Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 17 (10.12.1946)
- Date
- 1946-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinnes und seine Fortpflanzung” bedacht war, wie er es in seinem Memorandum als Aufgabe des neuen Instituts gekennzeichnet hatte. Er verzichtete darauf, mit der Feder des Schriftstellers in die künstlerischen Kämpfe seiner Zeit einzugreifen oder für seine eigene Kunstauffassung zu werben. Er wirkte nur durch das Beispiel seiner Schöpfungen und seiner Betätigung als Pianist und Dirigent. Daß sein Schaffen nebst seinen Leistungen als Interpret am Flügel oder mit dem Taktstock ihm nicht nur die Gunst des Publikums gewann, sondern auch eine große Gefolgschaft aus den Reihen der Kunstgenüssen zuführte, läßt-sich leicht genug begreifen. Mit der- Genie-Tat der Ouvertüre zum „Sommernachtstraum”, die er als Siebzehnjähriger vollbrachte, wies sich der Frühgereifte yor der großen Oeffentlichkeit als ein Begnadeter aus, der die Zeitgenossen gleichermaßen durch die Schönheit seiner Linienführung und Farbengebung bezaubern wie durch die Neuartigkeit seiner künstlerischen Vision überraschen mußte. In einer Epoche des Mißverständnisses und Verfalls der klassischen Formen, des Suchens nach neuen Gestaltungsgesetzen, steht er als unbeirrbarer Könner und überlegener Meister der Form. Kein Wunder, daß ein solcher Geist in eine Zeit künstlerischer Gärung, wechselnder Ziele und einander widerstreitender Ideale vielen als sicherer Halt und untrüglicher Wegweiser erschien. Die Erfolge, die Mendelssohns Schaffen und Wirken , fast unausgesetzt und uneingeschränkt begleiteten, der Ruhm, den er schon zu. Lebzeiten allenthalben erntete, außerhalb' Deutschlands, namentlich in England, und die persönliche . Verehrung, die d-'r liebenswürdige, kluge und feingebildete Mensch m breitesten Kreisen genoß, waren nicht die einzigen Gunstbeweise, die ihm das Schicksal außer seinem Genie zukommen ließ. Als Sohri begüterter, kultivierter und musikinteressierter Eltern wuchs er im Berliner Heim der Familie unter den denkbar förderlichsten Bedingungen auf. Das behütete Wunderkind durfte in gorgenfreier Ruhe bei Schulung seiner Bestimmung e’ntgegenreifen. Die regelmäßigen Musikaufführungen im Elternhause, bei denen sich die geistigen Kreise Berlins mit künstlerischen Größen des In- und Auslandes zusammenfanden, boten dem Werdenden Gelegenheit, seine ersten schöpferischen Versuche, kompositorischen Studien und früheren Meisterwerke (einschließlich der Sommernachts-Ouvertüre) zu hören und zu erproben. Der Jüngling konnte sich durch Auslandsreisen weiterbilden, mit und in der großen Welt bekannt machen. Zwei Ereignisse sind1 hervorzuheben: sein Lehrer Carl Friedrich Zelter, der Direktor der Berliner Singakademie, führte den Knaben, auf den er so stolz sein durfte, bei Goethe ein, der dem Zwölfjährigen herzliche Zuneigung schenkte und dem Herangewachsenen als „dem lieben jungen Freunde ... kräftlgzartem Beherrscher des Pianos” zugetan blieb. Das andere Ereignis war eine Tat des Zwanzigjährigen, deren Verdienst das Nazischrifttum <iem Juden -vergeblich zu schmälern vers*ucht hat: -die berühmte Berliner Erstaufführung der Bachschen Mathäuspassion, die der Zögling Zelters gegen dessen Bedenken durchsetzte und dirigierte. Wie die glückhaften Voraussetzungen der „Lehrjahre” in einem schnellen künstlerischen Aufstieg zur Erfüllung gelangten, so fand das innige Familienleben der -Jugendzeit seine Fortsetzung im einer harmonischen Ehe. Wenn auch Enttäuschungen nicht ausblieben — die Singakademie zog dem Genie jüdischen Blutes einen „rassereinen” Durchschnittsmusiker als Nachfolger Zelters vor, die Bemühungen König Friedrich Wilhelms IV., Mendelssohn für die Dauef in Berlin zu halten, scheiterten an bürokratischen (und wahrscheinlich antisemitischen) Widerständen —, so erscheint der Meister dennoch dem Gesamtbild seiner Lebensumstände nach als ein „Liebling der Götter”. Und als Solchem war ihm auch dassprichwörtliche Los eines frühen Endes beschieden. Er ist nur 38 Jahre alt geworden. Aber der Genius Felix Mendelssohn wirkt lebendig weiter. -Nahezu ein Jahrhundert ist seit dem Tode Mendelssohns verstrichen. Eine solche Zeitspanne bedeutet für Musik die „Unsterblichkeitsprobe”. Eine Anzahl von Mendelssohns Kompositionen, mit denen er „den Besten seiner Zeit genug getan” hat, gilt der Nachwelt — das darf unumwunden zu», gegeben werden — weniger oder nichts mehr. Auch unter den Werken anderer großer Meister hat die Zeit „gesiebt”. Die Reihe der Mendelssohnschen Werke, die ihre Lebens¬ und Wirkungskraft schon über ein Jahrhundert hinaus erwiesen haben, bleibt ansehnlich genug. Gerade die , Bemühungen der Nazizeit um eine neue Musik zum „Sommernachtstraum” hätten die Unentbehrlichkeit der Mendelssohnschen erwiesen, wenn nicht jede Schauspiel- und Konzertaufführung für die Ouvertüre und die übrigen (nachträglich geschaffenen) Stücke, insbesondere das urromajitische Notturno, das sprühende Scherzo 'und den populären Hochzeitsmarsch zeugte. Unentbehrlich ist auch das Violinkonzert, das zum Repertoire aller großen Virtuosen gehört, und das Oratorium „Elias” (an dem wir Juden uns in der Zeit der Bedrängnis so oft erbaut haben). Frisch und eindrucksvoll wie je wirken die Hebrideh-Ouvertüre, die großartige „Schottische”' und die heitere„.,,Italienische” Sinfonie. Unverblaßt sind die „Venezianischen Gondellieder” und andere Kompositionen aus den „Liedern ohne Worte”, ungebrochen der Zauber der poetischen kleinen Stücke für gemischten A-capella-Chor (einer Spezialität Mendelssohn) und unter den klavierbegleiteten Sololiedem gehören Stücke wie das „Hexenlied” oder die erste „Suleika’’ („Ach um deine feuchten Schwingen”) zum Schönsten, was die Literatur überhaupt aufzuweisen hat. Diese von Vollzähligkeit weit entfernte Aufzählung könnte schon genügen, um das Wort Unsterblichkeit zu rechtfertigen, wenn/vom-Lebenswerk Felix Mendelssohns, des größten jüdischen Musikers, gesprochen wird. („Der Weg”, Berlin). imiHiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiniiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiimimiiiiiiimiiHiiiiiiimiiuiimiiiiiiiHiiim Abonnements:-(Zusendung unter Kreuzband). 3 Monate RM. 2,— 6 Monate RM. 3,90 12 Monate RM. 7,80 (einschließlich Porto). — Voreinsendung des Betrages! tuiHiii!inimiimiiiiHUU(iHiiiiiiiiiimuiiiiiiiiHiiiHiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiimiiiniiiiiMiiiimiiiiiiitHHniriiiim<HiiiiitiiiiiimHiii!ii Eine-mehr als 4000 Jahre alte jüdische Siedlung in Palästina ausgegraben In Rosch El Ain wurden die Fundamente von Gebäuden, die aus der Zeit der Vernichtung des 2. Tempels,, zwischen dem 200. und 300. Jahre,' (jüdischer Zeitrechnung) stammen, gefunden. . / - - Das Regierungsdepartement für Archeologie wird Einzelheiten über die Entdeckungen veröffentlichen. „Rosch Al Ain” oder Aefek war schon eine bewohnte Ortschaft vor mehr als 4000 Jahren, wo die „Kanaanim” eine ihrer Festungen hatten. In der Zeit von König Hordos, welcher den zweiten Tempel verschönert und umgebaut hat, war „Aefek” mit dem griechischen Namen „Pagae” bezeichnet worden. „Hördos, der die Stadt umbaute, gab ihr den Namen „Antipatria” nach dem Namen seines Vaters „Antipater”, der „adorni-scher Abstammung” war. In der Zeit von Provit Samuel war „Aefek” eine Festung der „Philister”. Diese besiegten dann die Juden und konnten die heiligen Schriften in Empfang nehmen. - miiiiiiiiHiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiMiiiiiiiimiiiiiimiimimiiiitiiiiiiiiimiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiirimiuiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiii Familiennachrichten Herr Hermann Hey mann und Frau, Duisburg, zeigen die glückliche Geburt eines Sohnes an. Der Landesverband für Nordrhein-Westfalen gratuliert den Eltern herzlichst. WO CHENKALENDER 1946 5707 B Dez. 9. Montag KisleWlö. Ul „ 10. Dienstag - 17. 1 „ 11» Mittwoch ” 18. 1 „ 12? Donnerstag 19. H ‘ * 13. Frei?^g Gottesdienst 17 Uhr .. 20. B „ 14. O 1. "LI; j. Wajexchew OCnabDat Gottesdienst S.80 Uhr ” 21 N | * 15. Sonntag „ ' 22. || „ 16. Montag, ” 23> 11 „ 17. . . Vorabend Chanuk» OienStag Gottesdienst t7 Uhr „ 24. || ' * 18. MittWOch Go^ü 8.80 Uhr - „ 25. B „ 19. Donnerstag