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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 325)
Language
German
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reichen Inhalt des Buches, der zu seinem Preise in gar keinem Verhältnis steht, erschöpft hat. Und man wird sich schämen, es sei denn, dass die Judenahneigung im Leser schon eine Manie geworden ist. Schämen, nicht wegen dessen, was man den Juden vorgeworfen hat, sondern dariiher, dass wir keine Ahnung von dem gehaht haben, was dieses Buch erfüllt, von dem Leiden und dem Sehnen eines ganzen Volkes. Die sich in unserer Mitte breit machen, im Theater, an den Stätten des Beichtums — sie sind ja mir die von dem Volksganzen Abgesprengten, und wir hielten sie für die Juden. Nun erfahren wir, nicht aus theoretischen Aufsätzen, sondern aus Schöpfungen in Bild und Sprache, dass es ein jüdisches Volk gibt, das in sich selbst Genüge sucht, und die versprengten, in fremder Kultur sich nährenden Teile wieder in sich vereinigen will zu einem grossen Volkstum. Der wirtschaftliche Zionismus, den die Hirsch und Herzl in die Wege geleitet haben, wie wir hier und da in Zeitungen lesen, hat seinen mächtigen Bückhalt in einer nationalen Bewegung-. Von ihr wussten wir nichts. Wir wussten nicht, dass es ausser den Männlein jüdischen Namens, die den Ehrgeiz haben, inmitten der europäischen Kultur, sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft oder in den Künsten, zu glänzen, eine grosse Reihe ernster Strebender gibt, die in ihren Werken zunächst an ihr eigenes, jüdisches Volk appellieren. . . . (Folgt Auszug aus der Vorrede.) . .. Das ist das Programm der neuen Bewegung, wie sie in dem Buch zum Ausdruck kommt. Es ist die künstlerische Offenbarung einer Volkspsyche, oft sich zu flammender Begeisterung erhebend, oft getragen von tiefer Melancholie, nicht selten auch in rücksichtsloser Kritik die eigenen Schwächen und Fehler aufdeckend. Da heisst es von den intellektuellen Juden Westeuropas und dem grossen - Kreise ihrer jüdischen Bewunderer: „Das Volk erstirbt nicht nur in Ehrfurcht vor dem Gelde seiner Reichen, sondern betet auch seine geistigen Lieblinge an: diese promovierten Flachköpfe, diese Affen der wahren Gottesmenschen, diese eingebildeten Schmierbolde, die ihnen Steine statt Brot geben. So brünstig beten sie sie an, wie kein anderes Volk der Welt dies thut: so brünstig, dass es zu einem europäischen Skandal geworden ist, dass auf allen Strassen das Lied von der blendenden Mittelmässigkeit und der unfruchtbaren Geistreichigkeit der jüdischen Rasse gesungen und gepfiffen wird, so brünstig, dass die wirklich Grossen sich schamhaft verkriechen, in der unbewussten Angst, sie könnten mit diesem reklamemachenden Bildungsgewimmel verwechselt werden." Und den Beweis, dass es wahrhaft Grosse unter ihnen gibt, bleibt uns das Buch nicht schuldig. Was wussten wir bisher von den hebräischen Poesien eines Bialik, eines Tschernichowski? Der Leser wird in Zukunft nach Uebersetzungen aus ihren Werken fahnden, eine so starke nationale und individuelle Eigenart atmen die Proben, die ihm hier gegeben werden. Das Buch wird eine Korrektur unserer Anschauung vom Judentum im Gefolge haben. Jede nationale Kunstnötigt uns Hochachtung ab. Und wenn wir sie auch nicht auf die prahlerischen Vertreter der . jüdischen Rasse, die sich unter uns breit machen, übertragen werden, so werden wir doch auch über sie in Zukunft anders denken: sie sindin Wahrheit nur bedauernswert. Denn sie sitzen zwischen zwei Stühlen: der Renaissance des eigenen Volkstums stehen sie gleichgültig gegenüber, fremdes Volkstum aber bleibt ihnen dank ihrer unüberwindlichen Rassenunterschiede verschlossen. BERLINER TAGEBLATT. 7. Februar 1903. . . . Ueber Titel und Verlag wäre man versucht, eine besondere kleine Abhandlung zu schreiben. Dabei würde man recht bemerkenswerte Momente aus der Volkspsychologie in die Betrachtung ziehen müssen. Wozu ein jüdischer Verlag? Wozu ein „Jüdischer Almanach"? Das sind, gelinde ausgedrückt, Anachronismen. Ja, wenn es sich noch um Werke spezifisch jüdischer Gelehrter, wenn es sich um die Herausgabe jüdisch-theologischer oder ähnlicher Werke aus dem Bereiche jüdischer Sonderforschung handelte! Dann gäbe es allenfalls noch einen Sinn, einen jüdischen Verlag zu begründen. Aber, um schöngeistige Arbeiten zu veröffentlichen, einen „jüdischen Verlag" zu begründen — das ist wirklich mehr als überflüssig. Oder soll Deutschland, das nachgerade an konfessionellen Spaltungen und Spannungen genug aufzuweisen hat, noch um eine neue bereichert werden? Soll aber mit diesem „Jüdischen Almanach" etwa ein neues literarisches KampfundPropagandamittel für allerhand ungesunde, phantastische, schädliche Bestrebungen geschaffen werden, dann müsste man allerdings den schärfsten Protest gegen ein derartiges Unterfangen erheben. Mit diesen prinzipiellen Voreinschränkungen treten wir an die Beurteilung des Buches heran. Dann allerdings muss man es rundheraus sagen

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