Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 83)
- Language
- German
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finden Sie noch Spuren der Einschläge von den Kugeln des Dreißigjährigen und des Siebenjährigen Krieges." Wir verstummten, besuchten die Kirche, dann hörten wir uns den Stundenschlag an der alten Uhr an. Der Tod zog am Seil und läutete, den Kopf schüttelnd. Andere Statuetten bewegten sich, während der Hahn mit den Flügeln schlug und durch ein offenes Fenster die zwölf Apostel zogen, indem sie auf die Gasse unten einen fühllosen Blick warfen. Nachdem wir noch das trostlose Schbinska-Gefängnis besucht hatten, durchquerten wir das Judenviertel mit seinen Trödelläden, in denen alte Kleider, Eisenwaren und andere namenlose Dinge feilgehalten wurden. Metzger zerlegten Kälber. Trauernde Juden gingen vorüber, erkennbar an ihren zerrissenen Kleidern. Die Kinder apostrophierten sich mit tschechischen oder jiddischen Wörtern. Wir besuchten mit bedecktem Haupte die alte Synagoge, in welche die Frauen während des Gottesdienstes nicht eintreten, sondern nur durch eine Luke zusehen dürfen. Diese Synagoge sieht aus wie ein Grab, in dem die alte Pergamentrolle einer wunderbaren Thora ruht. Schließlich las Laquedem an der Uhr des jüdischen Rathauses die dritte Stunde ab. Diese Uhr hat hebräische Ziffern und ihre Zeiger gehen rückwärts. Wir passierten die Moldau über die Karlsbrücke, von der der heilige Johann von Nepomuk, ein Märtyrer seines Glaubens, in den Fluß geworfen worden war. Von dieser mit Heiligenstatuen geschmückten Brücke genießt man das wunderbare Schauspiel der Moldau und der ganzen Stadt Prag mit all ihren Kirchen und Klöstern. Uns gegenüber erhob sich der Hügel des Hradschin. Während wir zwischen den Palästen aufwärtsstiegen, unterhielten wir uns. „Ich glaubte," sagte ich, ,,daß Sie nicht existieren. 81