Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
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Korrespondenz mit Opiz der Fall. Der „Czaslauer Philosoph", wie ihn der tschechische Schriftsteller Jaroslav Kamper genannt hat, war Casanovas genauer Gegensatz oder vielmehr sein Negativ, denn er unterschied sich in jeglichem Betracht von ihm: in seinen Ansichten über Liebe und Moral, über die Philosophie und die Pflichten gegen die Gesellschaft und das Leben. Einzig in ihrer Geschwätzigkeit stimmten die beiden Greise überein oder eigentlich in dem improvisatorischen Streben nach wechselseitiger Belehrung und Bildungserweiterung. Versuchen wir, uns das Bild des Opiz zur Zeit seines Briefverkehrs mit Casanova zu machen, so stellen wir uns den fleißigen Beamten vor, der alle Minuten seines Tages auszufüllen versteht, der auf seinen Inspektionsreisen unausgesetzt Eintragungen in sein Notizbuch macht, die nach seiner Rückkehr mit schöner Schrift seinen,, Polygraphischen Ephemeriden'' einverleibt werden. Aus Notizen, Auszügen aus Büchern und Zeitschriften versucht er eine großzügige „Literarische Chronik von Böheim" aufzubauen, die in krausem Durcheinander alle möglichen Dinge vom Urbeginn der tschechischen Literatur bis auf seine Zeit mit einer rührenden Systemlosigkeit behandelt und sich komischerweise von den literarischen Gegenständen möglichst fern hält. Ein Mann wie aus Quecksilber, ein Tausendsassa, trotzdem unfähig, sich über ein Durchschnittsniveau zu erheben. Er überschwemmt die Zeitschriften mit Einsendungen und wittert überall, wo man seinenWerken nicht entgegenkommt, Intriguen. Hierin gleicht er dem aus andern Gründen verbitterten Casanova. Einseitig bei aller Vielfalt seiner Interessen, war Opiz kaum fähig, Casanovas Bedeutung in ihrer schillernden Großartigkeit völlig zu erfassen. Casanova 72