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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-27 · 16 (27.11.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
16 (27.11.1946)
Date
1946-11-27
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Julius Meyer sprach zum 9. November Es war an einem kalten Winterabend, 'die Flocken glitten zur Erde, die Straßen waren hell erleuchtet, denn noch nicht brauste die lodernde Fackel des gewaltigen Völkerringens durch die Welt. Still wurde es, und eine Nacht wie so. viele Nächte senkte sich herab. Da sammelten sich an einzelnen Punkten dieser Stadt und in allen Städten dieses Landes finstere Individuen mit festgesetztem Ziel! Und als die Dunkelheit hereinbrach, da zogen sie durch die Straßen und zertrümmerten .die Geschäfte, die schon vopher als jüdisch gekennzeichnet. waren, raubten sie aus und fielen über uns her. Als die Sterne am Himmel die Nacht erhellen wollten, da wurden sie verdrängt, denn rot, blutrot schossen Feuergarben empor. Unsere Heiligtümer, unsere Synagogen — Gotteshäuser — bäumten sich in der Glut des Feuers und sanken zusammen zu Staub und Asche. Und unsere heiligen Schriften, in denen geschrieben steht: „Wenn wohnen wird ein Fremdling in deinem Lande, so. sollst du ihn nicht bedrücken’.’, sie lagen zerfetzt und zertreten, beschmutzt und verachtet im Staub. Und als über dieses Weltfanal der Morgen der Erde wieder Licht brachte — es war ein^grauer Novembermorgen — da kamen jene Schergen dieses Schandregimes und zerrten unsere Väter hinaus auf die Straße, da schleppten jene Unterweltsmenschen Unsere. Söhne hinaus an jene Stätten, die in der Geschichte der Jahrtausende nie vergessen wer-, den! Aber nicht genug! Man raubte und plünderte, ja man mordete Tage und Nächte, man hatte eine Kristallnacht inszeniert wie ein Lustspiel, das zur Tragödie wurde. Und als man glaubte, daß jener. erste Bluträusch vertierter. Gestalten endlichein Ende gefunden hatte; da kamen aus jenen Lagern, deren Namen m unserer mehrtausendjährigen Geschichte des Judentums als blutigste und schmachvollste eingemeißelt' bleiben werden: Sachsenhausen — Buchenwald — Dachau— da kamen Hunderte von Urnen — und das deutsche Volk schwieg! Nur ein Wort fand' die nationalsozialistische Presse für dieses Morden, für dieses Plündefn und Niederbrennen: . Kochende Volksseele! Als Entschädigung für die kochende Volksseele müßte das gesamte Judentum in Deutschland eine Buße von einer Milliarde Reichsmark zahlen. . Wir Juden werden kommenden Geschlechtern nur das eine Wort: „9^ November 1 93 8” zu nennen brauchen, und Tausende von Menschen werden sich, in ihrem persönlichen Schmerze beugen und ungezählte Tränen werden Worte der Klage und der bittersten Ankläge sprechen! — Acht Jahre sind seit dieser Novembernacht ins Land gezogen, und wir-letzten überlebenden Juden stehen mun allein, umgeben von den Millionen Leichen unserer hingemordeten Säuglinge, Kinder, Väter und treuer Mütter. Acht Jahre sind seit dieser Novembernacht ins Land gezogen. Was haben wir in der Zwischenzeit an Leib und Seele über ‘uns ergehen lasserr, müssen. Die größte Todesfabrik erstand in Auschwitz, wo allein Millionen von Jüden ihr Leben lassen mußten. Fabrikmäßig wurden sie beraubt und vergast. Nicht; nur Auschwitz allein gab es, zu diesem ..Stammlager gehörten etwa 20 Nebenlager, die hur dazu da waren, um die Vernichtung -der jüdischen Menschen zu verwirklichen. Hinter Stacheldrahtverhau; unter unmenschlichsten Lehensbedingungen, bewacht und mißhandelt durch die SS, deren Tätigkeit in Nürnberg als verbrecherisch verurteilt wurde, mußten Tausende und aber Tausende Juden' ihr Leben lassen. In den Gaskammern aller Konzentrationslager wurden Millionen von jüdischen Männern, Frauen und Kindern vernichtet. Unzählige starben den Hungertod oder wurden grausam zu Jode gequält. Selbst unsere . Toten wurden geschändet, indem man unsere Friedhöfe zerstörte. Die sterblichen Ueberreste wurden in alle Winde zerstreut, so daß nicht einmal ein Grab von ihnen zeugt. Niemals, werden wir die Zeit vergessen, in der unsere Menschen, gezeichnet mit dem großen gelben Stern, durch,Deutschlands Straßen gehen mußten. Niemals werden' wir vergessen, unter welchen Umständen die Jüden, um nicht dem Tod entgegehzugehen, in der Illegalität leben mußten.^ Niemals werden wir die Namen der Schreckensstätten Berlins, wo die Gestapo ihren Unterschlupf hatte, [ vergessen. Die führenden jüdischen Männer Berlins würden erschossen. Unsere Kampfgruppen waren Gruppen im Kampf gegen, den Faschismus, waren Gruppen im Kampf für die Gerechtigkeit. Die Welt wird, solange sie besteht, von dem großen Kampf der vier jüdischen Mädels von Auschwitz, die dafür ihr Leben ließen, sprechen. Wir erinnern an die Menschen, die im Kampf für die Vernichtung der berüchtigten Ausstellung „Sowjetparadies”, die sie in Flammen aufgehen dießen, zum Tode verurteilt wurden und heute nicht mehr leben. Wir erinnern an alle Kampfgruppen in den Konzentrationslagern, in der Illegalität, in den Arbeitslagern. Wir. haben nicht vergessen, wir werden nie vergessen. Die Welt hat geopfert, aber wir Juden wurden geopfert. Kein Volk des Hasses sind wir, und deshalb rufen wir an diesem für uns so schmerzlichen Jahrzeitstag der Welt ins Angesicht: , Nur wenn einmal der Haß beseitigt wird, kann die Liebe blühen. . Margot Menzel — Ernst Frankentha 1 Verlobte, Bochum, Freigrafendamm 27, den 24. 11. 1.946.. Es gratuliert, herzlich Landesverband der jüdischen Gemeinden Westfalen. . Frau Frieda Gaertnßr, Dortmund, Kreuzstraße 79 begeht gm 23. November ihren 70. Geburtstag. - Es gratuliert herzlich Jüdische Religionsgemeinde Groß- . Dortmund. Herr ‘ M a x; R o s e n b a u m, Dortmund, Westfalendamm 287 feierte am 13. November seinen 60-. Geburtstag. Herr Rosenbaum, welcher Syndikus des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Westfalen ist, sowie Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Dortmund, wünschen wir auf diesem. Wege alles Gute und wir danken ihm für seine aufopfernde Tätigkeit. - . 1. Jüdische Religionsgemeinde Groß-Dortmund Landesverband der jüdischen Gemeinden Westfalen Siegfried Heimberg, .Frau Jettchen Grüneberg, in Neheim-Hüsten, Ringstraße 5 feiert am 10, Dezember 1946 ihren 80. Geburtstag. Wir gra-' tulieren Fraü Griiiieberg, die als eine der wenigen aus Theresienstadt in ihre Heimat zurückkehren /konnte und geben der Hoffnung Ausdruck, daß sie diesen Tag noch recht oft begehen möge. Frau Henriette Jacoby, Bad Godesberg hat ihren Mann, mit dem sie noch -vor wenigen Monaten das goldene Ehejubiläum feiern konnte, verloren. Wir sprechen Frau Jacoby unser herzlichstes Beileid aus. . Das silberne Ehejubiläum feiern: Eheleute Max Flatow, Lippstadt-Westf., Weingarten 12 am 26. November 1946. Eheleute Benne Weinberg, Castrop-Rauxel, In der Wanne 45 am 3. Dezember 1946. Wir senden den Jubilaren unsere besten Wünsche. _■ Landesverband de^-jüdischen Gemeinden Westfalen Siegfried Heimberg. <ge$£e M&dfoJj&Jten. Amerikanische Armee hat den Plan für* den Transport jüdischer Einwanderer nach Palästina ausgearbeitet „Die amerikanische Armee hat einen vollständigen Plan für den Transport von jährlich 1Ö0Q 000 jüdsichen Flüchtlingen nach Palästina *■ ausgearbeitet”, erklärte der Präsident der^ Weltexekutive der Vereinigten revisionistischen Zionisten/ Mayer Großmann, am Freitag in Paris. Genua sei in dem Plan als Verschiffungshafen vorgesehen, so führte Mayer Großmann aus, F-erner sei fürdie..pereitstellung von Schiffsraum Vorsorge getroffen, sowie für zweimonatige Nahrungsmittelvorräte und Bekleidung. Darüber hinaus sei eine finanzelle Unterstützung für die Flüchtlinge und die Errichtung von Lagern in Palästina geplant.

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