Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 178)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9230935-9249770--187-9234526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Aufbau des Hoftraktes eingeleitet und in den folgenden drei Jahren in verlangsamtem Tempo im großen und ganzen zu Ende geführt. Der Name Fischers von Erlach wird bei diesem Palastbau am 18. Feber 1718 zum letztenmal genannt. An diesem Tage schloß in Wien der gräfliche Haushofmeister Dinnebier in Anwesenheit Fischers mit dem Hoftischler Georg Inger einen Vertrag, auf Grund dessen sich dieser verpflichtete, mit dem von ihm aus Nußbaumholz erzeugten Tafeln die Fußbodentäfelung im Gallas'schen Hause zu Prag mit seinen Gesellen um den Verdienstbetrag von 1400 fl. rh. durchzuführen. Am 25. Juli 1719 starb der Bauherr Graf Johann Wenzel von Gallas ganz unerwartet in Neapel. Die Vormundschaft über seinen damals 16 Jahre alten Sohn und Erben Philipp Joseph übernahm die Großmutter väterlicherseits, die Gräfin Johanna Emerentiana, die ungeachtet ihres hohen Alters — sie war damals nahezu 80 Jahre alt — mit staunenswerter Tatkraft und Umsicht für ihren Enkel die Verwaltung des großen Erbes führte. Den Bau des Prager Hauses beziehungsweise dessen innere künstlerische Ausstattung ließ sie in pietätvoller Durchführung der Absichten ihres verstorbenen Sohnes, denen sie zu seinen Lebzeiten in ihrem Sparsamkeitssinn durchaus nicht immer zustimmte, unter der Leitung Thomas Hafeneckers fortsetzen und bis auf den projektiert gewesenen großen Festsaal und auf die Ausschmükkung des Stiegenhauses und der Gemächer mit Fresken vollenden. Aus der Zeit ihrer Vormundschaft sind sämtliche Hausbaurechnungen erhalten geblieben. Sie ließ sich dieselben halbjährig vorlegen und prüfte sie bis ins Detail. Majorenn geworden, übernahm Graf Philipp Joseph 168