Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 2/3 (6.5.1946)
- Date
- 1946-05-06
- Page
- Seite 5 (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE NORD-RHEINPROVINZ UND WESTFALEN NUMMER 2/3 6. MäF 1946 1. JAHRGANG Der 14. April in Bergen-Belsen Das Zentral-Jewish-Kommittee hatte für den 14. April 1946 alle angeschlossenen Gemeinden und Kommittees zu einer eindrucksvollen Trauerfeier, nicht nur für die in Bergen- Belsen Ermordeten, sondern für die sechs Millionen unserer Glaubensgenossen, die dem Rassenwahn zum Opfer gefallen sind, eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich die jüdischen Lagerinsassen zusammen und in geordneten Zügen, unter Vorantritt einer Fahnenkompagnie, hinter der blau-weißen Fahne und dem Union Jack, marschierte das Präsidium des Zentralkommittees, Jossel Rosensaft, Dr. Philipp Auerbach, Norbert Wollheim und B. Läufer. Es folgte das Rabbinat, die Delegierten der Landesverbände, der Gemeinden und der Kommittees. Danach folgte unter Vorantritt der Fahne das Jewish Relief Unit unter Führung des Field Directors Capt. Lunzer. Der JOINT war vertreten durch den Field Director Wordlinger und dem Senior Repräsentativ Gelber und durch viele andere Mitarbeiter. Junge Menschen in weißen Blusen, Jungen und Mädchen, formten einen lebenden Davidstern und hinter ihnen marschierten in vollster Disziplin all die vielen jüdischen Organisationen, die mit ihrer Haltung den Beweis erbrachten, daß sie mitarbeiten wollen an dem Wiederaufbau einer neuen jüdischen Zukunft. Ein endlos langer Zug marschierte zu den Massengräbern von Bergen-Belsen. Dort waren anwesend die Repräsentanten der englischen Armee, der Lagerkommandant, der General der UNRRA, Mitglieder des englischen Roten Kreuzes und sehr viele Träger alliierter Uniformen, die es sich nicht nehmen ließen, unseren Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der erste Feldgeistliche der englischen Zone, Major Wagner, begleitet von anderen englischen Offizieren, nahm ebenfalls an der Feier teil. Das Monument ragte in seiner Schlichtheit und eindrucksvollen Art über die Massengräber von Belsen hinaus. Jossel Rosensaft als Präsident des Zentralkommittees enthüllte das Denkmal und gedachte in schlichten Worten derer, die den ersten Jahrestag der Freiheit nicht mehr erleben durften. Seine Rede machte auf alle einen tiefen Eindruck. Als der Vorbeter des Rabbinats mit herzzerreißender Stimme das alte traditionelle: Eil Molei Rachamim vortrug, ging eine Welle der Erschütterung über die Anwesenden dahin, die alle sichtlich erschüttert waren. Insbesondere waren die zutiefst erschüttert, deren; Angehörige in den Massengräbern von Belsen lagen. Norbert Wollheim sprach in englischer Sprache Worte des Gedenkens und der bitteren Anklage. Der Vertreter des Rabbinats mahnte eindringlich an die großen Verpflichtungen der Überlebenden an die Toten. Der Gesang der Hatikwah, und der englischen Nationalhymne beschloß diese eindrucksvolle Feier, und als ich nach der Feier allein vor diesem ehrwürdigen Denkmal stand, da kam mir das Prophetenwort des Propheten Ezechiel ins Bewußtsein, welches er, als er in dem Tale stand, das voller Gebeine lag, sprach und auf Befehl Gottes über diese Gebeine weissagte. Da sah ich vor meinem geistigen Auge, wie man die Toten hineinlegte in die Massengräber von Buchenwald, Auschwitz, Belsen usw., da hörten wir in uns den Ruf Gottes: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist spricht der Herr. Ihr Toten seit der Gewalt und der Macht zum Opfer gefallen; wir werden für Euch kämpfen mit der Macht des Geistes. — Am Nachmittag fand eine große Gedächtniskundgebung im Zelttheater statt: Bis auf den letzten Platz war das Riesenzelt besetzt. Nach eindrucksvollen Worten des Präsidenten Rosensaft sprach Lt. Colonel Salomon. Seine Worte in englischer Sprache, die von Wollheim übersetzt wurden, fanden begeisterte Aufnahme. Dann sprach Dr. Ph. Auerbach als Vertreter der jüdischen Gemeinden und wies darauf hin, daß wir gemeinsam gelitten, gemeinsam gekämpft haben und auch nunmehr gemeinsam unser hartes Leben meistern werden. Er gedachte dankbar der alliierten Truppen, die uns befreiten, der Brüder und Schwestern in England und Amerika, die den wenigen Überlebenden durch ihre Spenden die Möglichkeit geben, das Leben einigermaßen zu gestalten. Auch Dr. Auerbach trat dafür ein, daß man all denen, die der Ruf nach Palästina zieht, die Möglichkeit geben muß, dorthin äu gelangen und für die Schaffung eines jüdischen Nationalheimes Danach zeigten die Mitglieder des jüdischen Theaters von Belsen, daß sie es verstanden haben, in einem Jahr aus einem Nichts Menschen zu formen, junge Menschen, musik- und tanzbegabt, heranzubilden, die sich nicht schämen brauchen, auch auf den größten Bühnen der Welt aufzutreten. Der Lagerkomandant erkannte auch in seiner Ansprache an, in welch vorbildlicher Weise das Zentralkommittee die kulturelle Betreuung und die Berufsausbildung der Lagerinsassen betreibt. — Es ist in einem Jahr viel geleistet worden, aber noch nicht genug, um die Menschen vorzubereiten auf ein neues Leben in der Freiheit, welches ihnen hoffentlich bald in Palästina vergönnt sein möge. — Dr. Philipp Auerbach. Lt. Colonel Robert Salomon bei einer Plenarsitzung in Düsseldorf Am 7. Tag Pessach fand nach einem feierlichen Gottesdienst im Oberlandesgericht, an dem annähernd 200, Personen teilnahmen, eine Plenarsitzung der Landesverbände der Nord-Rheinprovinz und Westfalen statt. Nach einleitendem Vortrag des Vorsitzenden, Dr. Auerbach, der den Jewish Advisor Lt. Colonel Salomon auf das herzlichste begrüßte, wurde zunächst der Antrag gestellt, die Gemeinden der französischen Zone, Regierungsbezirk Lt. Colonel Salomon (links) und Herr Dr. Auerbach (rechts bei der Tagung des Landesverbandes Nord-Rheinprovinz und Westfalen 5