Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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eine ganze „Schule" herausbildete. Er sprach vom „Wesen des Rechts", d. h. von den „Bedürfnissen der Gesellschaft", aus denen sich historisch alle Rechtstheorie herausbildet, und wirkte so sehr durch die Unmittelbarkeit der freien Rede, daß der Graukopf sich in der sprudelnden Gedankenbewegung zu verjüngen schien und die Hörerschaft gleichsam die Neuentstehung der Gedankenfolge miterleben ließ. Sein Vortrag hatte die höchste Freiheit der temperamentvollen Mitteilung, forderte in der sprunghaften Art und Weise, wie er die plötzlich auftauchenden Einwände selbst wiederlegte und wie er in einer Spirale immer wieder zum Hauptthema zurückkehrte, die höchste Aufmerksamkeit, hatte keinen Zug von Schönrednerei oder Pathos, scheute vor keinem Anakoluth zurück und riß durch diese Fessellosigkeit die Hörer mit sich fort. Von dem starken Temperament und der stetenBereitheit des altenHerrn, aus jedem Zwischenfall einen lehrhaften Grundsatz abzuleiten, erhielten wir noch einen wunderlichen persönlichen Beweis. Unser Schatzmeister, beiläufig bemerkt, ein hochgebildeter und von der größten Verehrung für Geistesheroen erfüllter Mann, sandte ihm ordnungsgemäß das Honorar in's Hotel und legte eine Quittung bei, in die er oder einer seiner Angestellten, gewohnheitsmäßig vor dem für die Unterschrift freigelassenen Raum das Wort „Hochachtungsvoll" einfügte. Ihering benutzte das Formular nicht, sandte an unsern Obmann eine besondere Quittung und dazu einen Brief, in dem er die „diktirte Hochachtung" des geistigen Menschen vor dem geschäftlichen Helfer geißelte und mit einem großen Aufwand von Dialektik als einen Krebsschaden unseres sozialen Lebens bezeichnete — unser Schatzmeister, der sich von dem Vorwurf, der in diesem Extra-Vortrag lag, freifühlte, nahm diese