Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 43 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- Seite 610 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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610 Das Jüdische Echo Nr. 43 liehen, Unschuldigen, die das treffen wird, bin ich besorgt.“ Allein es hieße die Stadt München furchtbarer bloßstellen, als es Lion Feuchtwangers „Erfolg“, selbst wenn er in sämtliche Sprachen der Welt übersetzt würde, jemals zu tun vermöchte, wenn man auch nur einen Augenblick zugeben wollte, daß zur Äußerung solcher Besorgnis in solchem Zusammenhang und an solchem Ort eine sachliche Veranlassung gegeben war. Voltaire sagt von seinem persischen Weisen Z a d i g , aus dem der antisemitische Humor Wilhelm Hauf’s Abner den Juden gemacht hat, indem er sich die Perlen des Franzosen sozusagen um ein Butterbrot aneignete, nicht, ohne ihre goldene Fassung in eine blecherne zu verwandeln: „Er hatte aus dem ersten Buch Zoroasters gelernt, daß die Eigenliebe ein windgefüllter Ballon ist, dem Stürme entsteigen, sobald man ihm auch nur einen Stich versetzt.“ Allein trotz dieser Erkenntnis hat Voltaire in gärender Zeit nicht bloß Schlüsselromane, sondern auch Bücher des Hasses geschrieben. Er hat weder diese schöne Welt im ganzen für die beste aller denkbaren Welten noch seine Landsleute im besonderen für die besten aller denkbaren Menschen gehalten. Als aber die frommen Toulouser einen ihm selbst persönlich völlig unbekannten und gleichgültigen Menschen, weil er ein Protestant war, unschuldig aufs Rad geflochten hatten, ist er noch nach dessen Tod mit aller Leidenschaft seines Herzens und mit aller Kraft seines Geistes für Gerechtigkeit eingetreten. Freilich: ein altes jüdisches Sprichwort sagt: „Im Zorn soll man nicht zu Mittag essen.“ Man sollte im Zorn auch weder Romane noch Romankritiken schreiben. Er verdirbt zu leicht den Geschmack. Dr. Max Prager. Gemeinden-u.Vereins-tcho Hebrälische Sprachkurse München Der Anfängerkurs für Erwachsene, vereinigt mit dem Mütterkurs, hat bereits Samstag, den 18. Oktober, begonnen, und findet jeden Samstag von 6—7.30 Uhr statt. Die Bibelarbeitsgemeinschaft für Jugendliche beginnt Montag, den 27. Oktober, 8.15 Uhr abends. Gelesen wird das Buch Ruth. Bücher sind mitzubringen. Der Anfängerkurs für Kinder beginnt Dienstag, den 28. Oktober, um 5 Uhr. Der Hebräische Klub wird mit einem Vortrag über „Entstehung und Wesen der Hebräisch- Spanischen Poesie“, Mittwoch, den 5. November, eröffnet. Genaue Zeit- und Ortsangabe in der nächsten Nummer des „Jüdischen Echos“. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Lernt Hebräisch. Der Jüdische Kulturverein J. L. Perez, München hält unter Leitung des Herrn Josef Löwy einen jiddischen Sprach- und Literaturkurs ab. Es ist Gelegenheit geboten die jiddische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen und in die moderne Literaturgeschichte eingeführt zu werden. Wir erwarten eine rege Beteiligung, da besonders der Literaturkurs sehr interessant zu werden verspricht. Der Kurs beginnt am Montag, dem 3. November 1930, abends 20.30 Uhr, und ist auch für Nichfm.itglieder unentgeltlich. Anmeldungen erbeten an Fräulein Jenny Zuckerberg, Rumfordstraße 40, oder am ersten Kursabend, im Jugendheim, Herzog-Rudolfs-Straße 3. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Samstag, den 25. Oktober, abends 21 Uhr, findet im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, ein. Klubabend statt. Gäste herzlich willkommen. Verband Jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland E. V. Bar-Kochba. Damen-, Mädchenu. Kinderabteilung. Der Turnbetrieb in sämtlichen Abteilungen ist in vollem Gang. Die Mädchenabteilung turnt jeden Montag von 6 bis 7 Uhr, die Damenabteilung I Montag von 7 bis 8 Uhr, die Damenabteilung II von 8 bis 9 Uhr in der Luisenschule. Die Kinderabteilung I (größere Kinder) turnt jeden Mittwoch von 3 bis 4 Uhr, die Kinderabteilung II (kleinere Kinder) von 4 bis 5 Uhr in der jüdischen Volksschule an der Herzog-Rudolf- Straße Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder regelmäßig zum Turnen zu schicken. Jüdischer Jugendverein München I. Die stetig wachsende Hörerschar unserer Vereinsabende und die lebhafte Beteiligung an der Aussprache, selbst durch die „Jüngsten“, beweisen uns, daß wir in der Wahl der Themata und Referenten (Dres. Haber, Feuchtwanger, Wellisch, denen wir auch an dieser Stelle nochmals danken) auf dem rechten Wege sind. Am 30. Oktober findet kein Vortrag statt, sondern in ergiebiger Aussprache soll noch einmal zusammenfassend Stellung zu den bisher behandelten Problemen genommen werden. Beginn: 20.30 Uhr. Lessingsaal. II. Freitagabend fei er regelmäßig im Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1. Beginn: 20.30 Uhr pünktlich. Jeder junge Jude, dem die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sei uns herzlich willkommen! Die Schwierigkeiten, die sich dem jüdischen Angehörigen naturwissenschaftlicher Berufe, insbesondere in der heutigen Zeit, entgegenstellen, haben bereits im vergangenen Jahre eine Anzahl von jüdischen Ingenieuren und Chemikern veranlaßt, sich zur „Selbsthilfe“ zusammenzuschließen. Der vorgenannte Verband hat die Aufgabe, seinen Mitgliedern und Kollegen berufsberatend und — in enger Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Arbeitsnachweis — stellenvermittelnd zur Seite zu stehen. Alle jüdischen Ingenieure und Chemiker seien daher auf das Bestehen dieses Verbandes aufmerksam gemacht und gebeten, sich ihm anzuschließen oder ihn bei seiner Arbeit durch Mitteilung und Nachweis von Vakanzen zu unterstützen. Die Anschrift des Verbandes lautet: Berlin N 24, Auguststraße 17. Sprechstunden, in denen jede Art von Auskünften gern erteilt wird, finden jeweils Montag und Donnerstag von 6 — 7.30 Uhr nachmittags statt. Antonius-Wäscherei Sommerstraßv 6o Lindwurmstraße gj Telefon 44438