Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 107)
- Language
- German
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Nie noch empfandst du das Große, das hier geglüht und gesprüht, Nie hat den Tritt des Gescheh'ns, der hier so ehern gedröhnt, Dein zu kleinliches Ohr würdig widergetönt. Zwing' dein Ohr heut zu lauschen! Hier in des Denkmals Stein Grub der Meister den Spruch und die Jahreszahl ein. Fünfzehnhundert und zwölf. Drein versenk' ich den Blick, 1512 denk' ich mich selber zurück. Volksgewühl auf der Brücke, Brüllen empor zum Schloß, In der Meuterer Wut mischt sich Bewaffneter Troß: Tod dem Bedrücker da oben! Alle sind wir ganz gleich! Heute gründet das Volk endlich sein ewiges Reich! Und sie stürmen vorbei. Neben mir steht da ein Mann, Hammer und Spatel in Händen; schaut mich liebevoll an. Und er spricht: „Welch' ein Bild! Hier die tobende Wut, Aber dort oben die Burg, die im Himmelsblau ruht. Keiner von all den Helden, blind macht der Haß, nicht nur wild, Sieht und empfindet beglückt dieses erhabene Bild! Ich, der Bildhauer, du, Wortemeißler, Heil mir, Helden sind wir wohl nicht, aber begnadet sind wir! Und er reicht mir die Hand, meine Hand aber bebt, Und ich stammle beschämt: ich hab' Geschichte erlebt.. ior