Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 14 (25.10.1946)
- Date
- 1946-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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die restlose Vernichtung der Mischehen in Breslau zum Ziel hatte. Die Juden und aris&ien Partner dieser Mischehen wurden nach dem Stadthafen in Marsch gesetzt una dort in einer Baracke zusammengepfercht; die früher Prdstitutionszwecken gedient hatte. Im letzten Augenblick rettete der damalige Festungskommandant von Ahlfen, der vop dieser letzten ‘Aktion gegen die restlichen Juden durch diö Gaulei^ung der NSDAP. Kenntnis erlangt hatte, deren Leben durch persönliches Eingreifen. Die Mischehepaare konnten die Baracke verlassen, um im stärksten Bombenhagel in ihre Keller zurückzukehren. . ' Der Ausrottungspolitik der ruchlosen Naziverbrecher sind in Deutschland Hunderttausende von Juden zum Opfer gefallen. Uebrig geblieben ist nur der geringe Prozentsatz der Juden in Mischehen, die um ihre gemordeten Eltern, Brüder, Schwestern und deren Kinder trauern. Der Verfasser dieser Abhandlung. zählt aus einem engsten Familienkreis 10 unglückliche Opfer, deren Blut nach Vergeltung schreit. Es ist in Deutschland und darüber hinaus in der "Welt nicht hinreichend bekannt geworden,' in welchem Umfange die deutschen Juden von 1935 ab drangsaliert und erniedrigt wurden, um schließlich der Ausrottungspolitik zum Opfer zu fallen. Daher werden in einer anschließenden.Abhandlung die seit dem Jahre 1933 gegen die Juden in Deutschland erlassenen Sondergesetze, Verordnungen und Maßnahmen ip. ihrer Gliederung A. Die Ausnahmestellung der Juden in wirtschaftlicher Hinsicht. - F - B. Die Ausnahmeanordnungen gegen Juden in finanzpolitischer Hinsicht' C. Die kulturelle Entrechtung und Degradierung der deutschen Juden. D. Der Jude als Arbeitssklave in Deutschland. E. Allgemeine Sonderbestimmungen gegen die deutschen Juden. zusammengestellt. Im Ersinnen immer neuer raffinierter Methoden mit dem Ziel der Quälerei der Juden bis zur totalen Verzweiflung wetteiferten die Ministerialräte in den Ministerien von Dr. Goebbels und Dr. Frick. Das überwältigende Material dieser pathologischen Knechtung der Juden in Deutschland, bevor der Äusrottungsprozeß einsetzte, wäre ausreichend für eine Inauguraldissertation über das Thema: Die verbrecherische Rassentheorie der Nazis und ihre Umsetzung in die Praxis. Alfons Freund. Die Juden in der Tschechoslowakei V Die britische Wochenschrift „Die Tribüne” bringt in einer September-Ausgabe einen Artikel über die Juden in der Tschechoslowakei. Darin wird unter anderem das Schicksal der Juden in diesem Land direkt als tragisch bezeichnet. Nur 10 Prozent der gesamten Juden in der Tschechoslowakei haben das Hitlerregime überstanden. 60 Prozent dieser Üeberlebenden haben ihre Staatsbürgerschaft verloren. Die Behörden wollen keine jüdischen Fragen anerkennen. Sie sind der Auffassung -und vertreten sie ganz energisch, daß alle deutschsprechenden Menschen, oh nun Jude oder Nichtjude, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind, und der heißt: Deutsche. Tatsache ist, daß die meisten der Juden in Zentral-Europa deutsch sprechen. Aber die jüngere Generation der tschechischen Juden spricht tschechisch, da sie in. tschechischen Schulen erzogen worden ist. Die Nationalität dieser jungen Menschen hängt jedoch, nach dem tschechischen Gesetz, von der Nationalität der deutschsprechenden Eltern ab, die nach dem Gesetz und den entsprechenden Verordnungen die deutsche ist. Es liegt klas auf der Hand, daß das alles Vorwände sind, um, so traurig und unglaublich es klingen mag, die wenigen überlebenden Juden loszuwerden.- . Es ist von allen alliierten Staaten offiziell anerkannt worden, daß in einigen Fällen die nationale Souveränität vor einer übernationalen Ueberlegung und Nachprüfung zurückzustehen hat, besonders, wenn außerordentliche Probleme allgemein menschlicher Lebenshaltung zur Debatte stehen. Die tschechische Regierung mag das Recht für sich beanspruchen, deutsche und andere feindlichen Minderheiten zu behandeln, wie es ihr gefällt, jedoch ihre Einstellung und ihr Benehmen den Juden gegenüber zeigt nach all derrT Vorgefallenen der letzten Schreckensjahre eine, kaum zu glaubende Stellungnahme gegenüber der Menschlichkeit. Truman für sofortige Palästina-Einwanderung Großbritannien bedauert -Washington. Präsident Truman verlangte eine sofortige Einwanderung verschleppter Juden nach Palästina in größerem Umfang. „Die zunehmenden Interessen der Vereinigten Staaten in allen Araberuhd Moslemstaaten werden durch die Erklärung Präsident Trumans über jüdische Einwanderung nach Palästina gefährdet”, heißt es in einer Erklärung des hohen arabischen Komitees in Palästina vom Sonntag. Das Komitee wendet sich scharf gegen eine erhöhte Einwanderung von Juden nach Palästina. Anläßlich des jüdischen Versöhnungsfestes sandte der Präsident ein Telegramm an den britischen Ministerpräsidenten Attlee, in dem er seine Ansichten über das Judenproblem zum Ausdruck brachte. Die Ansichten des Präsidenten gipfelten in den folgenden , Feststellungen:^. ■ „Erstens: Im Hinblick auf die Tatsache, daß der Winter seinen Einzug halten wird, ehe die Palästina-Konferenz iif* London wieder aufgenommen werden kann, wie ich glaub«», vertrete ich die Ansicht, daß eine wesentliche Einwanderung nach Palästina nicht warten kann, bis eine Lösung des Palästina-Problems gefunden, und daß diese Einwanderung daher sofort beginnen solle. Zweitens: Ich stelle wiederholt fest, daß man die Einwande- , rungsgesetze der anderen Staaten, einschließlich der Vereinigten Staaten, im Hinblick der Aufnahme verschleppter Personen auflockern solle. Ich bin bereit, so energisch wie möglich die Zusammenarbeit mit anderen Ländern an dem ganzen Problem der verschleppten Personen fortzusetzen. Drittens: Sollte ferner eine brauchbare Lösung für Palästina gefunden werden, so will ich dem Kongreß gern einen Plan für die wirtschaftliche Unterstützung zur Entwicklung dieses Landes empfehlen.” Dem Telegramm an Ministerpräsident Attlee war hinzuge*. fügt, der Präsident bedauere tief, daß die Londoner Palästinakönferenz nicht vor dem 16. Dezember fortgesetzt würde. Der Präsident erklärte außerdem, in Anbetracht „des schrecklichen Gottesurteils, welches über das jüdische.Volk während des Krieges und der augenblicklichen Krise gekommen ist, kann ich nicht glauben, daß ein Programm, wie es hiermit vorgeschlagen wird, nicht zusammen mit allen anderen beteiligten Völkern ausgearbeitet werden könnte.” Er fügte hinzu, daß seihe Regierung weiterhin alles tun werde, was sie zur Erreichung dieses Zieles vermag. Bezüglich der Vorschläge Großbritanniens und der „Jewish agency” äußerte Truman: „Ich kann nicht glauben, daß die. Kluft zwischen den Vorschlägen, die gemacht worden sind, zu groß sein kann, um von vernünftigen und willigen Menschen überbrückt zu werden. Für eine Dauerlösung könnte unsere Regierung ihre volle Unterstützung geben.” Schließlich erinnerte der Präsident, daß er wiederholt sein größtes Interesse an dieser Angelegenheit bekundet und darauf gedrungen hätte, „im frühestmöglichen Augenblick Schritte zur Aufnahme von 100 000 jüdischen Flüchtlingen in Palästina zu unternehmen.” Präsident Truman unterstützte ferner den Plan der „Jewish agency” zur Bildung eines jüdischen Staates in einem „angemessenen Gebiet” Palästinas und lehnte einen Plan zur Teilung des Heiligen Landes unter den Juden und Arabern, wie England und verschiedene Ratgeber des Präsidenten ihn gutheißen, rundweg ab. Diese Erklärung wurde von der britischen Regierung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Premierminister Attlee hatte gebeten, diese Erklärung nicht zu veröffentlichen, bevor er mit Außenminister Bevin Rücksprache genommen hätte. Einer der Hauptgründe, weshalb die Palästinakonferenz bis zum 16. Dezember vertagt wurde, soll die Weigerung der „Jewish agency” gewesen sein, an der Londoner Palästinakonferenz teilzunehmen. Ein amtlicher Sprecher der Arabischen Liga bemerkte hierzu: „Die Regierungen der arabischen Staaten nehmen die Haltung ein, daß sie einer derartigen Politik, falls notwendig, mit -Gewalt begegnen müssen.”