Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 4 (24.5.1946)
- Date
- 1946-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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schein, auf dem sogar die Straßenbahnlinien zur Erreichung des sehr angenehmen Privatquartiers vermerkt waren. Ferner wurden bereits im Zuge die Lebensmittelmarken für die Dauer des Aufenthaltes ausgegeben, so daß jeder Messebesucher ohne Zeitverlust sich sofort seinen Geschäften widmen konnte. Der erste Eindruck beim Verlassen der Bahnhofshalle war überwältigend und übertraf die Erwartungen selbst des kühnsten Optimisten. Wenn auch die Stadt. Leipzig lange nicht so gelitten hatte unter den Kriegseinwirkungen wie unsere westlichen Großstädte, so war doch mit dem ersten Blick erkennbar, daß eine ungeheure Arbeitsleistung in der Beseitigung der Schuttmassen geleistet worden ist. Ungeheure Menschenmassen wälzten sich durch die sauberen, aufgeräumten Geschäftsstraßen mit ihren herrlichen Schaufensterauslagen, ein Bild, wie man es aus den besten Zeiten in Erinnerung hatte. Hunderte junger Polizei- und Auskunftsbeamter waren eingesetzt, um den Fremden die Erreichung ihrer Ziele möglichst bequem zu machen. Schmucke junge Mädels regelten den riefeigen Autoverkehr in sicherer Manier. Eine große Erleichterung waren die vielen Hunderte als Taxi eingesetzten Privatwagen. Die Restaui'ants und Cafes konnten den Verkehr kaum bewältigen und waren von früh morgens bis in die späten Abendstunden, ungehindert durch irgendwelche Ausgehbeschränkungen, überfüllt, kein Wunder, denn es gab den im Westen nur noch aus vergangenen Zeiten bekannten Alkohol in jeder Form und zu erschwinglichen Preisen. Durch die riesigen Messepaläste mußte man sich buchstäblich seinen Weg bahnen. Die Messe war so reichlich beschickt, wie man es nicht im Entferntesten vermuten konnte. Neben den Fabrikanten aus der Sowjetzone haben sehr viele süddeutsche Firmen ihre Erzeugnisse ausgestellt. Die Qualitäten der gezeigten Waren näherten sich in vielen Fällen denen aus früheren Zeiten, und ich bin überzeugt, daß namhafte Abschlüsse zwischen Produzenten und Abnehmern aus der Sowjetzone getätigt worden sind. Für die Besucher aus den Westzonen bedeutete der Besuch der Messe leider \ nur eine Orientierungsreise, da die Zonengrenzen dem Güteraustausch noch im Wege stehen. Doch manche alte Geschäftsverbindung dürfte durch den wiederhergestellten persönlichen Kontakt ihre Früchte tragen, sobald der erhoffte Interzonenverkehr in Gang kommt. Durch Kompensierung und Materiallieferung, welche in vielen Fällen die Voraussetzung zur Belieferung von Fertigfabrikaten ist, dürfte auch manches Geschäft zustande gekommen sein. Im Großen gesehen, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß in der russischen Zone ein Arbeitspensum geleistet wird, das zu den größten Erwartungen für den Wiederaufbau berechtigt. Eines nur mußte ich mit Wehmut feststellen. Wir haben keine jüdischen Fabrikanten und keine jüdischen Aussteller mehr. Sie befinden sich in dem Heer der sechs Millionen in den Konzentrationslägern ermordeten Juden, die für Menschentum und Freiheit gekämpft haben und gefallen sind. Immer wieder drängt sich mir, der ich selbst zu den befreiten Juden gehöre, die Frage auf: „Warum gehören wir wenigen Zurückgekehrten weder zu den Ausstellern noch zu den Abnehmern? Warum werden wir nicht an die Stelle der gewaltsam „arisierten“ Betriebe gesetzt? Warum gibt man uns Wenigen nicht unser mit Gewalt geraubtes Gut und Recht zurück? Warum? Warum? Warum?“ Mit diesen Gedanken und Wehmut im Herzen verließ ich die Leipziger Messe. Julius Dreifuß, 1. Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf. COMMERZBANK Geschäftsstellen an allen wichtigen Plätzen der Westzone JULIUS TETSCH DÜSSELDORF FLINGER STRASSE 21 ECKE MITTELSTRASSE JledetwaceH * StaUiwac&i fyrtanUdetv * Spielwaceti FAHRSCHULE ROSENBAUM DRIVER-SCHOOL DÜSSELDORF BIRKENSTRASSE 12 TELEFON 600 24 Herausgeber und föir den Inhalt verantwortlich: Hans Frey, Düsseldorf, Königsallee 27. Veröffentlicht mit Genehmigung der Nachrichten- ' kontrolle der Militärregierung. Lizenz Nr. 50. Druck von L. Schwann, Düsseldorf 6626/46 Gemälde alter und neuer Meister DÜSSELDORF (Königsallee (Ecke Bahnstr.) Telefon 23487 [Drost PFALZ-APOTHEKE INH. HANS JULIUS MAYER DÜSSELDORF KLEVER STR. 29 TELEFON 22115 Umsichtige Haushälterin für frauenlosen Haushalf sucht ISIDOR BLUMENTHAL HEMER (Kreis Iserlohn), Ohlstraße Alfred Sieradz u. Modewaren Düsseldorf £co$huh# Rolandstraße 26 ♦ Telefon 25287 dcttoto&cU&k Seit 75 Jahren im Dienste der heimischen Wirtschaft