Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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Lehre mit gutem Humor auf und freute sich über den Besitz eines kostbaren Autogramms. Auch Rudolf Virchow gehörte zu den beredtesten Improvisatoren, oder besser gesagt, zu den lebhaftesten Gedanken enthüllern, die ich jemals vernommen habe. Er sprang förmlich in die Interessen und Gegenstände, die er behandelte, hinein, stets bereit, sie in drängender Fülle vorzubringen. In dem feingebildeten Kopfe sprühten die Augen, unter den golden eingefaßten Brillengläsern, förmlich Feuer, wenn er auf die Angelegenheiten, die ihm am Herzen lagen, zu sprechen kam und selbst in die statistischen Daten, die er mit Kreide auf eine Tafel schrieb, sprang in der Hast, mit der er sie vorbrachte, die Lebendigkeit hinüber. Wir hatten an dem schönen Frühlingstag, an dem er bei uns war, mit ihm einen Ausflug nach dem Baumgarten gemacht, waren mit ihm in ein angeregtes Gespräch über unsere Zustände geraten, sodaß das Hin und Wider der Rede noch lebhaft wogte, als wir, in den von Menschen dichtgefüllten Konviktsaal gelangten, wo er seinen, mit großer Spannung erwarteten Vortrag über den Typhus — ein für Prag traurig aktuelles Thema — halten sollte. Wir fragten, ob wir uns zurückziehen und ihm ein Weilchen Vorbereitung gönnen sollten. Aber er lehnte diese zarte Rücksicht verwundert ab, sprang auf das Podium und hielt seinen, etwa 1V2 Stunden währenden Vortrag in einem niemals stockenden Flusse der Rede, mit einer Sachlichkeit in der hervorgesprudelten Fülle von Daten, mit einem natürlichen Nachdruck der mahnenden und warnenden Worte, daß er nie eine Wendung zu suchen, sondern sich der strömenden Uberfülle zu entladen schien. Ganz anders Gottfried Kinkel, der als Züricher Professor der Kunstgeschichte, in der damals der Schwerpunkt 12