Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 51/52 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- Seite 741 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 51/52 Das Jüdische Echo 741 Licht im Lager Irma Singer, deren vor zehn Jahren erschienes jüdisches Märchenbuch noch in unser aller Erinnerung ist, ließ soeben im Verlag Dr. Max Praeger, Wien, ein Gedichtbuch „Licht im Lager“ erscheinen. Es sind „Gedichte aus dem Lande Jisrael“, und darum wollen wir ihnen unsere besondere Aufmerksamkeit schenken. Wir wollen an sie einen anderen Maßstab als üblich anlegen, denn sie sind an keinem europäischen Schreibtisch geschrieben, sondern aus dem Leben einer Chaluza in Dagania gewachsen. Nicht literarische Kritik kann hier in Frage kommen („Sie wollen nicht als Kunstwerke in die Welt gehen — diese Gedichte“, leitet Irma Singer ihr Buch ein), sondern einzig menschliche. Und da müssen wir zugeben, daß wir bisher in deutscher Sprache noch keine solchen Bekenntnisse, solche schlichten und doch stolzen Bekenntnisse zum Aufbau des Landes Jisrael hören durften wie die der Irmgard Singer. Diese Gedichte sprechen von der Scholle, von der schwieligen Hand, der Ernte: sie sind die Form gewordene Freude und Begeisterung für das Werk. Ein zarter empfindsamer Mensch hat sie geschaffen, eine liebende Frau und Mutter. Eine Hand, welche die Sichel führt, griff hier zur Feder, und darum sind diese Gedichte fern jeder Literatur. Das ist wohltuend, weil die Bilder und Strophen Irma Singers nich durch einen ästhetischen Filter geflossen sind, sondern vom Leben in die Form. Deshalb lieben wir dieses Buch, an dem wir, wäre es ein mit literarischen Intentionen geschriebenes Buch, manches auszusetzen hätten. Praktisch ist für uns das Wertvollste, daß wir aus diesen Gedichten einen unmittelbaren Einblick in das Leben der jüdischen Kolonie in Palästina gewinnen können; denn was wir hier lesen, ist das lyrische Tagebuch einer mutigen, gläubigen und liebenden Frau, geschrieben in unsern Tagen und auf dem Boden, dem unsere Sehnsucht sich zuwendet. Das Liebermann-Buch von Hans Ostwald. Paul Franke Verlag, Berlin. Dieses mit feinfühligem Verständnis zusammengestellte, ausgezeichnet ausgestattete Buch gibt nicht nur in 270 guten Reproduktionen mit einführendem Text einen vollen Überblick über den ungeheuren Schaffensbereich des Künstlers Max Liebermann, dier einst als „Apostel der Häßlichkeit“ verketzert wurde, weil er das arbeitende Volk malte, wie es wirklich ist. Es gibt; unterstützt durch zahlreiche Aussprüche, humorvolle Anekdoten, persönliche Erzählungen, Brief- und Abhandlungsbruchstücke des Meisters, auch ein Personalia Herr Karl Wiesel und seine Gattin Ernestine feiern am 25. Dezember das Fest der „Silbernen Hochzeit“. Herr Wiesel, der sich eine große soziale Position geschaffen hat, ist mit seinen Interessen den Kreisen treu geblieben, denen er entstammt und wird von der Ostjüdischen Kolonie als einer ihrer Führer angesehen. Es ist ein leider nicht sehr häufiges Beispiel von Charakterstärke, daß der Jubilar und seine Gattin auch nach einem außerordentlich sozialen Aufstieg ihre persönlichen Beziehungen und Interessen unverändert der Ostjüdischen Gemeinde und deren Aufgaben widmen. Es ist deshalb eine natürliche Selbstverständlichkeit, daß das Ehepaar Wiesel in diesem Kreise große Zuneigung und Verehrung genießt und daß fesselndes Bild vom Werden und Wirken eines vorbildlichen Menschen. — Über die jüdische Eigenart Liebermanns wird berichtet, so weit dieser selbst sich darüber ausläßt — also nicht eben eingehend und meist in anekdotischer Form; immerhin aber ist erfreulich zu sehen, wie wenig der Charakterkopf Liebermann im Gegensatz zu manchen anderen daran denkt sein Judentum zu verhehlen. Die arbeitende Frau in Palästina Vor kurzem erschien das von der Weltorganisation Zionistischer Frauen herausgegebene Buch von Ada Fischmann: „Die arbeitende Frau in Palästina“ in deutscher Sprache. Ada Fischmann, eine der führenden Frauen Palästinas, gibt eine packende Schilderung des Lebens und Ringens der ersten Pionierinnen innerhalb des Aufbaus Palästinas und führt den Leser in die intime Geschichte der Arbeiterkolonien ein. Der in Leinen gebundene, reich illustrierte Band ist zum Preise von RM. 5.50 durch die Weltorganisation Zionistischer Frauen, 75, Great Russelstreet, London WC 1, oder durch das Büro der Frauen- Arbeitsgemeinschaft für Palästina, Berlin W 15, Meinekestraße 10, gegen Einsendung des Betrages zu beziehen. Grammatik der hebräischen Sprache. Lehrbuch mit Übungen von Abraham K a h a n a , Tel- Awiw 5691, Verlag Mekorot. Abraham Kahana ist schon seit langem in der jüdischen Welt als Wissenschaftler bekannt. Große Aufmerksamkeit erregte er in letzter Zeit durch die unter seiner Redaktion erscheinenden wissenschaftlichen Kommentare zu den Büchern der Bibel. Die soeben erschienene Grammatik ist ein nach den neuen Ergebnissen der Philologie aufgebautes wissenschaftlich begründetes und leicht verständliches Lehrbuch. Sehr zu begrüßen ist, daß der Verfasser, im Gegensatz zu anderen Büchern der hebräischen Grammatik, das Zeitwort vor das Hauptwort gesetzt hat. Dadurch wird eine wesentliche Eigenschaft der hebräischen Sprache, das Drei-Vokal-System bereits durch das Zeitwort völlig geklärt, so daß bei dem Hauptwort viele Schwierigkeiten wegfallen. Die Übungen im Buch, aus der Bibel, Mischna und Hagada entnommen, sind glücklich gewählt. Ohne auf Einzelheiten des Buches näher einzugehen, sei nur bemerkt, daß es sehr zu bedauern ist, daß die fremdartigen Formen der Bibel nicht berücksichtigt werden. Die Ausgabe des Werkes zeigt, daß man in Palästina auch Verständnis für die äußerliche Aufmachung des Buches, für Druck und Papier hat. A. P. die gesamte ostjüdische Kolonie zu dem schönen Anlaß ihre Wünsche darbringt. Wir wünschen den Jubilaren noch viele gemeinsame glückliche Jahre zu ihrem eigenen Besten, zum Besten ihrer Freunde und Verwandten und zum Besten der jüdischen Einrichtungen unserer Stadt. J. R Gemeinden- und Vereins-Echo Diese Nummer erscheint wegen der christlichen Feiertage in der nächsten Woche als Nummer 51/52 in verstärktem Umfang. Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Mittwoch, 31. Dezember, vormittags 9 Uhr. Schekelaktion 5691. Die Schekelaktion muß nach den Anweisungen der Exekutive in kurzer