Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 326)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1112869-9323001--317-9304899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

dass sowohl sein literarischer wie sein künstlerischer Inhalt ganz ungewöhnlich geschmackvoll und mannigfaltig anregend angeordnet ist. Auch die Ausstattung ist eigenartig und prächtig. Gegen die Gesamttendenz des jüdischen Almanachs als solchen können wir uns indessen nicht scharf und nicht entschieden genug aussprechen. (J. K.) DIB GEGENWART. Berlin, 6. Dezember 1902. Der Jüdische Almanach 5663 setzt sich in einem hochklingenden, feurigen Vorworte für die „jüdische Renaissance" ein, die seiner Meinung nach im Anznge ist. Wie dem nun auch sei, und wie immer man über die zionistische Strömung denken möge: sie hat etwas Kraftvolles, Anmutendes, Ehrliche?, das sie von der Mossisterei und von der Berliner Tiergarten - Pluto - kratie erquicklich unterscheidet. In den jungen Leuten, die sich für ein neues Ideal, eine vielleicht aussichtslose Bewegung begeistert mühen, lodert jene Flamme, die jeden anderen Kämpfer erfreut — auch wenn er im gegnerischen Lager steht. Der Almanach verdient fast durchweg uneingeschränkte Empfehlung. Die Schriftsteller, die in ihm zu Worte kommen, die Künstler, die ihn geschmückt haben, sind bis auf ganz wenige Ausnahmen wirklich Berufene . . . Ich wünsche, dass dieser Almanach nicht nur in jüdische Familien eindringe; er hat ein besseres Schicksal als das der Einkapseliing verdient. BERLINER BOERSEN-COURIER. (Dr. Landau.) .... Ein üppiger Strauss poetischer Blüten, farbenprangend und duftig, ist hier lose Vereint. Ein Singen und Klingen geht durch die Blätter, ein kräftig Rauschen durch die dreihundert Seiten, ein Jubeln bald und bald ein Trauern, ein gehobenes Psalmodieren bald und bald ein Klagelied — überall aber die Kraft tiefen Empfindens und das künstlerische Vermögen, diesem Empfinden schönen Ausdruck zu verleihen. Die Liebe zum Judentum spricht sich in warmen, klangreichen Tönen aus, das Hoffen auf seine Wieder - aufrichtung findet volle, schwellende Melodien. Neben poetischen und künstlerischen Gaben finden wir auch wertvolle volkspsychologische Skizzen, kleine Studien über das Judentum in den verschiedenen Ländern. Proben der neu-hebräischen Literatur in charakteristischen Uebersetzungen. Leberraschend reich sind die Zeugnisse der mannigfachen Betätigung junger, jüdischer Kräfte auf dem Gebiete der bildenden Kunst. E. M. Lilien, der das Buch überaus charakteristisch geschmückt, mit dem prangenden Zierrat seiner dekorativen Kunst umkränzt hat, führt uns hier eine stattliche Galerie jüdischer Meister vor, aus deren Mitte insbesondere Max Liebermann, Jozef Israels- Haag, Lesser Ury, Mark Antokolski hervorragen. . . . GENERAL-ANZEIGER, STETTIN. 18. Dezember 1902. . . . Das Buch ist der erste Versuch, „östliches und westliches Judentum in der Vielseitigkeit sein er Geistesentf altun g un d in mustergültiger Weise zu vereinigen". Es unterscheidet sich prinzipiell von allem, was wir bisher an jüdischen Büchern gesehen haben, sowohl durch seine Ausstattung1 wie durch seinen Inhalt. Die Ausstattung verträgt den Vergleich mit den besten Büchern der allgemeinen Literatur. Die schriftstellerischen Beiträge geben uns einen Einblick in eine ganz neue, oder wenigstens uns Aussenstehende neuartig berührende Richtung: die j ü dis ch-nationale. Diese noch junge Richtung, welche besonders unter den modernen Juden von Tag zu Tag weiter um sich greift, verdient die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise, und zwar nicht zum mindesten deshalb, weil ihre Existenzberechtigung nirgends mit solcher Vehemenz "bestritten wird, als unter der jüdischen Orthodoxie. Die letztere behauptet bekanntlich, dass das Judentum aufgehört habe, eine Nation zu sein, und nichts weiter als eine religiöse Gemeinschaft darstellt. Und merkwürdigerweise wird dieser Auffassung von der Mehrheit, wenigstens der deutschen Juden, zugestimmt, trotzdem offensichtlich die Religiosität im kirchlichen Sinne bei den Juden in starker Abnahme begriffen ist. Das vorliegende Sammelwerk ist ein schönes Dokument der neuen, modernen jüdischen Richtung, und wenn es sein Zweck gewesen ist, zu zeigen, dass ein Buch .jüdisch sein kann, ohne irgend welche Bezugnahme auf die jüdische Religion oder den jüdischen Kultus, so kann dieser Versuch als gelungen bezeichnet werden. Besonders ist die bei aller Einheitlichkeit in den leitenden Gedanken beibehaltene Vielartigkeit bezüglich der Autoren und der von ihnen behandelten Stoffe hervorzuheben. . . . Alles in allem ist der Almanach ein jüdisches Prachtwerk, das auch die Beachtung nichtjüdischer Kreise in hohem Masse verdient-.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.