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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-12-19 · 18 (19.12.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
18 (19.12.1946)
Date
1946-12-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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NEUES AUS ALLER WELT Prozeß über das größte Frauengefängnis der Geschichte Konzentrationslager Ravensbrück vor einem alliierten Kriegsgericht Hamburg. (DPD.) Die Zustände in dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, das als das größte Frauengefängnis der Geschichte bezeichnet wird, werden in einem Kriegsverbrecherprozeß gegen 10 Männer und 6 Flauen enthüllt werden, der am 3. Dezember im Curio-Haus in Hamburg begonnen hat. , Von den 16 Angeklagten sind 14 Deutsche, zwei der a'ngeschuldigten Frauen gelten als Ausländer. Unter 'den Frauen gilt die 24jährige Theodora Binz, Hauptwärterin und Chefausbilderin des weiblichen KZ-Dienstes, zusammen, mit den beiden obengenannten Frauen als Hauptangeklagte. Vom Staatsanwalt werden britische* französische, belgische, holländische, dänische, norwegische, polnische, tschechische und österreichische Staatsangehörige vor Gericht gerufen werden, auch ein deutscher Belastungszeuge wird erwartet. Alle Zeugen sind Frauen, unter denen die Engländerin Odette Marie Samson genannt wird, die kürzlich mit dem Georgskreuz ausgezeichnet wurde. Ferner werden die Norwegerin Sylvia Selvesen, eine Verwandte des Königs Von Norwegen, die kommunistische Kammerabgeordnete Madame Väillant-Courutiek aus Paris und Frau Buchmann, Ehefrau eines deutschen kommunistischen Parteiführers, als Zeugin auftreten. - Nach der Anklageschrift sind mehr als 150 000 Frauen im KZ Ravensbrück gewesen. 15 000 davon wurden im April 1945 befreit. Ravensbrück war das Konzentrationslager für Frauen in Deutschland. \ Die Anklagebehörde behauptet-, daß über 5000 Frauen vergast worden seien und daß die Aerzte“ des Lagers zahlreiche, Versuchsoperationen an Insassen ausgeführt hätten. Außerdem erwähnt die Anklage eine unaufhörliche Reihe von Grausamkeiten und Quälereien, die die Wachen an den Inhaftierten verübt haben sollen. Der Hauptangeklagte Suhren und einer seiner Mitangeklagten sind aus der Untersuchungshaft entwichen. Zur Zeit wird nach beiden gefahndet. Falls sie wiederergriffen werden, wird gegen sie ab 3. Dezember verhandelt werden. Die Oberschwester des Krankenreviers, Schwester Marschall, wurde erst im Laufe des Novembers festgenommen und wird mit den anderen Angeklagten vor Gericht gestellt., Der Gerichtshof wird sich aus einem britischen Präsidenten, vier weiteren britischen Offizieren und je einem Offizier zusammensetzen, der,von der französischen und der polnischen Regierung dazu benannt wird. Als juristischer Beirat wird Mister C. L. Stirling fungieren, der in gleicher Eigenschaft unter anderem im Belsen- und Neuengamme-Prozeß tätig war. Schwere Beschuldigungen gegen Münchener Oberbürger-; ' meister München. (DANA). Der Leiter der juristischen Abteilung beim jüdischen Zentralkomitee, Dr. Henry Tultsehin, beschuldigte den Münchener Oberbürgermeister Dr. Karl Scharnagl in einem offenen Brief in der jüdschen Zeitung „Uebergang”, eine antisemitische Aktion zu unterstützen. Schließlich wird in dem offenen Brief festgestellt, daß der Münchener Oberbürgermeister sich zwar in Worten für die Wiedergutmachung ausgesprochen habe, ihr aber in der Praxis entgegenarbeite. Frankfurt. („DANA”). Der Ratgeber General McNarney’s für jüdische Angelegenheiten, Rabbi. Bernstein forderte auf einer Pressekonferenz eine klare Entscheidung über Palästina und eine große Palästina^Einwanderung *der Juden aus den Lägern. Gleichzeitig wandte er sich an das amerikanische Volk, die Aufnahme von hunderttausend jüdischen Flüchtlingen zu bewilligen. * , Weiterhin erklärte Rabbi Bernstein, daß laut der letzten Statistik ungefähr .eine Viertel Million Juden in den verschiedenen Zonen lebt. Davon in der -US-Zone 161 450 Personen (in dep Lägern 126 750), in der britischen Zone 23 000, in der französischen 2000, in der US-Zone Oesterreichs 30 000, in der britischen 3000, in der französischen 2000. Außerdem leben 15 (?00 Juden in Italien. Der Zustrom jüdischer Flüchtlinge aus Polen sank in der letzten Zeit von 30auf 3000 Tausend monatlich. Zum Schluß berichtete Rabbi Bernstein über seine Inspektionsreisen in 64 Lägern in Deutschland. Die Lage der verschleppten Juden ist —‘ trotzdem man iri* materieller Hinsicht für sie sorgt — sehr traurig. Nachdem diese Leute alles verloren haben und noch immer heimatlos sind, stehen sie, jetzt am Rande der Verzweiflung. Es ist ein Gebot der Stunde, sofort aktiv zu werden, um diesen ünglücklichen Menschen die Möglichkeit zu geben, wieder aufbauen zu können. (Ing.) „Ich lasse Ihnen zehn Minuten Zeit zur Wahl,’ verstanden?” Er geht und schließt die Türe hinter sich ab. , Ich sitze unbeweglich, mit geschlossenen Augen. — Der Zug rattert. Die Räder haben diesmal eine andere Melodie als auf der Hinfahrt: „Kon—zen—tra—tions—la—ger!” Ganz unpathetisch überlege ich, ob ich aus dem Fenster springen könnte? Dann überfällt mich wieder die unbezwingliche Lähmung-wer erlebt denn das alles? Kann denn ein Mensch so grausam allein sein? Die Türe öffnet sich — diesmal sind es zwei SS-Männer, die eintreten. „Da, sieh sie Dir an! Willst mir ja nicht glauben, daß es so etwas gibt! Also — meine sehr verehrte Allergnädigstehaben Sie einen Entschluß gefaßt?” Ich gebe keine Antwort. Der Neuhinzugekommene brüllt mich an: „Antworten Sie gefälligst!” . „Ich kann nicht zurück — man läßt mich nicht hinein.’! Der Mensch lacht: „Damit wollen Sie sich aüsreden? tja —” Achselzuckend: „Dann bleibt eben nur, wie gesagt: KZ!” Mit boshafter Neugier richten sich die beiden Augenpaare auf mich. Ich verachte mich dafür :— aber ich beginne, an ihr Mitleid zu appelieren: „Haben Sie doch ein Einsehen! Ich habe doch nichts .begangen! Ich mußte..mich auf. der Gestapo in X. melden — dort würde mir gesagt, daß ich mich von Berlin aus um eine sofortige Neu-Auswanderung kümmern Soll. Ich werde es ja auch sofort unternehmen -—”;,Höre Dir das an — reden können sie alle! Aber machen.Sie das-gefälligst vom Ausland aus!” ’ - . .-„Verlangen - Sie doch nichts Unmögliches von mir-’’ Darauf er, sehr drohend: „Wählen Sie! Zum letzten Male: Wählen Sie!” . . . . Ich starre in. diese jungen, erbarmungslosen Gesichter — wör hat sie zu diesem sinnlosen Haß erzogen? Wer konnte sie so fanatisch grausam machen? ♦ Ich weiß kein Wort mehr zu meinen Gunsten. Ich verliere den Faden — alles dreht sich vor meinen Augen. Ich falle gegen das Polster zurück. — Nur jetzt nicht ohnmächtig werden! „Konzentra-” ' Die Räder stampften das schreckliche Wort mit furchtbarer Wucht in meine Ohren- „Was meinst Du, wollen wir sie begnadigen?” Ich höre ein lautes Lachen — ich reiße die Augen auf — beide sitzen mir gegenüber und zünden sich Zigaretten an — ungläubig betrachte ich sie. „Sie werden sich also sofort auf Ihrem Berliner Polizeirevier melden — verstanden? Wo ist das?” Ich nenne die Straße. „Wir haben alles notiert! Wehe, wenn Sie sich zu drücken versuchen! Wir finden Sie! Hsil Hitler — ach so — also angenehme Reise!” Pfeifend entfernen sie sieh. Diesmal bleibt die Türe unverschlossen. Mein Paß liegt auf dem Fußboden — — . Ich bücke mich — ich will schreien — bin ich gerettet? Ich bringe keinen Ton aus der Kehle. Der Zug rast auf die Station zu. Auf dem Perron des Berliner Zoo-Bahnhofs empfängt mich die getreue Beate — wir umarmen uns wortlos . . . . .

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