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Das jüdische Echo · 1930-12-19 · 51/52 (19.12.1930) · p. Seite 727

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
51/52 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 727 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 51/52 19. Dezember 17. Jahrgang Die Fortführung des Äufbauwerks Zu einem Ausspracheabend über die Fortführung des palästinensischen Aufbauwerks hatte der Ortsausschuß München der Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency für Donnerstag, 11. Dezember, in den Cherubinsaal geladen. Vom Standpunkt der deutschen Nichtzionisten aus in der Agency erörterte dieses Problem nach der Eröffnung des Abends und der Begrüßung der Gäste durch Herrn R.-A. Dr. Wilmersdoerffer, Herr Justizrat Dr. Eugen Strauss, Augsburg, der etwa folgendes ausführte: Es ist nicht leicht für einen Nichtzionisten in diesem Kreis heute über Palästina zu sprechen, ich laufe Gefahr weder Zionisten noch Nichtzionisten zufriedenzustellen. Und doch scheint mir eine ganz klare Stellung möglich, wenn man an die Entwicklung zurückdenkt, die wir seit dreißig Jahren auf beiden Seiten durchgemacht haben. Diese Entwicklung hat die Möglichkeit für unsere Zusammenarbeit geschaffen. Über die Grundlagen dieser Zusammenarbeit möchte ich zuerst, um etwaige Bedenken zu zerstreuen, an die Adresse meiner engeren Freunde und dann an die der Zionisten sprechen und damit dürfte ich auch die Stellung der nichtzionistischen Juden in der Jewish Agency geklärt haben. Zu meinen nichtzionistischen Freunden muß ich sagen, daß wir es uns bisher zu schwer gemacht haben; aus Fragen der Weltanschauung haben wir Fragen der Politik gemacht. Für uns ist das A und O unseres Lebens unser natürliches Zentrum, unser Staat Deutschland, mit dem wir auf Gedeih und Verderb verbunden sind, auch in trüben Stunden. Und nun ist zu fragen: ist es weniger deutsch für einen Juden, wenn er Hilfe bringt und mitarbeitet an einem jüdischen Werk, das außerhalb Deutschlands aufgebaut wird? Es ist unbedingt zu sagen, daß kein deutscher Jude an seinem Deutschtum auch nur ein Jota einbüßt, wenn er hier mitkämpft. Es gibt eine neue Art der Verflechtung nicht nur der Juden, sondern aller Menschen über Staatsgrenzen hinaus. Und warum sollten wir denjenigen Juden, die um seelische Befreiung kämpfen, die sie in den Ländern, in denen sie wohnen, nicht finden können, oder nicht zu finden glauben, nicht helfen? Je mehr sich der Jude verwachsen fühlt mit dem Lande, in dem, er lebt, desto sicherer kann er sich fühlen, an diesem Werk aus ganzem Herzen mitzuarbeiten. Und noch etwas. Der Begriff des Nationalheims ist eine dialektische Angelegenheit, überspitzt und verschärft, der diese Schärfe nicht verdient hat, wobei ich bemerke, daß es gleichgültig ist, wie jeder einzelne ihn auffaßt. Wir haben Recht und Anlaß, uns die ehrliche Denkungsweise anzueignen, die ihn geschaffen hat und die davon ausgeht, daß jeder das national home dort hat, wo er nach seiner Art, und seinen seelischen Bedürfnissen leben kann. Die Zionisten werden sagen, das seien Gedanken nur einer Minorität meiner Freunde. Ich wünsche und arbeite dafür, daß es Gedanken der Allgemeinheit werden. Allein gerade die Zionisten — und an die wende ich mich jetzt — wären berufen, daran mitzuarbeiten, daß diese Ansicht einer Minorität die einer Majorität wird. Es ist bei uns so wie in der hohen Politik. Wenn bei uns Stresemann sprach, antwortete drüben Briand, wenn Hugenberg, drüben Poincare. Es ist unsere Aufgabe und das gilt besonders für die Führer, auf beiden Seiten Tendenzen zu vertreten, die zu einer Brücke führen und zu gegenseitigem Verständnis. Und auch das muß ich den Zionisten sagen, daß sie Verständnis haben müssen für die Arbeit im Galuth, Verständnis für den Kampf um die Existenz in den Ländern, in denen wir leben, für die Art der Abwehr und dafür, daß nur diese Arbeit vielen Juden den seelischen Halt gibt, dessen sie bedürfen. Wir Nichtzionisten haben unbedingte Achtung vor der Palästina-Arbeit, haben auch Sie Respekt vor der jüdischen Gesamtleistung, deren Ziel die Fortführung der Emanzipation ist. Es gibt eine Realität, die für uns Juden als Gewalt da ist. Hunderttausende Juden wollen in der alten und neuen Welt leben und emanzipiert leben. Die Arbeit und der Kampf für diese Juden ist für uns eine Angelegenheit des Herzens. Und vergessen Sie nicht, daß auch Ihre Arbeit geleistet wird auf den Schultern der emanzipierten Juden, zu denen Sie gehören und zu denen wir gehören. Das scheinen mir die Voraussetzungen bei unserer Zusammenarbeit in der Jewish Agency zu sein und damit erscheint mir auch die Stellung der Nichtzionisten in dieser Arbeit Umrissen. Die Teilnahme an dem Werk ist auch für uns eine innere Notwendigkeit kraft der Entwicklung, die wir durchgemacht haben. Und wegen dieser Notwendigkeit dürfen die Schwierigkeiten drüben so groß sein, wie sie wollen, sie können niemals der Grund sein, das Werk im Stich zu lassen. Wir sind es gewohnt, bei allen unseren Arbeiten hier Schwierigkeiten zu haben, die nicht geringer, sondern vielleicht sogar größer sind und wie diese uns niemals abgehalten haben, so werden auch die in Palästina uns nicht irre machen. Ganz programmatisch ist zu sagen, daß,, was da drüben wird, ob ein jüdischer oder ein palästinensischer binationaler Staat, weder von uns noch von den Zionisten, noch von der Jewish Agency entschieden wird, sondern vom Leben und der Entwicklung, deren Gesetz wir nicht kennen. Wenn die Entwicklung der nächsten dreißig Jahre so verläuft wie die der vergangenen zehn, brauchen wir jedenfalls keine Sorge zu haben. Wissen aber müssen wir, daß Palästina ein Land ist, in dem die Juden mit anderen Völkern zusammenzuleben haben, das ihnen aber eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimsätte, eine Grundlage für das Leben als freie Menschen, seelisch frei gegenüber ihrer Umwelt, auf freiem Boden bieten muß. Für uns Nichtzionisten handelt es sich um die Mitwirkung an einer jüdischen Leistung, auf die auch der nichtnationale Jude stolz sein kann. Wir gehen

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