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Das jüdische Echo · 1930-10-17 · 37 (17.10.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
37 (17.10.1930) Der Aufstand
Date
1930-10-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 35. Fortsetzung „Wäre der Russe nicht rechtzeitig mit den Kanonen abgezogen, so hätten wir sie erobert!“ „Wozu sitzen wir eigentlich hier?“ unterbrach einer. „Kommt, gehen wir die Unseren suchen! Es wird spät. Am Ende marschieren sie weiter, und wir bleiben dann zurück?* Der Trupp ging das Wäldchen entlang. Versprengte Zuaven kamen ihnen entgegen. Es ertönte ein Signal. „Russen!“ „Das sind Russen!“ „Was für ein Signal ist das?“ „Weiß der Teufel!“ „Schlimm, Bruderherz!“ „Sie knallen uns ab bis auf den letzten Mann!“ „Still!“ „Geht einzelweise!“ Der Trupp zerstreute sich und schlich leise zwischen den Bäumen vorwärts. Ein Streifen Wiese blitzte auf. Vorsichtig steckte ein Mann den Kopf hinter einem Baume hervor. Er entdeckte die schwarze Fahne mit dem weißen Kreuz und schrie jubelnd auf: „Die Unseren!“ Alle begannen zu laufen. Von der Ferne erkannten sie Rochebrun. Doch ehe sie noch am Ziele waren, ertönten Rufe: „Die Russen kommen!“ Der Feind war in Gruppen zu fünf oder zehn Mann im Walde verstreut. Ein Jagen begann. Rochebrun mit seinem Häuflein Zuaven stürmte auf ihn los. Über zwanzig kräftige Russen umzingelten einige Zuaven und durchbohrten sie; als sie jedoch einen Trupp Polen nach dem andern aus dem Walde näherkommen sahen, nahmen sie Reißaus. „Schießen!“ rief jemand. Alle legten die Gewehre an; sie waren ungeladen ... Die Zuaven setzten in Gruppen zu dreien und vieren die Verfolgung fort. Im Gebüsch kauerte ein Russe, das Bajonett in der Hand. Mordechai warf sich auf ihn. Er sah zwei kleine graue Augen, eine Schnittnarbe auf einem rotblonden Kinn. Mit einem Kolbenhieb schlug Mordechai dem Gegner das Bajonett aus der Hand, mit einem zweiten traf er ihn auf die Brust. Der Russe fiel nieder. Mordechai fühlte ein Brennen an der rechten Schläfe. Er sah den Russen knien und hörte ihn flehen: „Habt Erbarmen, bei Gott, ich habe nicht geschossen!“ Plötzlich sprang er auf und lief davon. Mordechai ihm nach. Die Entfernung zwischen beiden wird immer größer und größer ... Als er erwachte, dunkelte es bereits. Ringsum war es still. Blutrot stand die sinkende Sonne hinter dem Walde. Wo bin ich? fragte sich Mordechai. Er suchte sein Gewehr, ging einige Schritte vor und wieder zurück, beugte sich ins Gebüsch — das Gewehr war nicht zu finden. Jetzt erst wurde er gewahr, daß ihm die rechte Seite seines Kopfes brannte und im Fieber glühte; seine Schläfen pochten. Er schritt immer tiefer in den Wald hinein... Plötzlich sah er etwa zwanzig Schritt vor sich entfernt, auf einem Baumstumpf Langewitsch sitzen, das Gesicht in den Händen vergraben; seine Schultern bebten. Weinte der Diktator? ... Mordechai bog ab und ging quer durch den Wald, bis er aufs Feld gelangte. Von allen Seiten kamen Soldaten. Keiner wußte, wohin er ging. Nur mit Mühe fand der Fuß den Boden, so dicht lagen die Toten, Polen und Russen nebeneinander. „Kameraden,“ flehte ein Verwundeter, „habt Erbarmen! Die Russen werden mich erschlagen, lasset mich nicht hier!“ Ungerührt von dem Flehen, wankten die Soldaten vorüber. Mordechai beugte sich über den Verwundeten: „Was fehlt dir?“ „Mein Knöchel ist durchschossen. Ich kann nicht gehen. Führe mich, Bruder, zu den Unseren, mein Lebelang werde ich es dir nicht vergessen! Mordechais Augen glitten über die Toten. Dazwischen lag Kahane mit offenen, starren Augen. Neben ihm lag sein rechter Arm. Mor-

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