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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 136

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 136 (sequence 152)
Language
German
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IRI
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„Verzeiht," meinte ich, „Ihr seid krank, leidet Not, und besitzet solche Schätze. Machet sie doch zu Geld." „Wo denkt Ihr hin, Herr! Das meiste und kostbarste ist Widmung befreundeter Familien, und eher will ich sterben, als dieses kostbare Erbe meiner Voreltern dem Antiquar überliefern. Die Schätze reizen mich nicht, das Uebel ist bloss, dass ich die Miete für den Raum aufbringen muss, das richtet mich vollends zugrunde. Oft bat ich die Gemeindevorstehung, mir die Bürde abzunehmen, aber sie haben kein Geld. Dann verkleinert sich die Zahl der Mitglieder, dass selbst die grosse Synagoge nie voll wird. — 0, wenn diese Last nicht wäre, alles ginge besser!" Ein tiefer Husten, der im Anhören schmerzte, folgte diesen Worten. „C'e per l'onore della casa. Es geschieht für die Ehre des Hauses; habe ich doch meinem Vater versprochen, die Synagoge zu erhalten; was lässt sich da tun!" Wenn sonst von einem Menschen die Rede ist, dessen Körperbildung sich zu weit von der gewohnten Form entfernt, dann löst die Differenz zwischen ihm und dem Ebenbilde Gottes bald ein Lächeln aus; um so eher, wenn er sich wie ein ebenbürtiges Mitglied der Gesellschaft zu benehmen erdreistet. Von Croccolo jedoch sprach man mit vollgültigem Ernste, ja jedermann räumte ihm die Stellung eines Galantuomo, eines Ehrenmannes ein. Zwei Schwächen nur wurden ihm nachgesagt: Ahnenstolz und Eigensinn. Seinen besonderen Stolz setzte er darein, dass die Croccolos von jeher zu den frömmsten der Gemeinde gezählt und stets grösseren Wert auf redliches Handeln als auf Geld Verdienste gelegt hatten. Dann bildete er sich starren Eigensinns ein, man müsste das gegebene Wort unter jeder Bedingung einlösen. Vergeblich bewies man ihm, dass dieser Stolz und Eigensinn den Ruin seiner Familie wie den seinen verschuldet haben — er blieb zeitlebens dabei. Es liefen darüber sonderbare Geschichten herum, deren eine hier wiedergegeben sei. Unweit seines Elternhauses nahe am Hafen wohnte Serafino Serafini, der Geschäftsfreund des Hauses Croccolo. Serafini kaufte von den Korallenfischern die roten Bäumchen, die sie auf dem Meeresboden pflückten, um aus dem Geäste der glänzenden Seefrucht allerlei Geschmeide zu drehen, wie es der wandelnde Geschmack der Märkte verlangte. Davides Vater lieh das Geld, zum Einkauf und übernahm die fertige Ware, sie in ferne Länder zu verschicken. Bei dem steten Verkehr der Väter kam es von selbst, dass auch die Kinder zueinander hielten. Der kleine Davide wurde 136

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