Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 47 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- Seite 673 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 673 derer berufen, in unserem Zyklus: „Die Lage der einzelnen Berufsschichten für den Juden“ das Problem der Berufsaussichten in den oben genannten Berufen zu erörtern. II. Freitagabende im Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1. Beginn: 20.30 Uhr. Alle jungen Juden Münchens, denen die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sind uns herzlichst willkommen, III. Die Tagung des Landesverbandes Jüdischer Jugendvereine Bayerns findet am 30. November in Nürnberg statt. Alles Nähere über Abfahrt,, Programm usw. wird an den Donnerstagabenden bekanntgegeben. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München Unser jiddischer Kurs hat am Montag, dem 3. November, begonnen. Zur Einführung gab Herr Josef Löwy einen sehr interessanten und lehrreichen Überblick über Entstehung und Ursprung der Sprache,, dem eine angeregte Aussprache der Teilnehmer folgte. Der Kurs findet jeden Montag um 20.30 Uhr im Jugendheim statt, gibt jedermann unentgeltliche Gelegenheit, in das Wesen der jiddischen Sprache einzudringen und auf diese Weise ein großes Stück der jüdischen Literaturgeschichte kennenzulernen. Unser Kursleiter, Herr Josef Löwy, bietet für die Leitung der Kurse beste Gewähr. Teilnehmer werden noch aufgenommen. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München Samstag, den 22. November, abends 20.30 Uhr, Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, Klubabend. Montag, den 24. November, 20.30 Uhr, im Jugendheim, Jiddischer Kurs. Der Vortrag von Herrn Dr. Percikowitsch ist aus technischen Gründen verschoben worden. Majufes im Jüdischen Kulturverein .1. L. Perez, München Einer der letzten Abende des Kulturvereins war dem vor kurzem in Köln jung verstorbenen Dichter Majufes gewidmet. Herr Dr. Ettinger und Herr Dr. Percikowitsch lasen abwechselnd aus seinen Werken vor. Sowohl seine Prosa als auch seine Poesie erinnern ihrem heiteren Charakter nach sehr an Scholem Alejchem. Am Schlüsse gab Herr Dr. Percikowitsch eine kurze Darstellung über das Schaffen des Dichters. Majufes war Journalist und berührte alles im Vorbeigehen mit einer merkwürdigen Leichtigkeit. Aus Litauen stammend, ist er seinem Wesen treu geblieben: kein Lyriker, kritisch zu sich und der Welt, behandelte er alles mit dem Humor eines „Litwaks“. Merkwürdig ist, daß der Dichter, der seit Jahren lebensgefährlich krank war und keine Aussicht auf Genesung hatte, in seinen Werken nie klagte. Immer hat er das Komische gesehen, in der Politik wie im Familienleben. Sein ganzes Schaffen war nur ein Anfang, er hätte vor allem auf dem Gebiete der jüdischen Volkslieder sicherlich noch viel Wertvolles geschaffen. Die hebräischen Volkslieder von Bialik, die in der jüdischen Masse nicht so populär waren, wie sie es verdient hätten, sind durch seine meisterhafte Übersetzung bekannt geworden. In Litauen war er durch seine Gedichte, die den Titel „Kling-Klang“ tragen, außerordentlich beliebt und sein Tod wurde sehr schmerzlich empfunden. Hoffentlich gelingt es, seine Werke bald der Öffentlichkeit zu übergeben. sch. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth Am Donnerstag, dem 6. November, sprachen auf unserem Ortsgruppenabend die Herren Dr. Rudolf Liebstädter und Sch. S c h a 1 o m über: „Nach der englischen Regierungserklärung“. Herr Dr. Liebstaedter ging von der Wirtschaftskrise in Deutschland aus, die notwendigerweise eine politische Reaktion ausgelöst habe. In Palästina lägen die Verhältnisse gerade umgekehrt. Die Krise sei nicht bedingt durch die Wirtschaftslage im Lande, sondern durch rein politische, außerhalb des Landes liegende, Faktoren. Die palästinensische Wirtschaft entwickle sich günstig und es seien schon in bezug auf ihr weiteres Gedeihen keine Gründe zur Beunruhigung gegeben. Was heute die gesamte jüdische Welt beunruhige und im Vordergrund ihres Interesses stehe, sind der Simpson-Bericht und das Palästina-Weißbuch der englischen Regierung. Der Simpson-Bericht sei ein für uns ungünstiges Dokument, das sich gegen die jüdische Arbeiterschaft und gegen die Prinzipien des Keren Kajemeth Lejisrael richte, also gegen die Fundamente unserers Aufbauwerkes. Immerhin spreche sich der Bericht für die Möglichkeit sofortiger jüdischer Einwanderung aus und könne daher eine, wenn auch zu bekämpfende, Basis für die Fortführung weiterer Verhandlungen mit der englischen Regierung darstellen. Im Gegensatz hierzu stehe das Weißbuch. Schon der Ton, in welchem letzteres geschrieben sei, verstoße gegen unsere Würde: das Dokument, in welchem die Juden wie Natives abgetan würden, führe eine uns empörende, geradezu antisemitische Sprache. Wie sehr sich alle Juden davon betroffen fühlen, zeige der einmütige Protest der gesamten Weltjudenheit. Die Demission Prof. Weizmanns und der übrigen Führer der Palästinasache sei sowohl deshalb als auch wegen des völlig unmöglichen Inhalts des Weißbuches eine eindeutige Notwendigkeit geworden. Es unterliege keinem Zweifel, daß die bestehende Situation sehr ernst sei, und daß es falsch sei, sich, wenn auch anfangs Erfolge errungen würden, übertriebenen Hoffnungen hinzugeben. Immerhin könne man aus dem bisherigen Verlauf der Protestkundgebungen und deren Würdigung in England erfreulicherweise feststellen, wie sehr wir es verstanden haben vom Objekt zum Subjekten der Politik zu werden. Besonders charakteristisch sei die kraftvolle und mannhafte Haltung der jüdischen Führer und des Jischuw, besonders des Waad Leumi. Immer wieder müsse man sich darüber klar werden., daß wir auf Hilfe von außen nur in völlig unzulänglichem Maße zu rechnen haben, so daß die Entscheidung über unser Werk immer bei uns liegen wird. Herr Sch. Schalom sprach in bildhaften, tief empfundenen Worten über die inneren Kräfte des Zionismus. Nicht nur Politik dürfe uns Zionismus sein, nicht nur eine mathematische Formel, sondern unser ganzes Leben müsse erfüllt werden von dem neuen jüdischen Geist, der von Zion ausgeht und in Jeruscholajim seine Stätte hat. Gerade in der Zeit äußerer politischer Mißerfolge gelte es, zu den Wurzeln des Zionismus zurückzufinden, müsse das Irrationale, das in Wirklichkeit die Stärke unserer Bewegung ausmache, das nicht mit Ziffern gemessen, sondern nur erlebt * werden könne, wieder in den Zionisten zum sichtbaren Ausdruck kommen. In der Diskussion legte Herr Albert Salzer kurz den Standpunkt der revisionistischen Partei