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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-09-26 · 12 (26.9.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
12 (26.9.1946)
Date
1946-09-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE NORD-RHEINPROVINZ UND WESTFALEN NUMMER 1£ £6. SEPTEMBER 1946 1. JAHRGANG ZUM NEUJAHRSFEST 5707 / / |as Neujahrsfest der Juden steht bevor. Ein Anlaß zu lauter Freude ist dies nicht. Zu sehr bedrücken uns alle5vor allem aber unsere jüdischen Mitbürger,' die Schreckbilder der Vergangenheit. Ich bezweifle, ob Menschen, die wie die Juden in Deutschland die Abgründe derBosheit kenn engelernt haben,jemals ihresLebens wieder froh werden können. Ich fühle mich daher nicht berufen, deutschen Juden gegenüberWorte desTrostes oder des Bedauerns auszusprechen,sondern beschränke mich darauf, ihnen zum neuen Jahre sowie für alle Zukunft ein materiell unangefochtenes, bürgerlich freies Leben zu wünschen t-v r> j u a 1 ° . Lfr.Kudoii Amelunxen, und ZU versichern, daß ich von mir Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen aus alles für eine den Umständen nach möglichst umfassende Wiedergutmachung des den Juden zugefügten Unrechts tun werde. Die wirtschaftliche Wiedergutmachung wird zwar nur einen Bruchteil der Wunden heilen können, die in der Vergangenheit dem Judentum geschlagen wurden. Was wir alle können, ist, die unsichtbaren Mauern radikal abtragen helfen,die ein verblendeter Antisi mitismus in den Gemütern von jung und alt errichtet hatte. Mich persönlich hat in der vergangenen T^errorzeit kaum etwas so bewegt und erregt wie die Un-. taten undVerbrecheh,die unseren jüdischen Mitbürgern zugefügt worden sind. 3)v. Mme/unxen Rosch-ha-schanah 5707 Ein Jahr in der Freiheit neigt seinem Epde zu. Ein Jahr der Enttäuschung, indem wir mit Bitterkeit feststellen, daß von den vieleh Versprechungen, die uns einst durch den Aether zueilten, leider nur sehr wenig, wahr wurden. Die Welt hat schnell vergessen. Die Ströme von Blut von annähernd 6 Millionen unserer Glaubensgenossen sind schnell versiegt und man versucht, sie mit Sand zu überschütten, mit demselben Sand, mit dem man Sehenden die Augen verschließen möchte. Wir Juden in Deutschland stehen auf diesem blutgetränkten Boden, kämpfend um primitivste Menschenrechte, hoffend auf eine bessere Zukunft, Viele träumten, daß sie im vergangenen Jahre ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Geschwister oder sonstige Verwandte im Heiligen Lande oder über dem Ozean zurückgewinnen könnten, aber es war nur ein Traum. Heute noch sind die Läger voll mit sogenannten Displaced Persons und eine neue Gruppe Menschen, heimatloser, entwurzelter Menschen, die allem beraubt sind, hat sich zu ihnen gesellt. Jüdische Menschen verfolgt durch > das Hitlersystem und erneut auf der Flucht vor brutaler Gewalt sind jetzt zu uns gelangt. In der amerikanischen Zone nahm die Militär-Regierung sie mit offenen Armen auf und in diesem Zusammenhang verdient der Name eines Mannes, eines besonderen Lobes und Erwähnung. Herr Rabbi Philip S. Bernstein, Adviser to the Theaters Commander on Jewish Affairs, der ein so gffenes williges .Ohr bei den höchsten Stellen der amerikanischen Militär-Regierung besitzt, fand, daß man diesen Aermsten der Armen schnellstens Nahrung, Kleidung -und Wohnung schafft. In der englischen Zone halfen uns die Militär-Regierung und die deutschen Behörden diese Menschen unterzubringen. Unser Dank geht an die Stellen des früheren Oberpräsidiums der Nord-Rheinprovinz, für die Menschlichkeit, die sie unseren armen Brüdern entgegenbrachten. Da von jeher die Nächstenliebe das oberste Gebot unserer Heiligen Lehre war, so zeigt sich auch hier wieder in welch vorbildlicher Weise unsere Brüder und Schwestern die Opfer auf sich nahmen, die wir von ihnen verlangten und wir gehen hinein in das neue Jahr als Juden, geeint durch das gemeinsame Los, durch die gemeinsamen Leiden und das furchtbare Erlebnis der* letzten 12 Jahre, und wenn wir uns in unseren Gebethäusern versammeln, so fliegen unsere Gedanken zurück an jene Jahre, die uns mit denen vereinte, die nicht mehr unter uns weilen, und wir schöpfen aus dem Gebet die Hoffnung und die Kraft unseres Glaubens auf eine bessere Zukunft, auf ein Recht als Menschen unter ^Menschen zu leben Und auf die Erfüllung der Versprechungen unserer Heiligen Schrift, daß uns das Land unserer- Väter zu eigen werde. Ganz von selbst erfordern ja die Verhältnisse der Zeit gebieterisch, den jüdischen Staat und um die Anerkennung des jüdischen Menschen und üm seine Gleichstellung in der Welt, dafür wollen wir kämpfen. Unsere Grüße zum Neujahrsfest gehen zu allen unseren Brüdern mnd Schwestern in den drei Zonen Deutschlands, in die Wohnungen, in den Städten und in die Flüchtlingslager auf dem Lande- und in die Läger der Displaced Persons. Das neue Jahr stellt uns gewaltige Aufgaben und wir flehen zu Gott, uns die Kraft zu geben, sie zu erfüllen und wenn das Schofahom, ertönt und uns zur

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