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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-27 · 16 (27.11.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
16 (27.11.1946)
Date
1946-11-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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lliiiilllhuilll!iiiilllliiiil!tliiiiillliiiiillliiiilllliifilllliiiilllliiti!lllniillliiiiillilmii!lliiiulliniii!liHii!!llimililiiiilllliuilllli!iili Ich hatte Mann, und Kinder. Es holte sie der Schinder, Sie starben irgendwo. Doch lieget meine Habe nicht hier, nicht dort im Grabe. Die Feuer lodern lichterloh. ' - Sie sind von den Millionen, die nun als Asche wohnen im Feld, im Staube irgendwo. Den Schornstein seh ich tauchen ins 13lau und rauchen, rauchen. Die Feuer lodern lichterloh. « Vielleicht lebt in dem Winde , ein Gruß von meinem Kinde. Denn etwas bleibet irgendwo —. . . . Nim kommen sie mich rufen. »Ich steige ’ meine Stufen. . , .. Die Feuer lodern lichterloh. w Gerson Stent, London. |!llll||||llll||||llll||||llll|||||lll|||illll||||llll|[||llll|l||llll!|||lllll!||!lll||||llll||||llll||||lllipilli|illlllll||llll|i||llll||||llll||||llll|| Strandgut des dritten Reiches Es wird heute so viel gesprochen über die vielen Ausländer, die sich in Bayern herumtreiben, und unter denen begegnet man einer Gruppe mit besonderem Mißtrauen, das sind die jüdischen Displaced Persons. Man kritisiert schlechthin alles, was sie tun und ich will gar nicht verkennen, daß unter ihnen sich auch Menschen befinden, die sich vielleicht. etwas höflicher und bescheidener benehmen können. Aber die Bevölkerung vergißt eines, daß diese Menschen ja nicht freiwillig nach Deutschland gekommen sind, daß man im Jahre 1940, als Polen überfallen wurde, Mänper, Frauen, Greise und Kinder in wenigen Stunden vollkommen entrechtete, ausplünderte, in Ghettos sperrte, um sie dann in den Höllen von Auschwitz, Maidanek und Treplinka zum weitaus größten Teile zu vernichten. Nur wenige 'konnten es' überleben und meistens nur junge Menschen, die dem verruchten System des Hitlerstaates als Sklavenarbe^ter in Buna, Sachsenhausen, Buchenwald und Oranienburg gerade noch gut waren. Sie kamen hinein als 14- bis 17jährige, kaumerzogen, in Verhältnisse, die bestimmt für eine Erziehung nicht günstig waren und der Selbsterhaltungstrieb des .Menschen, der auch in jedem Tiere vorhanden ist, zwang sie in diesen Lägern — die" für Deutschland eine ewige Schande bilden — zu Handlungen, die für das Lagerleb'en zweckentsprechend waren, aber heute bestimmt nicht in das Kulturleben eines Volkes passen. Und nun -öffneten sich die Tore und die allherten Befreier kamen und sie jubelten ihnen zu und sie glaubten, sie hofften düf die wirkliche Freiheit. Sie nahmen an, daß sie, die keine Familie mehr hatten, die Vater und Mutter, Bruder und Schwester in den Kaminen von Auschwitz verloren hatten, daß sie nun endlich in das Land ihrer Zukunft auswandern könnep, und' wieder erhob' sich politischer Streit und die Tore Palästinas öffneten sich nicht für sie. - Und. nun erhebt sich die Frage für sie und für uns, was geschieht mit diesen Menschen, die durch ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten berufen sind, im Leben ihren Mann zu stellen. Sie werden wohl durch die Hilfe der amerikanischen Armee und der UNRRA verpflegt, sie leben aber teilweise in Wohnverhältnissen, die nicht viel besser sind, als wie in den Lägern während der Hitlerzeit. Und -sie beginnen sich jetzt zu organisieren, damit sie einen Arbeits-. einsatz schaffen, der sie wieder die Lust Und Liebe zur Arbeit und zum regelmäßigen Leben gewinnen läßt. Unsere Pflicht ist es,, ihnen _zu helfen. Unsere Pflicht ist es, sie auf den rechten Weg zu weisen und ihnen alle Unterstützung zuteil^werden zu lassen. Kritik ist eine gute . Sache, wenn sie ^ufbauend angewendet wird. Aber Viele üben Kritik um alles das' herabzusetzen, was diese Menschen tun. Vergessen Wir eines nicht, daß wir nie wiedergutmachen können, was der Nazismus an diesen Menschen getan hat, denn ihre Familien sind zerstört und sie sind heimatlos geworden. Wenn wir nun einen Funken des primitivsten Anstandes besitzen, so wissen wir,. welche Verpflichtung wir Ihnen gegenüber haben. Aber sie müssen auch wissen, daß sie sich einzuordnen haben in das Gemeinwesen unseres Volkes. Das bayrische Volk war von jeher antisemitischen Strömungen abhold und es wird auch heute einsehen, daß mit Güte und Liebe diesen Menschen gegenüber mehr zu erreichen ist als mit Haßgesängen und sinnloser Kritik. Halten wir diesen Menschen eines zugute, daß sie nicht freiwillig hierher gekommen sind, sondern gezwungen durch die Nöte der Zeit, und betrachten wir sie mit Wohlwollen und Nächstenliebe, denn sie sind Strandgut des dritten Reiches. Dr. Auerbach. General Clay zur Entnazifizierung Kritik an den Säuberungsmaßnahmen in der US-Zone Stuttgart. Der stell vertretende1 Oberbefehlshaber in Her amerikanischen Zone, General Clay, gab eine Anordnung heraus, nach der keine Persönlichkeit, die von der Militärregierung aus ihrem Amt entfernt wurde und ein Spruchkammerverfahren durchlaufen hat, - ohne die Genehmigung der Militärregierung wieder in ihr Amt eingesetzt werden kann. ' , General Clay gab diese Anordnung in einer Rede an den süddeutschen Länderra't bekannt, in der er scharfe Kritiken der „unbefriedigenden Arbeit” der deutscher) 'Spruchkammern in der amerikanischen Zone übte. General Clay erklärte, er habe selbst zahlreiche Spruchkammerentscheidungen überprüft.. , „Ich habe persönlich 575 Fälle geprüft, die vom öffentlichen Ankläger als Klasse eins oder Hauptschuldige eingestuft waren. Ich habe herausgefunden, daß 355 dieser Fälle von der Spruchkammer als Mitläufer und 49 als Entlastete erklärt worden war,gn. Ich. kann gut verstehen, wie diese Einstufung möglicherweise in Klasse II oder III hätte herabgesetzt werden können, aber es ist schwer für mich, einzusehen, wie Leute, die bereit waren, hohe Aemter in der Nazipartei zu übernehmen, jetzt als Mitläufer eingestuft werden konnten. Es ist schwer zü glauben, daß sie solch ein hohes Amt ohne festen Glauben an den ‘Nationalsozialismus oder zumindest ohne seine Billigung hätten innehaben können.’' ' „Die amerikanische Militärregierung ist fest entschlossen, ihre Zone zu entnazifizieren”, so fuhr General Clay fort. „Wenn die Deutschen unfähig sind, diese Arbeit auszuführen, kann und ,wird die Militärregierung sie übernehmen.” ' General Clay kündigte dann eine scharfe Ueberwachung der Spruchkammerverfahren für die kommenden 60 Tage an. Falls er keine schnelle und wirkliche Besserung fest- .stellen könne, müsse er annehmen, daß die Länderregierungen, die Last nicht auf sich nehmen wollten.' Die Militärregierung werde dann die Entnazifizierung selbst durchführen. . Tn seiner Kritik stellte General Clay weiter fest, es werde immer offensichtlicher, daß das Entnazifizierungsverfahren eher dazu benutzt werde, möglichst viele Leute in ihre alten Stellungen zurüekzubringen, als die Schuldigen zu finden und zu bestrafen. * „Ich sehe nicht”, sagte der General, „wie Sie Ihre Fähigkeit zur Selbstregierung oder ihren Willen zur Demokratie beweisen wollen, wenn sie bereits die erste unangenehme und schwierige Aufgabe, die Ihnen zufällt, fliehen oder ihr -ausweichen. Sie haben zuviel geleistet, um bei diesem Problem?u versagen, Sie befinden sich in einer kritischen Periode, besonders hinsichtlich des Entnazifizierungsprogramms, wenn Sie wünschen, die Hochachtung der freiheitliebenden Völker zu gewinnen und zu erhalten, dürfen Sie in keinem Falle bei diesem Programm versagen.” Die Geister, die ich rief ..... Herford. Nach einer Mitteilung der „Frankfurter* Rundschau” wurde in der Nacht zum. 9. November das Haus des jüdischen Geschäftsinhabers Richard Frank mit Hakenkreuzen bemalt und sein Auto in Brand gesetzt. Richard Frank hat fünf Jahre in Buchenwald und anderen KZ-- Lägern zugebracht. Seine Familienmitglieder erklären: „Wir sind die einzige jüdische Familie in der Stadt, und man kann sagen, daß die Stimmung gegen uns heute genau so schlecht zu sein sqjieint*wie sie es während der Hitlerzeit war.” *

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