Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 126)
- Language
- German
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er die Prüfung bestanden, tranken die Meister und die übrigen anwesenden Herren auf sein Wohl, während zwei Kranzeljungfrauen mit Rosmarinreisern besteckte Zitronen unter die Frauenzimmer verteilten. Nur ein Prager Bürgerssohn konnte sich um die Aufnahme bewerben, er mußte ein Schock Groschen in die Zunftlade zahlen, bei der Probe die ganze Musik freihalten und eine große Tafel dem ehren- und tanzfesten Kollegium der Meister geben. Dieses zählte damals in Prag zehn Angehörige, aber nur fünf hatten öffentliche Schulen, in welchen an Sonn- und Feiertagen und auch an dem sogenannten „Blauen Montag" den Handwerksburschen und Töchtern des gemeinen Mannes für ein bescheidenes Honorar Unterricht erteilt wurde, während dann am Abende Jeder sich an dem Ball beteiligen konnte. Sieben Professoren der Tanzwissenschaft waren Schuster, je einer Handschuhmacher, Müller und Nadler, und ihre ,,Handthierung" betrieben sie daneben weiter. Regelmäßig waren die Mitgliedsbeiträge von sechs oder sieben Groschen an die Kasse zu entrichten. Sie dienten hauptsächlich zur Bestreitung der Exekutionskosten gegen denjenigen, der einen Eingriff in das Zunftprivilegium wagen und unbefugt eine öffentliche Tanzschule halten wollte. Aber auch den Anderen sah man damals scharf auf die Füße. Denn das gemeine Volk verwertete seine frisch erworbenen Kenntnisse gern, viel und oft, allzu sehr vielleicht. Es gab traurige Beispiele, daß sich junge Tanzheldinnen die schrecklichsten Krankheiten, ja sogar den Tod zuzogen. War es da nicht die Pflicht derer, die als Nichttänzer um das öffentliche Wohl besorgt sein konnten, warnend Stimme und Finger zu erheben? 120