Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-07-25 · 8 (25.7.1946) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
8 (25.7.1946)
Date
1946-07-25
Page
Seite 51 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9498581-9366319-9386137--061-9366073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aus aller Welt Hilfe für deutsche und österreichische Juden. New York. Die internationlen Hilfsmaßnahmen sollen jetzt auch auf deutsche und österreichische Juden sowie auf die in Deutschland und Österreich lebenden Ausländer und Staatenlosen ausgedehnt werden, hat der Wirtschafts¬ und Sozialrat de* Vereinten Nationen beschlossen. Truman zum Palästina-Problem Unterstützung der jüdischen Einwanderung Washington. Präsident Truman gab gestern abend bekannt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereit sei, die technische und finanzielle Verantwortlichkeit für den Transport von 100000 jüdischen Einwanderern nach Palästina zu übernehmen. Die letzten Ereignisse in Palästina sollten die Verschiffung der 100 000 Einwanderer nicht verzögern. Präsident Truman gab der Hoffnung Ausdruck, daß eine Beruhigung der Lage eintreten möge und die Führer der jüdischen Gemeinde in Palästina bald aus der Haft entlassen würden. La Guardia kommt nach Europa. Alle von der UNRRA. betreuten europäischen Länder will La Guardia, der Generaldirektor des Hilfswerks, besuchen, wie er am Donnerstag bekanntgab. La Guardia wird bereits nächste Woche die Vereinigten Staaten verlassen. Zur Tagung des UNRRA.-Rates will er am 5. August in Genf sein und im Anschluß daran Lager der Zwangsverschleppten besuchen. Attlee empfing Oherrabhiner. London. Dr. Isaac Herzog, der Oberrabbiner von Palästina, wurde am Freitag von Premierminister Attlee und dem Kolonialminister George Hall zu einer einstündigen Besprechung über die Lage in Palästina empfangen. Paris. Der jüdische Weltkongreß hat die Außenminister der vier Großmächte ersucht, in die Friedensverträge eine Klausel einzufügen, wonach die ehemaligen Feindmächte verpflichtet werden sollen, den Juden für erlittene Leiden Wiedergutmachung zu leisten. In dieser Klausel soll auch das Recht der Juden auf ein freies und friedliches Leben niedergelegt werden. Judenpogrom in Polen Kielce (Polen). Polnische bewaffnete Faschistenbanden drangen am Donerstag, wie der Regierungssprecher General Grocz bekanntgab, in jüdische Wohnungen ein und töteten 26 Personen. Bei den antijüdischen Ausschreitungen wurden zwei weitere polnische Staatsangehörige getötet. Nach einem zweistündigen Feuergefecht wurden die Banden von der Sicherheitspolizei und der zur Verstärkung herangezogenen Miliz vertrieben. Warschau. Wie der Rundfunksender Warschau meldet, überprüft eine besondere Regierungskomtnision die in Kielce vorgekommenen Ausschieitungen, in deren Verlauf 37 Juden getötet und 32 verletzt worden sein sollen. Gegen Antisemitismus in Polen Warschau. In einer Kundgebung der Liga zur Bekämpfung des Rassenhasses wurde ein Beschluß angenommen, in dem es heißt, es sei die Pflicht des gesamten polnischen Volkes, den Antisemitismus und den Rassenwahn zu bekämpfen und alle Kräfte zu mobilisieren, um die Überbleibsel der nazistischen Gesinnung endgültig auszurotten. Warschau. Neun Todesurteile wurden am Donnerstag von einem polnischen Gerichtshof in Kielce in dem Verfahren gegen die Teilnehmer an der Judenverfolgung am. 4. Juli ausgesprochen. 15 Jahre Kerker für jüdischen Helfer der SS. Wien. Zu 15 Jahren Schweren Kerker und Einziehung des gesamten Vermögens verurteilte das Wiener Volksgericht den ehemaligen Beamten der Israelitischen Kultusgemeinde, Wilhelm, Reisz, weil er in der Zeit vom Herbst 1941 bis zum Frühjahr 1943 als „Gruppenführer“ gemeinsam mit SS-Scharführern „Judenaushebungen“ in Wien und Niederösterreich durchgeführt hatte. Er ging in brutaler Weise bei den Aushebungen vor und hat durch seine Mithilfe Hunderte seiner Glaubensgenossen aus Österreich vertrieben und in die Konzentrationslager gebracht. Todesurteil für Greiser. Posen. Der ehemalige Gauleiter des Warthelandes und Präsident des Danziger Senats, Arthur Greiser, wurde vom polnischen Nationalgericht in Posen zum Tode verurteilt. Greiser war für schuldig befunden worden, während seiner Amtszeit Kriegsverbrechen begangen zu haben. Greiser hat ein Gnadengesuch eingereicht. Gestapo-Chef von Dänemark verhaftet. Unna. Der frühere SS-Hauptsturmführer und ehemalige Chef der Geheimen Staatspolizei in Dänemark, Rudolph Renner, alias Friedrich Roßmann, wurde jetzt in Unna (Regierungsbezirk Arnsberg) verhaftet. Renner steht auf der dänischen Kriegsverbrecherliste an erster Stelle. Juden auf der Wanderung In Stettin trafen 30 000 Juden aus Rußland ein. Die meisten von ihnen wollen die Wanderung fortsetzten und hoffen, in Frankreich, den Vereinigten Staaten oder Palästina eine endgültige Zuflucht zu finden. Zunächst sorgt die polnische Regierung für ihre Unterbringung und Ernährung. Man schätzt, daß insgesamt etwa 160 000 Juden aus den jetzt russischen Gebieten nach Polen zurückgeführt werden. Pogromhelden vor Gericht Prozeß gegen nazistische Brandstifter Leipzig. Bei großem Andrang begann vor dem Schwurgericht in Leipzig der Prozeß gegen sechs Nazifun k t i n ä r e, die in der Nacht zum 10. November 1938 in Leipzig drei Synagogen und ein jüdisches Geschäftshaus in Brand gesteckt und schwere Gewalttaten und Ausschreitungen gegen jüdische Bewohner verübt haben. Wegen vorsätzlicher Brandstiftung und anderer Verbrechen haben sich zu verantworten: Georg Becker, Kraftwagenführer (39 Jahre), Fritz Zugschwerdt, Gastwirt (54 Jahre), Wilhelm Kempeni, Lagerverwalter (48 Jahre), Hans Straube (46 Jahre), Dombrowski (39 Jahre) und Paul D ö h 1 e r (65 Jahre). Die Angeklagten haben gemeinsam mit den Formationsführern der NSDAP, und ihrer Gliederungen drei Synagogen und das Geschäftshaus Bamberger und Hertz in Brand gesteckt. Insbesondere waren an den Vorgängen und Gewalttaten der frühere nationalsozialistische Kreisleiter Wettengel, die beiden NSKK.-Standartenführer Gebrüder Kießling, der frühere Polizeipräsident und SA.-Gruppenführer der Leipziger SA.-Standarte, S t o 11 - b e r g sowie der nationalsozialistische Stadtrat Dr. L i s s o, der Selbstmord begangen hat, führend beteiligt. Die nationalsozialistschen Führer haben sich ' alle der Verantwortung durch Flucht in die Westzone entzogen. Todesstrafe wegen Nazipropaganda Springe. Wegen Betätigung im nationalsozialistischen Sinne wurde der 23jährige Karl-Heinz Krille vom Militärgericht in Springe zum Tode verurteilt. Krille hat am 1. Mai in Bad Münster an einem Schaufenster ein Hitlerbild und abgeänderte Verse des Horst- Wessel-Liedes angebracht. Zu seiner Entschuldigung sagte er vor Gericht, daß er nur beabsichtigt habe, die Jugend von Bad Münster vor den Gefahren des Bolschewismus zu warnen. Der Präsident des Gerichtshofes betonte in der Urteilsbegründung, daß die Militärregierung in Fällen offensichtlicher nationalsozialistischer Propaganda nachdrücklich durchgreifen müsse. Gerechte Sühne wegen Judenverfolgung Bielefeld. Der erste Prozeß in der britischen Zone wegen Brandstiftung im Zusammenhang mit den Judenverfolgungen im Jahre 1938 fand jetzt in Brockhagen statt. Vier Angeklagte' waren beschuldigt, im Juli 1938 das Haus des jüdischen Viehhändlers Nathan Hurwitz in Brockhagen in Brand gesetzt und die Familie vertrieben zu haben. Elektromeister Werner Bütteröwe wurde wegen versuchter und vollendeter Brandstiftung in Tateinheit mit Landfriedensbruch zu fünf Jahren Zuchthaus und der frühere Sparkassenrendant Ewald Linhorst wegen vollendeter Brandstiftung in Tateinheit mit Landfriedensbruch zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Mechanikermeister Ernst Kroß und Jungbauer Arnold Diegmann erhielten wegen versuchter Brandstiftung in Tateinheit mit Landfriedensbruch je zwei Jahre Zuchthaus. 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.