Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 11 (9.9.1946)
- Date
- 1946-09-09
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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kend in ihrem Glauben bzw. in ihrer Treue zum Judentum wurden.* Sie glaubten, sich durch Uebertritt zum Christentum tarnen zu müssten. Wenn wir ihnen auch diese Tarnung nicht übelnehmen wollen, so sehen wir in ihr doch einen Mangel an Haltung. Diese Menschen heute in ein religiös-liberales Fahrwasser zu leiten, wäre eine Gefahr — sie können m. E. nicht orthodox genug umerzogen werden. Der Austritt aus eiher Religionsgemeinschaft kann aus Ueberzeugung geschehen — der Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft wird höchst selten aus Ueberzeuguhg geschehen — er wird fast, immer ein Mangel an'Haltung sein, und Menschen, die diesen Mangel aufweisen, werden wir für die nächste Zukunft nirgendwo gebrauchen können. Schon heute, nach so kurzem Wirken des neuen Vorstandes, kann wohl gesagt werden, daß die jüdische Gemeinde in Köln sich alle .Mühe gibt, die alte Tradition fortzusetzen und im Sinne der Männer zu Wirken, die dieser Gemeinde bei allen Schichten der Bevölkerung einen klangvollen Namen hinterlassen haben. Viele der Vertreter der Kölner jüdischen Gemeinde haben leider in den Konzentrationslagern den Tod gefunden — einige aber sind doch noch unter den Lebenden, dadurch, daß es ihnen vergönnt war, rechtzeitig auszuwandern. Diese und die anderen jüdischen Menschen, die sich auf deutschem, blutgetränktem Boden jetzt wieder zu Gemeinden zusammenfinden, werden bald den Eindruck haben'können, daß die Kölner Synagogengemeinde in wahrhaft jüdischem Sinne zu wirken vermag. - Tagung des Landesverbandes Nord-Rheinprovinz Am Donnerstag, dem 15. August 1946, 14,00 Uhr, fand im Plenarsaaldes Oberländesgerichts eine von allen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz besuchte Versammlung des Landesverbandes statt. Als Vertreter der westfälischen Gemeinden waren Herr Heimberg, Dortmund und der Gemeinden der französischen Zone, Herr Bernd, Koblenz, anwesend. Der Vorsitzende^ des Landesverbandes, Dr. -Auerbach, gab! einen umfassenden Bericht über die Tätigkeit des Landes-! Verbandes, insbesondere auf dem Gebiete der Regelung 6grj Wiedergutmachung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß i es gelingen wird, i$ allerkürzester Frist diesem Problem | näher zu treten. Herr Dr. Auerbach berichtete aus dem Zo-! nenrat von der harmonischer^ Zusammenarbeit aller jüdij sehen Gemeinden der britischen Zone, über di#'Sitzung in: Bremen, die am 13. August 1946 stattfand. 1 Er berichtete ferner über die Arbeit der' Interessenvertretung der jüdischen Gemeinden der amerikanischen, englischen und französischen Zone und über das Entgegenkomr men der Militär-Regierung der drei . Zonen und gab den Wünschen und Hoffnungen Ausdruck, daß auf allen Gebieten eine Besserung der Lage der Juden-erzielt wird. Zu der Frage der bevorstehenden Wahlen gab er die Empfehlung des Zonenausschusses weiter, daß sich die jüdischen Gemeinden als solche nicht an den Wahlen beteiligen sollen, daß sie politisch neutral zu sein haben, daß es jedoch dem einzelnen überlassen bleibt, diejenigen Schritte politij “scher Art zu unternehmen, die sie für angebracht halten.! Der Vorsitzende berichtete alsdann über die Bildung dös! Zentralwirtschaftsamtes beim Zentralkomitee in Bergenj Belsen über die hervorragende Arbeit, die hier von allen! jüdischen Organisationen geleistet wird. Einigkeit, Gemeinj schaftsarbeit ist die Losung für die nächsten Monate; Äser Ziel, das harte Los unserer Brüder und Schwestern in Deutschland zu bessern, ihren Lebensstandart zu erhöhen und sie die Leiden vergessen zu lassen, die die. letzten 12 Jahre für sie. gebracht haben, .! An alle jüdischen Gemeinden der britischen Zone Am Ä. August 1946 fand im Gemeindehaus in Bremen die! Vorstandssitzung des Zonenausschusses der jüdischen Ge-! meinden der britischen Zone statt.* | V * V.! Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und berichtete | zunächst über die Verhandlung, die seitens der, Gemeinde Hamburg und des Central British Fund in Lon-1 don, gepflegt wurde. Nach eingehender. Prüfung beschloß) der Vorstand des Zonenausschusses im Hinblick auf die bevorstehende Wiedergutmachungsgesetzgebung von einer größeren Kreditaktion Abstand zu nehmen, jedoch den Antrag der Gemeinde Hamburg auf einmalige Bewilligung . von einem Betrage von 150 000 RM. für das-Altersheim und laufende Wohlfahrtsunterstützungen wärmstens zu befürworten, im Hinblick auf die äußerst große Notlage der Gemeinde Hamburg. , . ' Es wurde angeregt seitens des Herrn Wollheim vom Central Jewish Committee, für die Altersheime und Krankenhäuser der jüdischen Gemeinden Kuratorien zu bestellen, die in der Lage sind, durch Uebernahme der Patenschaften, im Auslande für diese Zwecke Mittel frei zu bekommen. Der Vorsitzende wurde beauftragt, in Bünde vorstellig' zü werden, daß regelmäßig Etatposten für. die jüdische Wohlfahrt den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden. Ferner wurde über die Frage der gemeinsamen Betreuung eingehend Verhandelt. Der Zonenausschuß begrüßte die Bildung des Zentralwirtschaftsamtes über das alles, was an Wirtschaftswaren und Lebensmitteln in die britische Zone hereinkommt, zentral verteilt wird. - Bezüglich der Beschaffung von Radioapparaten teilt uns Hamburg mit, daß dort die Zuteilung über das Amt für Wiedergutmachung geleitet wird und dadurch eine bevorzugte Abfertigung der politischen Opfer gewährleistet ist. Der Vorsitzende betonte, daß er beim Zentral wirtschaftsamt vorstellig geworden ist, um ein Extrakontingend freizumachen. Auf Antrag der jüd, Gemeinde Hamburg wurde der Vorsitzende gebeten, durch Rundschreiben und Protokqllübersendungen allen Gemeinden entsprechende Nachrichten über besondere Vorkommnisse zuteil werden zu lassen. - Betr. Zentraladressenarchiv Bremen. Der Vorstand des Zonenausschusses hat beschlossen, dem Zentral-Adressen-Archiv in Bremen keinerlei Adressenmaterial zur Verfügung zu stellen. ** Ueber di^ Aufbauarbeit Palästinas Zu einem Lichtbildervortrag der Synagogengemeinde Düsseldorfs fanden sich in einem ' geschmackvoll hergerichteten Saal der Schule an der Stoffeier Straße eine große Anzahl Besucher ein. Eingangs der Veranstaltung begrüßte der Präsident des Landesverbandes, Herr Dr. Auerbach u. ä. Herrn Regierungspräsident' Sträter, Herrn Generalstaatsanwalt Dr. Junker und Herrn Dr. Custodis als- Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden. Ebenfalls begrüßte der Präsident den Referenten des Abends, Herrn Professor Dr. Weingreen aus England und erwähnte in dankenswerter Weise seine Bereitwilligkeit, den Mitgliedern der Gemeinde und den übrigen Interessenten durch seinen Lichtbildervortrag einen Ueberblick über die jüdische Aufbauarbeit in Palästina zu vermitteln. Jetzt wäre die Zeit gekommen, erklärte Dr. Auerbach, wo sich die Brüder und Schwestern in Palästina ihres herrlichen Landes und des Erfolges ihrer Arbeit erfreuen könnten, aber trotz allem keine Ruhe fänden, weil sie für ihre Glaubensgenossen, die in anderen Ländern und Verhältnissen leben, kämpfen würden, damit diese den Weg in -ihr palästinensisches Heimatland zurückfänden. Die zahlreiche Anwesenheitder Besucher anläßlich des Vortrages Professor Weingreen bekunde zwar. das Interesse für die jüdischen Belange, dennoch sei die Zahl der Antisemiten erheblich, die sich nicht allein mit der Ermordung von 6 Millionen Juden zufrieden gäben. „Leider ist die Lage ln Palästina sehr besorgniserregend”, führt Dr. Auerbach zum Schluß seiner Ansprache aus, „aber wir glauben, daß wir auf dem Wege der Legalität und unter Berufung auf das verbriefte Recht der Heiligen Schrift eine neue Heimat den sogenanntten „Displaced persons“ erkämpfen “werden.” Mit dem' Panorama Jerusalems eröffnete der Referent seinen Lichtbildervortrag. Er führt uns zuerst durch das alte historische Jerusalem, vorbei an dem Tempel, der unter Herode’s gebaut wurde zu der,Moschee von Omar. An deren Außenwänden betrachten wir kunstvoll in Steih gehauene Szenen-vom Feldzuge Titos. ,ßehr eindrucksvoll ist die Abbildung der Schar jüdischer Gefangener, die einen sieben-