Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 234)
- Language
- German
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mitten im silbernen Gewebe der Herbstfäden? Schritt sie nicht bald mit geschlossenen Augen am Rande des stillgewordenen "Waldes und neigt sie sich dann nicht über den kleinen Bach wie eine vom Winde verbogene junge Birke? Er hörte, wie sie leise sang, still wurde und dann seinen Namen flüsterte, so dass er bleich wurde wie dieser Herbsttag mit seinem fahlen Licht, das sich hinter jagenden Wolken verbarg. Plötzlich sah er ganz deutlich einen Mann auf sich zuschreiten. Sein Gesicht war finster und voller Qual. Es war Thomas. Er biss mit seinen weissen, starken Zähnen in den Stiel seiner Peitsche, dann ergriif er sie plötzlich und liess sie auf Israels Rücken niedersausen. Der hatte sich geneigt, aber er ächzte nicht. „Hast Du sie besessen?" stiess Thomas heiser hervor und es war unterdrücktes Weinen in seiner Stimme. Aber nun erschreckte ihn Israels bleiches Gesicht; er sah, dass er nicht bei ihm weilte und seinem Kummer. „Leidest Du?" fragte er ihn rauh. „Sage, wo ist sie?" Doch der wies wie abwehrend mit der Hand ins Weite. „Hörst Du, wie sie singt?" flüsterte er irr. Er spann an seinem Märchen weiter, als Thomas sich entfernt hatte. Nun sass sie dort auf dem bemoosten Stein und kleine Mädchen kämmten ihr Haar. Und er sank mitten im Stoppelfeld auf die Kniee. Sie waren bereits der Stadt nahe. In dem kleinen Wägelchen sass Israel und starrte hin in das Leuchten und Glühen, sein Vater schritt neben dem Pferde, das er führte. Auch er war wie in einen Traum versunken. Es war um die Zeit, da in allen jüdischen Gotteshäusern das Schofar ertönt, diese furchtsamen, gebrochenen Rufe, die Gottes Gericht ankündigen. Nun nahte der Sabbat. Der Alte träumte, während er vor sich hinsprach. Zum Wunderrabbi zog er hin, der seinem Sohne Heilung bringen wird, zum Wunderrabbi, der selbst krank und bis zur Durchsichtigkeit abgezehrt war von all' den Pasten und Kasteiungen, zu ihm, der stets in Gottes Nähe weilte. Aber nun wird sein scharfes und doch so mildes Gesicht leuchten wie die Schechina, wenn sie vor ihm stehen werden. „Soll mein Kind sterben?" wird er ihn fragen. Und da wird er seine mageren Hände segnend auf Israels Haupt legen. „Das will Gott nicht!" „Hörst Du, Israel, was er sagen wird?" Aber der hörte nicht darauf, sondern neigte sich zu seinem Vater und flüsterte ihm ins Ohr: „Hörst Du, wie sie singt?" Cs£i* GsSit PsStE? C^gVf Ps2Tf C^i? EsSi* Cs£i* fiSS? C^Sf t^vt C^StR t^SH C^I* ISöl» 218