Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 296)
- Language
- German
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Aber Resele Hess sich davon nicht abbringen, und zwei Wochen später stand sie in der Küche — neben Moscheies Stube. Uebrigens — ein wenig freute sich die Mutter im Stillen doch damit. Vielleicht kann man etwas auf Aussteuer für das Mädchen zurücklegen. — — * * * Manchmal, wenn niemand sie sehen konnte, pflegte Resele einen Blick zu werfen in den armseligen, kleinen Spiegel. Da sah sie ein schmales Gesichtchen mit eingefallenen "Wangen, tiefliegenden schwarzen Augen und dünnen, blassen Lippen. Doch sie träumte sich in den Gedanken hinein,, es sei ein schönes Mädchen, das aus dem Spiegel schaue. „Ja, ich bin schön!" träumte sie, wenn sie zur Nacht nach gethaner Arbeit auf der Küchenbank sass. Und aus der Stube nebenan drang süss und weich die Stimme Moscheles, der noch immer „lernte". Und sie lauschte mit Entzücken." Und es war ihr, als ob diese Stimme sie suche und sie allein meine . . . Und es war ihr, als ob die blitzblanke Pfanne an der Wand zu sprechen begänne und ihr sagte: „Hör', Resele, Dich meint er. Erinnerst Du Dich, wie ihr damals auf dem grossen, breiten Felde mitsammen spieltet? . . . ." Und der gelbe Kessel neben dem Herde fügte hinzu: „So schön wollt' ich sein wie Du! Welch' eine Lust, Dein liebes Gesicht zu sehen!" Und es war ihr so gut ums Herz, so heimlich-wohl, so wohl! .... Und immer noch kam aus der Stube nebenan die süsse Stimme. Und immer wohltönender, weicher, sanfter wurde sie. Und wahrhaftig, die Stimme kam in ihre Seele und tauchte dort unter in lauter Liebe und Seligkeit. Und Resele war so glücklich. Und ganz vergass das arme Mädchen ihren bösen Bluthusten und ihr mageres, bleiches, hässliches Gesicht. * * * Reb Schmuelke, der Heiratsvermittler, im schmutzigen Kaftan, in groben Stiefeln, mit der Pfeife im Mund, ging aus dem Zimmer, und Reb Baruch begleitete ihn bis zur Thür. „Geht beruhigt fort, Reb Schmuelke," sagte er, „verlasst Euch nur auf mein Weib, es wird schon alles in Ordnung gehen." Dann kam Frau Rebekka mit einem Antlitz, das von Freude und Glück strahlte, in die Küche. ,,Resele," sagte sie, indem sie ihr dabei auf die Schulter klopfte, „streng' Dich an! Heute kommen die Brauteltern und die Braut zu meinem Moschele. Ja, heute giebt's Verlobung. Und Du bekommst gewiss ein hübsches „Letztgeld". 280