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Bar Kochba · 1926-06-01 · 2 (6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Bar Kochba
Volume
1926-1927
Issue
2 (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MITTEILUNGEN des südwestdeutschen Gaues im deutschen Kreis des Makkabi Weltverbandes Juni 1926 Nr. 2 Jahrgang 1926 jjar 5686 Alle Rechte vorbehaltea. Einsendungen müssen bis zum?0. jeden Monats im Besitz der Schriftleitung sein. Schriftleitung und Inserate: Cosimo ßrünell, Frankfurt a. M., Reuterweg 66. H. 5007 Jugenderziehung von Franz Ehrmann. I. Die Frage der Jugenderziehung ist alt im Bar Kochba, aber man ist ihr immer mit einer gewissen Aengstlichkeit und Vorsicht aus dem Wege gegangen und scheute davor zurück, klare Richtlinien für eine Jugenderziehung aufzustellen, denn man war sich bewusst, dass Erziehung der Jugend eine ungeheure Verantwortung bedeutet, nicht nur den Eltern der Jugend gegenüber, sondern mehr noch gegenüber dieser Jugend selbst. Und weil man sich scheute? diese Verantwortung auf sich zu nehmen, andererseits aber eine Erziehung der Jugend im nationaljüdischen Sinne wünschte und wünschen musste, negierte man die Möglichkeit einer Erziehung im B K. überhaupt und half sich mit der einfachen und bequemen Formel, dass der B. K. in der Hauptsache für die körperliche Ertüchtigung der Jugend sorgen müsse und bestenfalls ein Reservoir für die Bewegungen bilden könne, die in der nationaljüdischen Erziehung der Jugend ihre Hauptaufgabe sehen. Diese ganze Einstellung zur Erziehungsfrage beruht auf einem Irrtum. In dem Augenblick, in dem ein jüdischer Turnverein überhaupt Jugendliche aufnimmt, hat er schon eine Verantwortung gegenüber dieser Jugend übernommen und ist verpflichtet, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Es ist etwas Grundverschiedenes, ob ein junger Jude in einen christlichen oder jüdischen Sportverein eintritt. Der Eintritt in einen christlichen Verein bedeutet keinerlei Bindung und hat keine andere Voraussetzung, als die körperliche Veranlagung oder die Lust an Turnen und Sport. Der Eintritt in einen jüdischen Turn- und Sportverein dagegen bedeutet eine Bindung und er setzt eines Voraus: Das Gefühl Jude zu sein, und dieses „Judesein", das der Umwelt gegenüber ein „Anderssein" bedeutet, bewusst oder unbewusst zu bejahen. Diese Voraussetzung ist selbst dann gegeben, wenn ein Junge aus rein sportlichen oder kameradschaftlichen Gründenin einen jüdischen Turnverein eintritt, denn auch; dann wird er in kurzer Zeit sich der Bindung bewusst werden, die im Eintritt in einen jüdischen Turnverein liegt. Und es ist hierbei völlig gleichgültig, welche Ziele dieser jüdische Verein befolgt, denn allein schon in seiner Existenz liegt ja eine Einstellung zu Dingen, die mit Turnen und Sport nichts zu tun haben. Und da das Bestehen eines jüdischen Turn- und Sportvereins nicht allein im Turnerischen oder Sportlichen begründet ist, kann er seine Existenzberechtigung nie durch Erfolge auf diesem Gebiet nachweisen und wird auch die Jugend nie ganz gewinnen können, wenn er ihr nicht mehr bietet als die Möglichkeit zu turnen oder Sport zu -reiben. Die Antwort auf die Frage, ob man in einem jüdischen Turnverein überhaupt erziehen soll und darf, ist also schon mit der Gründung dieses Vereins beantwortet und die richtige Stellung der Frage lautet: Welche Ziele haben wir, zu was wollen wir erziehen? Die Antwort hierauf wird natürlich verschieden ausfallen, je nach der Einstellung der einzelnen Vereine, aber sie muss eines enthalten: Eine klare und offene Stellungnahme in der Frage des Iudentums. Und hier möchte ich einige Bemerkungen über die neutralen Vereine und die, die sich so nennen, einfügen. Es kann in Wirklichkeit, solange wir im Golus leben, keinen neutralen jüdischen Verein geben, denn, wie ich schon darlegte, liegt in der Existenz eines jüdischen Vereins bereits eine Stellungnahme; und eine Neutralität in jüdischen Dingen gibt es nur, soweit die Frage orthodox-liberal in Frage kommt. Und es handelt sich nie hierum, sondern immer nur um die Einstellung: Nationaljüdisch, oder nicht. So paradox es auch klingen mag, selbst ein jüdischer Turnverein, der die restlose Assimilation zum Ziel hat, wäre im Grunde ein riafionaljüdischer Verein, d. h. seinem Aufbau, wenn auch nicht seiner Einstellung nach. Die neutralen Vereine fühlen dies sehr wohl und die Gründe, die manchmal zum Beweis für die Existenzberechtigung dieser Vereine angeführt werden und die Ziele, die manche dieser Vereine zu haben vorgeben, wirken :geradezu grotesk

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