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Das jüdische Echo · 1930-10-03 · 35 (3.10.1930) Der Aufstand · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
35 (3.10.1930) Der Aufstand
Date
1930-10-03
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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68 Romanbeilage des „Jüdischen Echos" Nr. 35 „Hebt die Sensen höher!“ „Ihr werdet uns noch die Köpfe abschneiden!“ „Lockert die Zügel!“ wurde kommandiert. „Ein Pferd geht der Nase nach und kommt nicht vom Weg ab.“ „Der Morast wird immer tiefer!“ „Eine Sumpfgegend.“ „Wohin hat man uns gebracht?“ „Wie Wildschweine auf der Treibjagd!“ „Gott gebe es, wir wären wieder draußen!“ „Ein Dorf, ein Dorf!“ ging es von Mann zu Mann. Die Schritte der Marschierenden wurden wurden immer langsamer, automatisch blieb Kolonne um Kolonne vor einem Gutshof stehen. „Wie wäre es, wenn man uns zu einem Glas Tee einlädt?“ sagte Wirzbicki lachend zu Mordechai. „Ich würde nicht ablehnen...“ Die Offiziere des Stabes stiegen die steinerne Treppe empor. Frauen und Männer kamen ihnen entgegen. Wind und Regen peitschten die bis auf die Haut durchnäßte Mannschaft. Die Rast währte schon fünfzehn Minuten, eine halbe Stunde. „Warum stehen wir hier?“ fragte jemand zähneknirschend. „Im Gehen würden wir uns erwärmen!“ „Gehen wir weiter!“ „Dort sitzen sie bei gebratenen Enten, aber der arme Soldat kann im Regen aufweichen!“ „Ein Stein ins Fenster könnte nicht schaden!“ „Feine Vorgesetzte!“ „Sind wir denn Hunde?“ Neugierig versammelte sich das Gesinde vom Gutshof um die Truppe, bot der Mannschaft gedrehte Zigaretten an und gab ihr die tröstliche Versicherung, daß das Dorf nur wenige Schritte entfernt sei. Ein Bauer in mittleren Jahren ging stark angeheitert von einer Gruppe zur andern, reichte das Branntweinglas von Mann zu Mann und mahnte mit weitgeöffneten Armen: „0, Brüder, liebe Brüder, ihr werdet verlieren! Denket an Gott, ihr müßt verlieren!“ „Was krächzt der Bauerntrottel?“ „Verstopft ihm doch das Maul!“ „Lasset ihn nicht fort!“ Der Mann wurde gebunden und auf einen Wagen geworfen. Endlich brach man auf. Bald zeigten sich Bauernhütten. Die Truppe suchte Unterkunft in den Stuben, Ställen und Scheunen. Mordechai hörte, während der Schlaf schon von ihm Besitz ergriff, noch immer die Worte des Bauern: ,.,Ihr werdet verlieren, Brüder, ihr werdet verlieren!“ Im Morgengrauen war die Armee bereits auf den Beinen. Nach einem Marsch von zwei Stunden, am Dörfchen Grochowiski vorüber, wurde haltgemacht. Auf offenem Felde wurden Feuer angezündet. Winnickis Proviantwagen verteilten Brot, Wurst und Branntwein. Und als noch eine junge, reine Sonne auf die Felder niederblickte, war alle Mühsal vergessen. „Da kommt schon der Graupenkessel!“ „Wenn du gut aufpaßt, wirst du auch einen Brocken Fleisch finden!“ Die Mannschaft drängte sich um die Feldkessel. Von der Seite her sprengten Ulanen auf schweißbedeckten Pferden heran; wie Kugeln flogen die Rufe übers Feld: „Die Russen! Die Russen!“ Ein Durcheinander entstand. Die ganze Armee geriet in Aufruhr. Bentkowski galoppierte über das Feld, jetzt war er auf der Anhöhe, wo ein Bauernhof stand. Die Stellung war gut. Auf allen Seiten Wald, dort, wo der Wald sich lichtete, Sumpf. Wie aber, wenn der Feind den Wald umgeht? Dann sind wir verloren! Er sprang vom Pferde und schrie dem Bauern, der vor der Tür der Hütte stand, zu: „Steig auf das Scheunendach!“ „Ich habe Angst, Herr Kommandant.“ Bentkowski zog seinen Revolver. „Hinaufsteigen!“ Der Bauer kroch auf allen Vieren hinauf und blieb auf dem Dache flach liegen. „Aufstehen!“ Der Bauer erhob sich. „Was siehst du?“ „Ich sehe, Herr Kommandant... ich sehe einen Kosaken!“ „Einen?“ „Ich sehe noch einen, noch einen und noch...“ Bentkowski schwang sich wieder auf sein Pferd. Die Truppe hatte sich inzwischen formiert. Die feindlichen Kugeln kamen von zwei Seiten. Plötzlich ein Sausen. Eine Kanonenkugel riß ein Nadelbämchen um! ihr folgte eine zweite, eine dritte ... Die Zuaven begannen beim ersten Schuß vorzurücken, voran Oberst Rochebrun, sein Säbel gab das Kommandozeichen:: „Schwarmlinie!“ Die Zuaven besetzten die ganze Breite der Lichtung; im Wald stand Mann neben Mann als Reserven. (Fortsetzung folgt.)

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