Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 35 (sequence 51)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1112869-9323001--042-9304619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

"Woche saugt sie das kostbare Nass aus dem Flusse, so dass nur noch ein schmaler, dünner Streifen zwischen weiten Kieselfeldern hinsickert; die Aecker reissen durstig Spalten und Ritzen auf, das Gras auf den "Wiesen wird braun vor der Zeit. Und weiter saugen die Sonnenstrahlen, und die unbarmherzige Luft nimmt den feuchten Reichtum der verschmachtenden Erde auf und. trägt ihn fort, fort — wohin? Hoch oben, fast nahe der blauen Wölbung, die meinen Blick begrenzt, schwimmen leicht, zierlich, in reicher Müsse weisse Sommerwolken dahin. Sie sind nicht vereinzelt da oben, sie kommen als "Vorposten eines grossen Heeres. Ihr täuscht mich nicht, trotz eurer neuen harmlosen Gestalt: ihr seid derselbe Feind, der das Mark der Erde verzehrt, ihr seid nur Luft trotz eurer scheinbar festen Gestalt. Wohin segelt ihr mit dem kostbaren Gute, das ihr diesen Ebenen geraubt habt? Schattenhaft streckt sich die Wolke, schwimmt schneller und enteilt. Aber andere ziehen von der Kimmung im Westen herauf: sie sind grösser, dunkler, vielgestaltig. Sie kommen von weit her, massig, gedrängt, von unsichtbaren Mächten gejagt, ihre Mäntel sind zerfetzt. Es ist dunkel geworden in der Welt, die Schwalben, die eben noch ihre flinken Bogen nahe der Erde ausführten, sind verschwunden: es ist ängstlich stille auf Wiese und Feld. Es ist Zeit, dass ich es den kundigen Yögeln nachthue und in der Scheune Zuflucht suche. Jetzt zuckt eine blaue Flamme durch die Wolken, und ein gewaltiger Donner erschüttert die Luft. Wieder scheint sich der Himmel zu öffnen, wieder hallt es bis an •die Enden der Welt. Und nun schlagen schwere Tropfen gegen das Strohdach, ein Windstoss fegt durch den Klee — dann wieder ein Blitz, der das Wolkenmeer nach allen Richtungen durchfurcht, ein wildes Knattern und Krachen, und darauf ein mattsilberner Strom, der auf einmal Himmel und Erde den Blicken entzieht.--- Wo kommt ihr her, ihr segenspendenden, ruhelosen Himmelswanderer, wo habt ihr die Schätze gesammelt, die ihr jetzt mit solch grenzenloser Freigebigkeit auf fremden Boden ausschüttet? Die Wolken geben keine Antwort, denn sie sind fort, keine Spur ist von ihnen am blauen Himmel zu entdecken; aber die balsamische Luft, die wieder ihre Saugarbeit beginnt, flüstert das Geheimnis: „Was ich der Erde nehme, gebe ich tausendfach der Erde zurück." Gs25? Ps£i? C££tR E££tR VzSii V^ü C££T? Figi? CsStT? EsSS? CsStR t^ü C^STf CsgSY CiSif CiSS? 35

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.