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Bar Kochba · 1926-07-01 · 3 (7.1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1926-1927
Issue
3 (7.1926)
Date
1926-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MITTEILUNGEN des im deutschen Kreis des L P mm südwestdeulschen Gaues Makkabi Weltverbandes Juli 1926 Nr. 5 Jahrgang 1926 Tbamus 5686 Alle Rechte vorbehaltet!. Einsendungen müssen bis zum 20. jeden Monats im Besitz der Schriftleitung sein. JUgenderZiehling von Franz Ehrmann. II. Es gibt theoretisch 2 Arten der Erziehung: Erleben und Erkennen; es wäre jedoch falsch, auf dem einen oder anderen Begriff die ganze Erziehungsarbeit aufzubauen. Wir haben es mit jungen Menschen zu tun, auf die ein Erlebnis gewiss einen stärkeren Eindruck machen wird als eine „Erkenntnis". (Allerdings ist auch dies individuell verschieden). Dieses „Erlebnis würde aber nicht ausreichen, um das Werden dieses jungen Menschen nachhaltig zu beeinflussen, wenn nicht nachträglich dazu die Erkenntnis dessen kommt, was durch das Erleben schon als richtig und gut gefühlt wurde. Ein „Erlebnis" aber lässt sich nicht künstlich schaffen, umsornehr da ja dieses „Erlebnis" ganz individuell ist und für jeden verschieden sein kann. Wenn wir zurückdenken finden wir, dass es oft die unscheinbarsten Dinge waren, die für uns zu einem Erlebnis wurden; es wird hiervon später noch mehr zu reden sein, wesentlicher ist für uns im Augenblick das, was ich „Erkenntnis" nannte. Die jungen Menschen, die zu uns kommen, entstammen zum grössten Teil der kleinbürgerlichen Schicht und sind, soweit es sich nicht noch um Schüler handelt, meistens Lehrlinge oder Angestellte in einem kaufmännischen Betrieb. Die Kenntnisse, die ihnen während ihrer verhällmässig kurzen Schulzeit vermittelt wurden, genügen wohl für das „tägliche Leben", sind aber keinesfalls ausreichend um ihnen zu ermöglichen die geistigen Strömungen unserer Zeit zu erfassen und auch für das tieferes Interesse zu empfinden, was ausserhalb ihres Berufes und ihrer eng begrenzten Welt steht. Viel trägt auch hierzu das häusliche Milieu und die Umgebung, in der sie leben und arbeiten, bei; uns Allen sind ja die extremsten Typen dieser Art vom „Bankjüngelchen" bis zum „Nur Geschäftsmann" genugsam bekannt. Unsere Aufgabe kann es daher nicht sein, etwa nur rein jüdisches Wissen zu vermitteln, sondern wir müssen uns bestreben, das geistige Niveau, auf dem diese Jugend steht, zu heben. Erziehung bedeuiet Lösung der in einem Menschen vorhandenen Kräfte, wir müssen daher unserer Jugend durch Erziehung die Möglichkeit geben, die in ihr ruhenden Kräfte auszunützen und zu gebrauchen. Und hier schliesst sich der Ring; nur ein junger Mensch, dessen Sinne offen sind auch für das, was ausserhalb seines engen Wirkungskreises stehf, wird im Stande sein irgend einen Vorgang als „Erlebnis'1 zu empfinden und vom diesem Erlebnis beeinflusst zu werden. Unsere nächste Aufgabe ist es daher, unserer Jugend allgemein bildende Stoffe zu übermitteln; das jüdische wird hierunter nicht leiden, denn jüdische Fragen werden sich von selbst ergeben, wenn das geistige Niveau ein höheres geworden ist. Ist doch auch nur der fähig die geistige Judennot — die materielle kennen wir ja in Deutschland kaum — zu empfinden, der überhaupt eine Not empfinden kannj die nicht im Materiellen begründet ist. Die Frage, wie die Art unserer Erziehung und wie das konkrete Ziel dieser Erziehung — im Gegensatz zum ideellen — sein soll, ist noch nicht genügend geklärt im Makkabi. In meinem nächsten Artikel werde ich versuchen ein Bild unserer zukünftigen Erziehung zu zeigen und bin mir selbst wohl bewusst, dass dies vorläufig nur ein Versuch sein kann, diese Frage, die wirklich brennend für uns sein sollte, zu klären. Wir veröffentlichen nachstehenden Brief, ohne uns mit seinem Inhalt einverstanden zu erklären und sind gerne bereit Aeußerungen von Mitglieder, die anderer Ansicht sind, zu veröffentlichen. — - Die Redaktion. [liebe F . . . Um nicht wieder lange Zeit vergehen zu lassen will ich Deinen lieben letzten Brief schon gleich heule beantworten. Gerade jetzt scheinen wir an einem Thema angelangt zu sein, was wir eigentlich, die wir uns durch den B.-K. kennen gelernt haben, längst hätten anschneiden müssen.

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