Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 81)
- Language
- German
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auf den Gedanken, sein unter der Maske schwitzendes Gesicht zu trocknen — wie es jene unbekannte, heilige Veronika genannte Frau getan hatte, die Jesu das Anlitz mit einem Linnen abtrocknete. Als das Volk bemerkt hatte, daß ein Knecht im Zuge zwei große Hunde an der Leine führe, verlangte es, daß man sie zu beiden Seiten des Juden hänge. Ich fand, daß das eine doppelte Gotteslästerung sei, vom Gesichtspunkt der Religion dieser Leute, die aus dem Juden eine Art von schmerzenvollem Christus machten, und vom Gesichtspunkt der Menschlichkeit, denn ich verabscheue die Tiere, lieber Herr, und ertrage es nicht, daß man sie als Menschen behandelt!" „Sie sind Jude, nicht war?" sagte ich einfach. Er antwortete: „Ich bin der irrende Jude. Sie haben es zweifellos schon erraten. Ich bin der ewige Jude — so nennen mich die Deutschen. Ich bin Isaak Laquedem." Ich gab ihm meine Visitkarte und sagte: „Sie waren in Paris, im letzten Jahr im April, nicht wahr? Und Sie haben mit Kreide Ihren Namen auf eine Mauer der Rue de Bretagne geschrieben. Ich erinnere mich, ihn gelesen zu haben, als ich eines Tages auf dem Dach eines Autobusses in die Bastille fuhr." Er bestätigte die Wahrheit dieser Tatsache und ich setzte fort: „Man gibt Ihnen wohl auch manchmal den Namen Ahasverus?" „Mein Gott, man gibt mir diesen und noch viele andere Namen! Die Litanei, die man nach meinem Besuch in Brüssel sang, nennt mich nach Philipp Muskes, der 1243 meine Geschichte in flämische Verse brachte, Isaak Laquedem. Der englische Chronist Mathias von Paris, der sie vom armenischen Patriarchen hatte, hatte meine 79