Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 1 (15.4.1946)
- Date
- 1946-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE NORD-RHEINPROVINZ UND WESTFALEN NUMMER 1 15. APRIL 1946 1. JAHRGANG % ZUM GELEIT Die Militärregierung hat am 2. April 1946 die Herausgabe eines Mitteilungsblattes für die Gemeinden Rheinlands und Westfalens genehmigt. Wir stehen vor den Pesach-Feiertagen. Unsere Gedanken gehen zurück, und wir denken an die alte Erzählung von der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens. War es jemals zeitgemäßer denn heute, uns dessen zu erinnern? Haben wir nicht alle, die wir hinter den Stacheldrähten, in Gefängnissen und hinter Schicksalsmauern geschmachtet haben, die Knechtschaft Ägyptens verspürt? Dieses Gemeindeblatt, welches noch in einem bescheidenen Umfange herauskommt, ist ein erster Schritt in die Freiheit, ein weiterer Schritt für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Mein Gruß gilt nicht nur unseren treuen Glaubensgenossen des Rheinlands und Westfalens, er geht hinüber in al£ die Läger, in die unsere Glaubens- und Leidensgenossen heute noch - ein Jahr nach der Befreiung - gesammelt sind. - Wir kennen keinen Unterschied zwischen Ost und West. Wir haben als Juden gemeinsam gelitten, gemeinsam das Leid ertragen und haben jetzt als Juden gemeinsam dafür zu kämpfen, daß wir als vollberechtigte Bürger die Wiedergutmachung erhalten, die uns ein ordnungsgemäßes Leben gewährleistet. Gleichberechtigt wie alle, die guten Willens sind, unter der Voraussetzung der Wiedergutmachung der Zeit von 1933 bis 1945. Wir danken der Militärregierung für die Unterstützung, die sie unseren Bestrebungen zuteil werden läßt. Wir danken dem JOINT, der JEWISH RELIEF UNIT, dem WORLD- JEWISH-CONGRESS und den übrigen jüdischen Organisationen, die uns vom Ausland aus in den letzten Monaten so tatkräftig geholfen haben. Unsere besten Grüße und unser Dank gehen an das CENTRAL'COMMITTEE und insbesondere an seinen Präsidenten Herrn Josef Rosensaft, der in Amerika und mit mir gemeinsam in England für die Interessen der Juden in Deutschland in mannhafter Weise eingetreten ist. - Möge nunmehr dieses Blatt - welches zweimal monatlich erscheinen wird - ein Bindeglied sein zwischen den |Gemeindemitgliedern und ihren Gemeinden, und möge es unseren Brüdern draußen ein anschauliches Bild verleihen über unsere Aktivität in Deutschland. Wir haben für unsere Zukunft vollstes Vertrauen. Der Gott unserer Väter hat uns bis heute nicht verlassen und wird uns auch weiter beistehen. Dr. Philipp Auerbach Untv^rsitätsbibliothek ' Frankfurt am Main