Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 13 (10.10.1946)
- Date
- 1946-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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FÜR DIE NORD-RHEINPROVINZ UND WESTFALEN NUMMER 13 10. OKTOBER 1946 ' 1. JAHRGANG Der Urteilsspruch von Nürnberg und seine Begründung Göring: Tod durch den Strang. Heß: Lebenslänglich Gefängnis. Ribbentrop: Tod durch den Strang. Keitel: Tod durch den Sträng. Kaltenhrunner: TodL durch den Strang. R o s d n b e. r g: Tod durch den Strang. Frank: Tod durch den Strang. F r i c k: Tod durch den Strang. Streicher: Tod durch den Strang. Funk: Lebenslänglich Gefängnis. Dönitz: 10 Jahre Gefängnis. Rae der: Lebenslänglich Gefängnis. Schirach: E0 Jahre Gefängnis. Sa u ck-el: Tod durch den Strang. J o dl: Tod durch den Strang. Bor mann: In Abwesenheit zum Tode durch den Strang. S e y s s - I nqu a r t: Tod durch den Strang. Speer: E0 Jahre Gefängnis. Neurath: 15 Jahre Gefängnis. Freigesprochen wurden die Angeklagten' ScRacht, Papen und Fritzsche. Die Urteilsbegründungen: Göring: . . . „Fast immer die treibende Ki&ft . . . Seine» Schuld ist einmalig in ihrer Ungeheuerlichkeit.” Heß . . . „Bfs zu seinem Englandflug Hitlers nächstem per* sönlicherx Vertrauter.” .' Frick . . > „Immer ein wilder -Antisemit. Trägt allgemein die Verantwortung für' die Unterclruckungshandlungen in.Böhmen, Mähren ... Verantwortlich für die Anwendung des Gnadentodes geistig defekter, kranker und altersschwacher Personen. 275 000 Opfer.” - '«* Funk . . . „ Finanzierung des Krieges gegen Polen , . . Abkommen mit Himmler, den in den Konzentrationslagern vernichteten Opfern Gold, Juwelen und Barmittel abzunehmen.” ' . . Streicher ... „Mordpropaganda, Verbrechen gegen die Humanität.” - ' * Raeder . . . „Angriffskrieg geplant. . » . Invasion Norwegens.” Dönitz . . . „Angriffskriege -geführt.” Schiraeh . '. . „Hitler-Jugend einer intensiven Nazipiropa-' ganda ausgesetzt. Teilnahme am Zwangsarbeiter-Programm, Jugend-Deportation.” : - . Sauckel . . . „Oberste Verantwortung für die Deportation von mehr als fünf Millionen Menschen zum Zwecke dei Zwangsarbeit.” * - GERIC Der Internationale Gerichtshof in Nürnberg hat sein Urteil gesprochen. Göring und elf seiner Mitangeklagten wurden des Todes, schuldig befunden, sieben' Angeschuldigte wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, Papen,' Schacht und Fritzsche freigesprochen. Zu verbrecherischen Organisationen erklärt sind die SS., der SD., die Gestapo und Teile des Korps der politischen Leiter. Nicht als verbrecherisch gelten die SA.*, das Reichskabinett, das OKW. und der Generalstab. . ', . Gegen zweiundzwanzig führende Männer des Dritten Reiches wurde in Nürnberg Anklage erhoben. Der Dreiundzwanzigste fehlte auf der Anklagebank: Adolf Hitler. Er entzog sich der Verantwortung, die ohne Einschränkung zu tragen er sich so oft gerühmt hatte. In seinem Namen wurden die beispiellosen Verbrechen begangen, welche die mit ihm sChuldig Gewordenen nun sühnen müssen.. Das Urteil von Nürnberg bricht den Stab auch über ihn. ■ Der internationale ’ Gerichtshof hat sein Urteil gesprochen nach zehnmonatiger Verhandlung. Eine Flut von Beweismaterial für und gegen die Schuld der Angeklagten Wurde vorgetUkgen und: geprüft. ES steht fpst, daß die* Verhand- _ lungsführung so objektiv wie überhaupt nur möglich war. Die unter der schweren Anklage stehenden Männer hatten volle Gelegenheit, sich zu verteidigen und alles zu sagen, Bormann . . . „Unbarmherzige Ausbeutung der eingeschüchterten deutschen Bevölkerung. Tätigen Anteil an der unbarmherzigen Behandlung der Juden. Verantwortlich für das Lynchen von" alliierten Fliegern.” ■ Seyss-Inquart . . . „Harte Besetzungs-Politik. Verantwortlich am Mord vieler jüdischer Intellektueller.-In den Niederlanden unbarmherziger Terror.” Speer „Teilnahme am Zwangsarbeiter-Programm. Mildernder Umstand: Hatte den Mut, Hitler zu sagen, daß der Krieg verloren sei.: Sinnlose Vernichtung von Produktions-- mitteln verhütet.” Neurath ... „Unterdrückung in Böhmen und Mähren. Mildernder. Umstand; Befreiung vieler verhafteter Tschecho- Slowäken.” * . ' ‘ Jodl . . . „Angriffskriege. Anordnung zur Beseitigung von Sowjet-Kommissaren. Evakuierung von Menschen aus Nord- Norwegen und Niederbrennung ihrer Häuser.” Ribbentrop . . . ^Vorbehaltlose Zusammenarbeit, mit .Hitler.” Keitel . . . „Angriffskriege. Tötung von sogenannten Kommando-Trupps. Beteiligt an Hitlers Plan, für die Ermordung polnischer Juden und Intellektueller.” Kaltenhrunner ./. , ,-;Kugelerlaß, dadurch» Erschießung geflüchteter und wieder ergriffener Kriegsgefangener in Mauthausen. Ausrottung der Juden. Ungefähr 6 Millionen Juden ermordet, davon , zwei Millionen durch Einsatztruppen und andere Einheiten der Sicherheits-Polizei.”* Rosenberg ... „Führet einer. Organisation, deren Agenten in allen Teilen der Welt Nazi-Intrigen betrieben. Schöpfer des Norwegen-Angriffplans. Massenmorde an Juden unter seiner Verwaltung.” Frank . . . „Deportation von Sklaven^Arbeitern. Ausrottung der Judpn.” , .* Die Vollstreckung der Todesurteile soll am 16. Oktober stattfinden. - Wie verlautet,' hat Oesterreich die Auslieferung von Papen und Baldur von Schirach verlangt. ‘? was zu ihrer Entlastung hätte diene» können. So objektiv wie die Durchführung des Prozesses ist auch das Urteil. Es macht deutlich, wie sorgsam die Richter geprüft und gewogen haben und wie sie sich bemühten, Schuld und Sühne in Einklang zu bringeti. Mit dem . Urteil hat der Nürnberger Prozeß formell seinen Abschluß gefunden. Seipe Bedeutung aber weist in die Zukunft. Die erste notwendige Folge wird sein, breitesten Kreisen des deutschen Volkes eine zusammenfassende Darstellung zugänglich zu machen über den Prozeß selbst und über das umfangreiche historische Material* das es zutage gefördert hat. Es konnte bei der knappen Berichterstattung in Presse Und Rundfunk bishei* nicht in das rechte Licht gerückt werden. Das deutsche Volk war im Nürnberger Verfahren und; an, seinem Ausgang nicht aktiv beteiligt aber als der eigentliche Hauptankläger in allen Phasen des Prozesses zugegen. Es ist unerläßlich, ihm volle Aufklärung zu geben über das, was ohne , sein Wissen von seinen damaligen Machthabern, geplant und ausgeführt-wurde. Wir müssen uns trotz der großen Not und der schweren , Sorgen des Tages die Erinnerung an das Unheil der 13 Jahre Hitler- Herrschaft zurückrufen und damit die Erinnerung' an die Ursachen unseres heutigen Unglücks: Aufgabe des Prozesses war es, die Wahrheit zu finden und Gerechtigkeit zu üben.