates gefordert wird, so handelt es sich bei allen diesen Plänen um das gleiche Ziel: Mobilisierung und Emanzipation der Volksmassen als Mittel zur Erreichung und Festigung der nationalen Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Der neue englisch-ägyptische Vertrag endlich zeigt die Elastizität und den Realismus der britischen Kolonialpolitk, die Explosionen zu vermeiden strebt und — sei es auch unter grossen Zugeständnissen — die wesentlichen Interessen des Empire verteidigt. Dass die Engländer auch gegenüber viel selbständigeren Staaten des Mittleren Ostens ihren Einfluss geltend zu machen wissen, zeigt ein anderes Beispiel aus der neuesten Entwicklung. Entsteht ein panarabischer Staatenbund? Zwischen den Königreichen Saudi-Arabien und Irak ist ein Vertrag über militärische und politische Zusammenarbeit geschlossen worden, der von manchen als Keimzelle eines panarabischen oder panislamischen Staatenbundes bezeichnet wird. Jedenfalls sind Bestrebungen im Gange, dieses Abkommen dprch Einbeziehung der Türkei, Persiens und angeblich auch Afghanistans zu einem Fünfmächtepakt auszubauen. Dass ein solcher Pakt die Unabhängigkeit der betreffenden Länder auch gegenüber England wesentlich stärken würde, liegt auf der Hand, Aber England, das eben erst die Eisenbahnverbindung Arabien—Mittel- 3. Januar 1936 Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorf er Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe meer gewissermaßen unter sein Protektorat genommen hat, kümmert sich auch sonst um die Regelung der Verhältnisse auf der arabischen Halbinsel. Auf einer gemeinsamen Konferenz sollen die Beziehungen zwischen dem grossen Königreich Saudi-Arabien und den kleinen Emiraten am Rande der Halbinsel, die unter englischem Protektorat gleichsam als Pufferstaaten längs des Persischen Golfes gruppiert sind, geklärt werden An der Konferenz werden auch die englischen Bevollmächtigten teilnehmen. Gerade weil die pariarabischen oder panislamischen Strömungen immer wieder über die mehr oder minder künstlichen Staats- und Mandatsgrenzen, die ja erst in jüngster Zeit von landfremden europäischen Mächten festgelegt worden sind, hinwegfluten, ist es auch für Palästina wichtig, die Bewegung in den Nachbarländern zu verfolgen. Die arabische Nation, die mohammedanische Religion und England — das sind die Kräfte, die auch in Palästina dauernd am Werke sind. Jede Spannung zwischen diesen Kräften, auch in anderen Ländern, beunruhigt den jüdischen Aufbau in Palästina, jede Beruhigung und Befriedung fördert ihn. Daneben gibt es natürlich, als besonderes Problem, noch die selbständige und aktive jüdische Politik gegenüber diesen Mächten, denn auch die jüdische Siedlung in Palästina und die hinter ihr stehenden Kräfte sind heute schon ein politischer Faktor. Diese jüdische Außenpolitik mit all ihren Meinungen und Möglichkeiten ist ein besonderes Kapitel. Für heute sollten nur, an Hand der aktuellen Ereignisse, die dafür wichtigen äusseren Umstände. gezeigt werden, die der unvorbereitete neue Einwanderer oder der oberflächliche Palästina-Beobachter in Europa so leicht übersieht. Die Bauernbewegung in Palästina Dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, Professor Dr. W eizmann, scheint ein weiterer wesentlicher Schritt zur Einigung und politischen Zusammenfassung des jüdischen Jischuw in Palästina gelungen zu sein. Die Organisation der Bauern, das heisst der nicht auf Keren Kajemeth Land, sondern auf privatem Boden, zum grossen Teil schon seit Jahrzehnten ansässigen Landwirte, die seit langem in einem ziemlich gespannten Verhältnis zu den jüdischen Zentralinstanzen Jewish Agency und Nationalrat (Waad Leumi) steht, beschloss, eine Spezialkommi6,sion einzusetzen, die mit Dr. Weizmann über dessen Vorschläge zu besserer Zusammenarbeit zwischen Bauernverband und Zentralinstanzen verhandeln soll. Auf der gleichen Jahrestagung, die diesen wichtigen Beschluss fasste, hatte Dr. Weizmann an die versammelten Bauern einen Appell zur Kleine ärztliche Beobachtungen in Jerusalem Im nördlichen Teil Jerusalems, an der St.-Paul-Street, gibt es einige eigenartig gebaute Häuserblocks, zu denen freiliegende Treppen von aussen heraufführen. Hier wohnen arme Juden, die aus Siebenbürgen eingewandert sind, und man nennt diese Häuser auch die „Siebenbürgerhäuser“. Es sind fromme Leute; der Vater trägt auch zu Haus die Kopfbedeckung, eine hohe Fellmütze, und das kranke l1/2jährige Kind hat im Bett ein besticktes Käppchen auf. Um das Handgelenk des Kindes ist ein rotes Band geknüpft. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen eigenartigen Talisman handelt: Einige Kilometer von Jerusalem entfernt, auf dem Wege nach Betlehem, liegt Rubels Grab, die einzige der „Heiligen Stätten“, bei der Juden die Eigentümer sind. Hierhin gehen Juden, um zu beten. Sie binden uni das Grab einen roten oder auch einen blauen Faden, ein Band oder eine Kordel. Ein Teil dieses Bandes um das Handgelenk gelegt soll die Gesundheit eines Kranken wiederherstellen helfen. — Auch kinderlose Frauen beten vor Rahels Grab, berühren die Kordel und sollen dadurch fruchtbar werden. Es handelt sich um eine Art von Gesundbeten, wozu auch die folgende merkwürdige Sitte gehört. Im Krankenhaus liegt ein Kind, das an einer schweren Mittelohreiterung leidet. Eines Tages erscheinen Eltern und Verwandte am Bett des Kindes, und unter bestimmten Gebeten wird der Name des Kindes uingeändert; es heisst von nun an nicht mehr Hannah, sondern Esther. Der Vater legt die Hand auf das Haupt des Kindes und spricht den Segen. Der neue Name bedeutet einen neuen Menschen, das Mädchen Esther hat mit dem Mädchen Hannah nichts mehr zu tun, und somit hat sich Esther auch von Hannahs Krankheit befreit. Kommt man vom alten jüdischen Measehearimviertel in das Haus des reichen arabischen Plantagenbesitzers, so kann man wirklich von zyei Welten in einer Stadt sprechen. Die Einrichtung des massiven Hauses ist sehr einfach, auf das Notwendigste beschränkt, altes und neues gemischt, Radioapparat, Teppiche, kleine Tische, Bibliothek. Es gibt keine Heizung, und die Zimmer sind jetzt empfindlich kühl. Man kann es verstehen, dass das kranke Kind mit Kleid, Mantel und Mütze im Bett liegt, dass die Mutter das Kind nur ungern auszieht, und der Vater durch ein kurzes Räuspern sein stärkstes Missfallen gegen das Ausziehen zu erkennen gibt. Im übrigen ist aber eine, erfreuliche Atmosphäre des Vertrauens zwischen Arzt und Patient vorhanden. Bei den Arabern gilt die blaue Farbe als Schutz gegen Krankheiten, und vor allem gegen den „Bösen Blick“. Ueberall sieht man blaue Bänder und blaue Steine als Talismane an Autos, Wagen, Pferden, Dromedaren. — Die Freude an der Farbe zeigt sich bei der armen arabischen Bevölkerung darin, dass bereits die Nägel kleiner Kinder gefärbt sind, dass schon bei Neugeborenen die Augen schwarz bemalt werden, wodurch sie nicht nur schöner aussehen, sondern auch besser wachsen sollen. Weniger harmlos sind die von den arabischen Müttern improvisierten Schnuller: Mandeln und Zucker werden gemischt und von den Müttern gekaut, der Brei wird in ein kleines Taschentuch gewickelt und den Kindern in den Mund gesteckt. „Schmeckt süss und beruhigt!“ Dr. med. W. F. In Tel-Aviv wurde das neue moderne Privatkrankenhaus, die Assuta, nunmehr offiziell unter Teilnahme der Behörden eingeweiht. Zwei Drittel des investierten Kapitals wurde durch Aktien Zeichnung von Aerzten, der Rest durch eine Anleihe einer italienischen Versicherungsgesellschaft beschafft. Ein Prospekt der Universität Jerusalem In diesen Tagen erschien, vom Palästina- Amt Berlin aus dem Hebräischen übersetzt und herausgegeben, ein Prospekt der Universität Jerusalem, der in übersichtlicher Form über alle wissenswerten Einzelheiten der Aufnahmebedingungen (für Studierende aus Palästina und aus dem Ausland) und des Studienganges auf den beiden Fakultäten (für Geisteswissenschaften und für Naturwissenschaften) unterrichtet. Wie sich aus der Zusammenstellung ergibt, sind bedeutende jüdische Wissenschaftler aus Deutschland als Lehrer der Universität gewonnen worden. Der Lehrplan wurde in den geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern erheblich erweitert, so dass schon heute in bedeutendem Umfange für jüdische Studenten die Möglichkeit besteht, ihr Studium an der Universität Jerusalem bis zur Ablegung einer Prüfung durchzuführen. Die Bedeutung der Universität für das heutige jüdische Leben wird erneut gekennzeichnet in den auf der feierlichen Kundgebung zur Eröffnung des neuen Studienjahrs am 11. November gehaltenen Ansprachen von Salman Schocken und Hugo Bergmann. Das Leben in der Kwuza In der Berliner „A erzte ge s e lisch a f t für Palästina“ sprach am 16. Dezember U n g e r aus Givat - Brenner über das Leben in einer Kwuza. In lebendiger, anschaulicher Weise gab er ein Bild der verschiedenen Typen, die sich in Palästina herausgebildet haben. Er unterschied zwischen dem Emek- und dem Jehudatyp. Erste rer, der örtlich nicht an das Emek gebunden ist, beschäftigt seine Chawerim nur in der eigenen Wirtschaft, während der Jehudatyp aus verschiedenen äusseren und inneren Gründen seine Chawerim auch auf Aussenarbeit schickt. Allen Kwuzot gemeinsam sind aber insbesondere folgende Grundsätze: Unveräuseerlichkeit des Bodens, der Grundsatz, keine Lohnarbeiter zu beschäftigen, und die Kollektivität der Produktion und der Konsumtion. Der Redner behandelte dann hauptsächlich Fragen der Wirtschaft und der Gesellschaft. Von einem Leiter der Kwuza zu sprechen, würde den Grundsätzen und dem ganzen Aufbau einer Kwuza widersprechen. Alleinige Instanz für alle Dinge von Wichtigkeit und einschneidender Bedeutung ist die Assefath clallith, die allgemeine Versammlung, die so oft es nötig ist, tagt. Jede Kwuza hat ihren „Aussen- und Innenminister“ und verantwortliche Sekretäre für alle Zweige der Wirtschaft. Ausserordentlich wichtig ist die Abteilung, der die Leder awoda, die Arbeitsverteilung obliegt. In besonders klarer und anschaulicher Weise schilderte der Redner, in welcher Weise die Arbeitsverteilung vor sich geht, welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind, und wie sich das Leben des Chawer im allgemeinen abspielt. Die Kwuza stellt den einzelnen dauernd vor Entscheidungen, denen er nicht ausweichen kann, und die oft von einschneidender Bedeutung für jedes einzelne Mitglied sind. In der Aussprache ging der Redner noch auf die Ausgestaltung des Sabbats und auf die sanitären Verhältnisse ein. In Palästina erhält der Sabbat seine Weihe schon durch die vollkommene Ruhe, die für den schwer arbeitenden Menschen von besonderer Bedeutung ist. Die Menschen der Kwuza haben erst jetzt, nachdem das erste Stadium der grossen Schwierigkeiten zum Teil etwas überwunden ist, Zeit und Möglichkeit, an Ausgestaltung ihrer Feiern in wirklich vertieftem Sinne zu denken. Ob die alten Formen wieder aufleben, ob sich neue gestalten werden, ist eine Frage, die heute noch nicht beantwortet werden kann, und die vorläufig von jeder Gemeinschaft verschieden gelöst wird. Das Leben, die kulturelle Entwicklung und die Bedürfnisse einer Kwuza dürften nicht nach dem zum Teil bürgerlichen Milieu beurteilt werden, ans dein ein grosser Teil der Chawerim stammt, sondern sei mit dem Lehen der arbeitenden Bevölkerung anderer Länder in Vergleich zu setzen. Hierbei schneide die Kwuza in jeder Beziehung gut ab. H. A. Zum musikalischen Leiter des Palästina- Rundfunks ist der bekannte Dirigent Karl Salomon, ein Einwanderer aus Deutschland, der früher in Berlin und Baden-Baden tätig war, ernannt worden. Karl Salomon, der zurzeit Leiter des Chores der Hebräischen Universität Jerusalem ist, hat auch eine Reihe eigener Kompositionen veröffentlicht. Zum Leiter der „Hebräischen Stunde“ des palästinensischen Rundfunks wurde der Theaterkritiker des „Dawar“ und frühere Regisseur der Berliner Volksbühne, Elieser Lubrani, ernannt. In Haifa wurde ein neues Theater, „Ora'h“, eingeweiht, das von Professor Kaufmann unter Mitwirkung der Architekten Stolzer und N e u m a n n erbaut worden ist. Einrichtung und Material sowie die technische Ausrüstungbestehen grösstenteils aus palästinischen Erzeugnissen. Der Zuschauerraum fasst 1100 Personen.

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