Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 34 (26.9.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-09-26
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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66 Romanbeilage des „Jüdischen Echos’ Nr. 34 er in seinem Leben so viele Wildschweine geschossen hat? Oder vielleicht, weil er der St^bsamazone den Hof macht?“ „Wem? Bentkowski wurde aufmerksam. „Hören Sie nicht auf das Lästermaul!“ — Gutgelaunt tat Jezioranski, als wollte er Winnicki den Mund zuhalten — „Er meint die Pustowojtowna.“ „Es ist gar nicht schön, von einem Kameraden so zu sprechen, gar von einer Frau!“ entgegnete Bentkowski ritterlich. „Es steht aber ein Duell zu befürchten, Herr Stabschef.“ Winnicki setzte eine ernste Miene auf. „Zwischen wem?“ „Zwischen Langewitsch und Czechowski.“ Eine plötzliche Stille folgte diesen Worten. Bleicher als sonst ergriff Langewitsch das Wort: „Meine Herren! Kameraden! Da Ihr in meiner Gegenwart euch wohl nicht ganz offen werdet aussprechen können, will ich lieber das Zimmer verlassen, um jedem von euch Gelegenheit zu geben „Nein, nein! Der General muß bei uns bleiben!“ widersprachen einige Stimmen. Jezioranski trat auf Langewitsch zu und legte ihm den Arm um die Schulter: „Du wirst uns nicht stören, bleibe hier!“ Beide blieben auf einer Bank sitzen. Eine kurze Pause folgte. Dann erhob sich Graf Grabowski, der obenan saß, und begann würdevoll, wie es einem Diplomaten ziemt: „Es ist kein Geheimnis mehr, welchen Zweck unsere heutige Versammlung hat. Meine Herren! Die provisorische Volksregierung konnte ihre geheime Tätigkeit nicht fortsetzen. Der Aufstand wuchs über sie hinaus, und daher hat sie sich aufgelöst. Europa, das bereit ist, Polen zu Hilfe zu kommen, muß eine Regierung haben, mit der es verhandeln kann. In Erkenntnis dieser Tatsache hat mich die provisorische Regierung bevollmächtigt, gemeinsam mit der Armee eine solche Regierung zu bilden. Gestern nun sind wir, die Vertreter aller drei Parteien, in Krakau zusammengetreten und sind einstimmig zu dem Beschluß gekommen, daß die geeignete Persönlichkeit, um an der Spitze einer solchen Regierung zu stehen — General Langewitsch ist...“ „Es lebe General Langewitsch!“ rief Waligorski als erster, und einige Stimmen fielen in den Ruf ein. „Wer von Ihnen, meine Herren, einen Einwand hat, möge ihn gleich Vorbringen“, fuhr Grabowski fort. Alle Blicke wendeten sich Biechanski, dem Delegierten der Volksregierung zu, der, die Hände auf dem Rücken, zum Fenster hinaussah. Seine langen, dünnen Finger bewegten sich krampfhaft. Biechanski wendete sich nicht um. Aus einer Ecke her ließ jedoch Winnicki eine Bemerkung fallen, die Erstaunen hervorrief: „Wäre es vielleicht nicht möglich, zu sehen, Graf Grabowski.. ich meine — wer von Ihnen, meine Herren, kennt den Brief, den die Volksregierung uns durch den Grafen übersandte?“ „Ich, ich habe ihn“, rief Chrzanowski mit so fester Stimme, daß niemand auch nur daran dachte, auf Winnickis Bemerkung näher einzugehen. Kahane, der bisher unsichtbar gewesen war,, stand plötzlich neben Grabowski. Die Blicke beider begegneten sich. Die Ruhe auf Grabowskis Gesicht schwand. Kahane verneigte sich leicht: „Meiner Meinung nach ist die Frage, welche Oberst Winnicki berührt hat, von größter Wichtigkeit.“ „Sind Sie zur Beratung eingeladen?“ fiel ihm Bentkowski ins Wort. „Ich bin nicht eingeladen, doch ich habe eine sehr wichtige Mitteilung zu machen.“ Kahane versuchte nochmals zu Worte zu kommen. „Hier nicht, hier nicht!“ winkte Bentkowski ab, sehr verärgert, weil im Stab keine Disziplin herrschte. „Sie werden mir Ihre Mitteilung privat machen!“ „Wer ist das?“ fragte einer der Krakauer Gäste, als Kahane das Zimmer verlassen hatte. „Einer von der Mieroslawski-Partei.“ „Das sieht man ihm an der Nase an.“ Die Stimmung schlug jäh um. Alle diejenigen, welche noch am Morgen gezögert hatten, Langewitsch zum Diktator zu machen, und es nur deshalb taten, weil keiner dem' anderen die Diktatur gönnte, sie alle hielten es jetzt für angezeigt, auf Langewitsch zuzugehen und ihm einige Worte zu sagen; sie mußten natürwohlerwogen sein. Fast jeder sprach im Namen aller, unterließ es jedoch nicht, dabei hervorzuheben, daß gerade er alles darangesetzt hatte, Langewitsch als Diktator durchzusetzen. Als erster erhob sich Graf Grabowski und drückte Langewitsch die Hand: „Wir haben heute ein gutes Stück Arbeit geleistet; und Sie können mir glauben, Herr Diktator, ich hatte große Schwierigkeiten zu überwinden.“ „Ich weiß es, ich weiß es.“ Langewitsch griff nach Grabowskis Hand und zitterte am ganzen Leibe. Fortsetzung folgt