Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich weiss schon, er will, dass ich einmal reich werde —. Mamyschi, Du bist schon auf mein Geheimnis neugierig, nicht wahr? . . . Aber ich schäm' mich so. Vor einer Mutter, sagst Du, soll man sich nicht schämen? Du hast recht . . . Doch -. . . Weisst Du was, Mamyschi, setz' Pich da auf den Stuhl am Fenster . . . So ist es gut! A Ach, wie schön die Sonne untergeht, wie schön sich ihre nebelroten Strahlen auf Deinem blassen Gesichte ausbreiten ... Mamyschi, wie schön, wie edel schön bist Du! Wart' . . . ich werd' mich Dir zu Füssen setzen . .-;>. Schau' mir aber beim Erzählen nicht ins Gesicht . . . Ich will auf dem Schemel sitzen und zum Fenster hinaussehen . . . Doch nein! . Ich schäm' mich vor der Sonne . . . Siehst Du, bei Tag brennt sie so heiss, und abends nimmt sie so traurigen Absehied von uns, dass ich mich vor ihr schäme, von mir zu reden . . . Ich will meinen Kopf auf Deinen Schoss legen . . . und die Augen schliessen, und Du . . Du leg' Deine Hand auf meine Stirne. Bin ich Dir nicht zu schwer, Mamyschi? Nein? Sechzehn [Jahre ist Dein Junge schon alt und hat noch immer ein so kleines leichtes Köpfchen. Bin ich doch im ganzen so . . . Seufz' nicht, Mamyschi! Gott hat mich nicht zu kurz kommen lassen. Er hat mir wenig Fleisch, dafür aber viel anderes Gute gegeben . . . Dich, den Vater . . . Tage und Nächte mit wunderbaren Träumen . . . und heute — mein Geheimnis . . . So, jetzt seh' ich nichts ... Mit geschlossenen Augen werd' ich's vielleicht doch erzählen können . . . Ich will versuchen . . .— Ach, es ist so schwer . . . Es scheint so leicht zu sein — nur ein Netz aus wunderbaren Strahlen — und doch liegt's mir wie ein Stein auf dem Herzen . . . nicht wie ein Kieselstein ... es ist kein gewöhnlicher Stein von der Strasse oder vom Felde ... Es ist ein teurer Stein ... Er strahlt ... er leuchtet . . . Tief im Herzen liegt er und sendet mir in alle Glieder so viel Licht, so viel heimliches, warmes, lebendiges Licht . . . Dass es nur nicht verlösche, Mamyschi! . . . So viel verlischt ja! . . . * * ~ * 117