Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 167)
- Language
- German
- Belongs to
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/ PETER SWANSENS KONZERT. VON MAXIMILIAN B-ARBER (WIEN). Peter Swansen war ein Name von gutem Klang. Von Zeit zu Zeit verkündeten die Litfas-Säulen der grossen- Städte sein „einziges Violin-Konzert". Dann pflegten die bekannten Notizen durch die Zeitungen zu laufen: ,,Von seiner überseeischen Tournee zurückgekehrt, wird der berühmte Virtuose usw." Andere brachten sein Bild. Manche wussten wieder interessante Anekdoten aus seiner Künstlerlaufbahn zu erzählen. Peter Swansen selbst kümmerte sich nicht um die Kniffe seines Impresarios. Er hielt sie für überflüssig, denn er glaubte fest an seine künstlerische Sendung. Peter Swansen war ein ernster Mann; etwas ermüdet und auch ein wenig verbittert vom Leben. Viel Aussergewöhnliches war nie in diesem Leben. Die konventionelle Karriere eines Modemusikers ersten Ranges. Am Anfang war die Not. Dann, plötzlich beinahe, kam das meteorische Aufleuchten des ersten Erfolges. Die Sternwarten teilten sich die Erscheinung mit. Peter Swansen erhielt Rubrik und Etikette. Der namenlose Stern hatte fortan einen Namen und dazu die Lizenz, am Künstlerhimmel zu leuchten. Damals stellte Swansen seine Geige auf eine Weile beiseite und amüsierte sich nach Herzenslust. Es war, als ob sein Erfolg die Kunst verscheucht hätte. Dieser wunderbar berauschende Erfolg, der ihm so lange versagt geblieben und den er jetzt auskostete bis zur Neige. Und zur Geige griff er nur an seinen Abenden. Auch da gab er sich nicht viel Mühe. Hatte es auch nicht nötig. Er war bereits Mode. Nach einigen Geschichten mit Frauen kam dann eine Zeit der Einsamkeit für ihn, die ihm sehr gut that. Denn sie brachte ihn langsam zur Kunst zurück. Er wurde fein und reif. Von seiner Phantasie auf der G-Saite hiess es, dass sie ihn als Souverän auf einer Höhe zeigte, die keinen anderen Aufstieg gestatte. Es war, als ob er da mit der Spitze seines Bogens eine Stelle in den Gemütern berührte, zu der bisher weder Musik noch eine andere Kunst gedrungen war. So hingerissen waren sie alle, Männer und Frauen. Er war glücklich. Denn er glaubte endlich seine Note gefunden zu haben. Seine Sprache, in der kein anderer sprach, in der nur er sich einer Gemeinde von Andächtigen, Gläubigen offenbarte. Aber es gab auch Augenblicke, wo ihn Zweifel überkamen. Eine ungewisse Furcht, dass sein Werk vielleicht nicht echt, nicht aus dem Vollen gegriffen wäre, peinigte ihn zuweilen. Aber nie hatte ihn noch diese Furcht ganz übermannt. Dazu war sein Ruf als Künstler zu fest begründet. Und er glaubte ehrlich, dass er diesen Ruf auch verdiene. Doch einmal kam es so, dass Peter Swansen in seinem Innern diesen Glauben verlor und mit ihm jeden anderen. Wie das kam, will ich jetzt erzählen: 151