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Alt-Prager Almanach · 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Alt-Prager Almanach
Volume
1926
Date
1926-01-01
Page
Seite 71 (sequence 73)
Language
German
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Aus den Darstellungen des Fürsten von Ligne, Alfred Meißners u. a. geht hervor, daß Casanova, bevor er in den Armen des Grafen von Waldstein und des Fürsten von Ligne die historischen Worte: „Großer Gott und ihr Alle, die ihr Zeugen meines Todes seid, ich habe als Philosoph gelebt und sterbe als Christ" hauchte, eine ganze Stufenleiter von Erniedrigung, Schmerz und Trauer durchleben mußte. In solchen Augenblicken des Schmerzes und der Ohnmacht stürzte er sich in seine Arbeit. Sie wurde seine letzte Trostbringerin, sein einziges Glück. Er arbeitete fieberhaft vom Morgen bis zum Abend und selbst im Schlummer, wie er am 17. Februar 1788 an Opiz schrieb: ,,. . . denn ich träume immer vom Schreiben." Ein andermal berichtet er, daß er täglich 13 Stunden schreibe. Er verfaßt seine ,,Histoire de ma fuite...", den großen utopistischen Roman „Icosameron"; er stellt seine „Memoiren" zusammen, über deren Entstehungsgeschichte sein Briefwechsel mit J. F. Opiz (Französisch bei KurtWolff in München 1913, deutsch bei Benjamin Harz in Berlin 1922 erschienen) Aufschluß gibt. Daneben erledigt er seine umfangreiche Korrespondenz. Er korrespondiert mit Frauen und Männern, mit seinen einstigen Geliebten und mit Blaustrümpfen, mit Abenteurern, Edelleuten und Gelehrten, und in allen diesen Briefen bleibt er der gleiche anmutige, gebildete, etwas überhebliche Briefschreiber, der er war. Er philosophiert und belehrt gern. Er stellt sich auf ein wissenschaftliches Piedestal, von dem aus er mit seinen Partnern plaudert. Stößt er auf Einen, der ähnlich gewillt ist, sich wortreichen, wissenschaftlich angehauchten Auseinandersetzungen über eine Nichtigkeit hinzugeben, so kennt seine Beredsamkeit keine Grenzen und seine Briefe verwandeln sich in endlose Abhandlungen. Dies war auch bei seiner 71

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