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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 139

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 139 (sequence 155)
Language
German
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IRI
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zum treuen Spielgefährten der gleichaltrigen Serafina oder Fina, ivie sie genannt wurde. Ihr zu Liebe, vielleicht auch angezogen von den farbigen Abfällen der Korallenstämme verbrachte er den grössten Teil des Tages im Hause des Drechslers oder in dessen Nähe. Da sein Körper schwach und zart blieb, Hessen ihm die Eltern viel Freiheit und sahen es nicht ungerne, wenn er nahe dem Strande, umweht von stärkender Seeluft, allerlei Hantierungen verrichtete oder gar, die Höslein hochaufgekrempelt, mit der kurzgeschürzten Gespielin im feuchten Sande umherwatete, nach Muscheln oder sonstigem Seegetier zu suchen. Munter liefen oft die Kinder den weichenden "Wellen nach, einen bunten Stein oder Schaltiere zu haschen und sprangen leichtfüssig vor dem zurückkehrenden Nass aufs Trockene. Eines Tages hatte Davide den rechten Augenblick verpasst, die Welle packte ihn und warf ihn zu Boden. Unschwer hätte sie das leichte Kerlchen fortgeschwemmt, wäre nicht unerschrockenen Mutes Fina herbeigeeilt, ihm einen festen Halt zu bieten. Davide, so erschrocken er war, hätte sich bald getröstet; nur der Gedanke, in den nassen Kleidern vor der Mutter zu erscheinen, drückte ihn nieder. Fina, rasch entschlossen, zog ihm die triefenden Kleider aus, legte sie auf die reinen Kiesel in die Sonne und Hess ihn niederhocken, dass auch das feuchte Hemdchen trockne. "Wie sie nun bald sein Röckchen und Höschen wendete, bald ihn selbst drehte, dass jede Seite von der Sonne beschienen werde, zog solche Wärme in sein Herz, dass er, erfüllt von Dankbarkeit und Liebe, versprach, die Retterin seines Lebens und seiner Kleider ganz bestimmt zu heiraten, „sobald er gross sein werde." Fina nahm den Heiratsantrag ernst und würdig entgegen, unter der Bedingung, dass sie als Frau Croccolo täglich Cremoneser Torrone und Panforte aus Siena zu essen bekäme. Da der Bräutigam sich damit einverstanden erklärte, war das Verlöbnis rasch geschlossen. Er schlüpfte mit Hilfe der Braut in seine Kleider und zog Hand in Hand mit ihr dem Hause Croccolo zu. Dort empfingen ihn die Eltern ernster als sonst; sie stellten ihn einem älteren Herrn vor, der des Knaben Körper betastete, seine Brust abklopfte und schliesslich sagte: „Er ist zwar ganz ungewöhnlich klein für sein Alter, aber normal, wenn auch schwächlich gebaut — es kann immerhin noch ein grosser Mann aus ihm werden." Dieser Ausspruch, der seinen Eltern viele Freude zu bereiten schien, wurde ihm zur Quelle vieler Schmerzen, denn fortab endete seine Freiheit, um in dumpfen Schulräumen begraben zu werden. 139

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