Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 285)
- Language
- German
- Belongs to
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„So? So teuer ist ihre Ware geworden"?" rief Eisik mit bösem Lächeln. „Nim, weshalb hast Du die Wagen zurückgelassen? Wir werden auf die Kerle verzichten." „Tch wusste ja nicht, was ich thun sollte. Ich fürchtete, class es Ihnen nicht recht sein wird, aber ich werde jetzt die Wagen holen." „Warte noch, es ist Zeit." Eisik begann mit den Gästen Rücksprache zu nehmen. „Was soll das heissen?" rief er. „Schnorrer haben bereits auch einen Willen, und wenn man ihnen ein gutes Mittagessen und ein Almosen geben will, so haben sie noch dreinzureden. Je einen Rubel soll man ihnen geben! Billiger geben sie es nicht! Ha, ha, ha! Und wenn man ihnen zwanzig Kopeken gibt, konveniert es ihnen nicht? Sie können es unter dem Einkaufspreis nicht lassen? Es ist eine Frechheit von solchen Hungerleidern! Nun gut, hol' sie der Kuckuck, wir werden auch ohne sie fertig werden. Musikanten, spielt auf! Wo ist der Schames?*) Die Braut soll Toilette machen!" Doch gleich darauf besann er sich eines andern. „Nein, wartet noch ein wenig, es ist Zeit . . . Warum soll meine Hochzeitsfeier getrübt werden? Und grade meine Jüngste soll ohne Armenmahl in die Ehe treten . . . Ich hätte ja gerne jedem einen halben Rubel gegeben. Wahrlich, es geht mir nicht um den Betrag, aber es ist eine Frechheit, Forderungen zu stellen. Nun, ich habe das meine gethan, aber wenn sie nicht wollen, muss man es lassen. Sie werden es bereuen, nicht alle Tage ist Hochzeit. Ja, wir wollen auf sie verzichten!" „Also soll die Braut schon Toilette machen?" fragte der Schames. „Ja, sie kann . . . nein, noch nicht, man soll noch warten." Die Gäste erklärten voller Zorn, dass man auf die Schnorrer verzichten solle. Eisiks Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Seine Erregung war gewichen, und mit demütigem Lächeln bat er mich und einige Freunde, in die Stadt zu fahren und nachzusehen, was an der Sache sei. „Das ist ein Dummkopf, man kann von ihm nicht klug werden", sagte er, auf seinen Diener zeigend. Wir nahmen Wagen und Pferde und fuhren in die Stadt. Der Diener folgte uns auf seinem Pferde. „Ein Strike von Bettlern! Wie gefällt es Ihnen?" sprach einer zum andern auf dem Wege. „Ich habe von einem Strike von Arbeitern gehört, welche einen höheren Lohn für ihre Arbeit oder eine andere Begünstigung fordern, aber ein Ausstand von armen Teufeln, von Schnorrern, die einen bestimmten Preis dafür fordern, dass sie *) Der Synagogendiener und Hochzeits-Arrangeur. 269