Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 71)
- Language
- German
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len Sie davon?" unterbrach Casanova plötzlich den Grafen. — „Das sind mir bekannte Dinge!" meinte der Graf. Ein Wort gab das andere und zuletzt forderte Waldstein Casanova auf, ihm nach Böhmen zu folgen. Dieser schlug ein, da er eben kein Geld hatte. Jedoch der verwöhnte Abenteurer leistete der Einladung nicht unverzüglich Folge. Zunächst begleitete er seinen Bruder Francesco, den Schlachtenmaler, nach Wien, lebte mit ihm daselbst einige Zeit, wurde Sekretär des venezianischen Gesandten Foscarini, für den er amtliche Berichte verfaßte, und erst als Foscarini am 23. April 1785 gestorben war, begab sich Casanova, von allen Freunden verlassen, ohne Geld, abermals auf die Reise, die in Berlin, der Stadt der Gelehrten, wo er eine Stellung zu finden hoffte, enden sollte. Am 30. Juli kam er nach Brünn, wo ihm sein Freund Maximilian Joseph Graf von Lamberg u. a. ein Empfehlungsschreiben an Johann Ferdinand Öpiz, Bankalgefälleinspektor in Cäslav, übergab. Am 1. August fand die Begegnung der beiden Männer statt. Casanova begab sich sodann nach Karlsbad zu der Fürstin Lubomirsky. Anfangs September war er in Teplitz, wo er mit dem Grafen Waldstein zusammenkam, den er alsbald nach Dux begleitete. Dortselbst verblieb er dauernd, entweder im Duxer Schlosse, wo er die Stellung eines Bibliothekars mit einem Jahresgehalt von 1000 Gulden innehatte, oder in dem nahen Oberleutensdorf, wohin er vor den Quälereien, die ihm das Gesinde des Grafen in Dux bereitete, zu flüchten pflegte. Einige Male unternahm er kurze Ausflüge nach Prag, Dresden, Berlin, ja nach Venedig, teils um ein neues Asyl ausfindig zu machen, teils um die Drucklegung seiner Schriften zu überwachen oder um mit Verlegern über die Heraus- 69