Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 169)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9230935-9249770--178-9234517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ging als ältester Sohn Johann Wenzel hervor, dem Prag als Bauherrn das herrliche Haus in der Husgasse verdankt. Geboren in Hofenowes in Böhmen am 23. Mai 1669, genoß Johann Wenzel Graf Gallas im elterlichen Hause unter der sorgsamen Aufsicht seiner Mutter eine sorgfältige, von Jesuiten geleitete Erziehung und dann an der heimischen Universität und an fremden Universitäten eine über das gewöhnliche Maß weit hinausreichende allgemeine Bildung. Nachdem er die übliche Kavaliertour durch viele europäische Länder gemacht und sich mit offenen, wissensdurstigen Augen namentlich in Italien, Frankreich und England umgesehen hatte, trat er in den öffentlichen Dienst bei der böhmischen Hofkanzlei in Wien ein. Nach dem am 4. Jänner 1697 erfolgten Tode seines Vaters übernahm er das durch gute Verwaltung und elterliche Sparsamkeit gewaltig angewachsene väterliche Erbe. Im Jahre 1702 verband er sich mit Maria Anna Gräfin von Dietrichstein, die er jedoch, nachdem sie ihm einen Sohn, Philipp Joseph, geboren hatte, nach kaum zweijähriger glücklicher Ehe wieder verlor. Nach Ausbruch des spanischen Erbfolgekriegs ging er als kaiserlicher Gesandter nach England, wo er unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen die wichtigen Verhandlungen zwischen Wien und London führte. Seinem geschickten und klugen Vorgehen war es zu verdanken, daß England und Holland sich bestimmen ließen, den Herzog von Marlborough mit Truppen dem Prinzen Eugen zu Hilfe zu schicken, die ihn in die Lage setzten, die Franzosen und Bayern bei Höchstädt entscheidend zu schlagen. Im Jahre 1708 wurde dem Grafen Gallas der nicht minder wichtige Gesandtschaftsposten im Haag anvertraut. In Anerkeni59