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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 104

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 104 (sequence 120)
Language
German
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Aber wie jede andere Elementarkraft, stiess aucli der doppelte — universale und nationale — prophetische Gedanke in der Welt der "Wirklichkeit mit anderen Kräften zusammen, die seinen Lauf hemmten und ihm keine freie Bewegung gestatteten. Das Ergebnis des Zusammenstosses war auch hier die Synthese der "Wirkungen sämtlicher Kräfte in einer neuen zusammengesetzten Harmonie — und aus dem Gedanken der Propheten entwickelte sich auf diese "Weise die Lehre der Priester. Am Anfang waren daher die Träger der Prophetie, solange diese nicht gänzlich verschwand, den Priestern gegenüber in viel höherem Maasse „Männer des Zankes" als dem ganzen Volke gegenüber, denn sie, die Vertreter des lebendigen Gedankens, denn seiner ganzen Frische und Ursprünglichkeit in ihrem Innern quoll und durch den einzig und allein sie die gesamte Schöpfung überwinden zu können glaubten, — sie konnten sich nicht mit einem Abklatsch dieses Gedankens zufriedenstellen, der an einer zusammengesetzten, erstarrten und für Generationen hinaus festgefügten Materie vorgenommen wurde. Dieser Abklatsch galt ihnen vielmehr als ein Hindernis, welches das Volk von ihrem Gedanken trennte. Aber dieser Widerstand hörte schliesslich mit der Prophetie selbst auf, und an die Spitze des Volkes trat ausschliesslich das Priestertum — freilich nicht immer unter diesem Namen — als Universalerbe des prophetischen Gedankens, ohne dass dieser mehr im stände war, sich selbst zu schützen und seinen Einfluss in der früheren Weise zu bethätigen, da er keinen „besonderen Träger" mehr im Leben hatte. Als daher die Zeit kam, da dieser Gedanke, d. h. sein universalistischer Teil, die Schranken des jüdischen Volkes überschreitend, zu einer treibenden Kraft im Leben der Gesamtmenschheit wurde, da war jenes Priesterjudentum nicht im stände, ihn auf seinem neuen Wege zu begleiten und in seiner ursprünglichen Reinheit unter der Masse der übrigen herrschenden Kräfte zu bewahren. Nur für einen Augenblick trat er daher als Elementar kraft auf, um im Nu, wie ein Tropfen im Ozean, mit den tausenderlei Einflüssen von den verschiedensten Seiten her vermischt und zusammengesetzt zu werden. Da nun hier die Zahl der ihm widerstrebenden Kräfte weit grösser war als ehedem in seiner Heimat, äusserte sich sein Einfluss diesmal in noch geringerem Maasse. — Würden heute die jüdischen Propheten auferstehen aus ihren Gräbern und die Resultate ihrer Wirksamkeit in der gesamten Welt beobachten, dann hätten sie keinerlei Ursache, auf ihren Lorbeeren zu ruhen und sich ihres Sieges zu erfreuen. Im Gegenteil, jetzt, nach einem mehrtausendjährigen Versuch, würden sie noch mehr die absolute Notwendigkeit der Existenz eines „ständigen besonderen Trägers" ihres universalistischen Gedankens einsehen, würden sich mit noch grösserer Hingebung ihrem 104

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