Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 34 (26.9.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 32. Fortsetzung Wohin er blickte, stand ein Feind. Er fürchtete, er würde mit Biechanski, dem Delegierten der Volksvetrretung, einen schwereren Kampf haben als mit Jezioranski. Die Diktatur war für ihn nicht mehr ein Wort, das ihn stolz machen konnte. Ein Widerstreit tobte in ihm, darin sein eigenes Gewissen sich wand und nicht frei werden konnte. Er fühlte und wagte doch nicht, es sich zu sagen, daß auch in einer Stärkung der Diktatur, in einem Marsch auf Warschau oder sonst einer geglückten Unternehmung doch sein eigener Fall beschlossen lag. Jezioranski und Winnicki waren die ersten. Ihre Stiefel waren bis an den Schaft mit Schmutz bedeckt. Die Mäntel waren verfleckt und verdrückt, als hätten ihre Träger zusammen mit den Soldaten im Felde gelagert. „Und wir haben gemeint, wir würden schon zu spät kommen!“ sprach Winnicki wie immer zuerst. „Da ist auch schon Waligorski,“ entgegnete Langewitsch, und in seinem Ton lag etwas wie Rechtfertigung gegen den Vorwurf, daß die Zusammenkunft so spät beginne. Langewitsch hielt es für seine Pflicht, heute freundlicher zu sein als sonst. Er trat zwischen Winnicki und Jezioranski. Nach kurzer Zeit faßte er Jezioranski unterm Arm und zog ihn in die gegenüberliegende Zimmerecke. Er hatte die Absicht, ihm auf den Zahn zu fühlen, um zu erfahren, woran er mit ihm wäre. In der Tür stand Bentkowski, der Generalstabschef der Armee. Langewitsch eilte ihm entgegen. Jezioranski ließ sich mitten im Zimmer in einen Stuhl fallen und klemmte den Säbel zwischen die Beine. Winnicki neigte sich zu ihm: „Er wollte wohl wissen, wie seine Aktien stehen?“ „Ich habe ihm einen Schmarrn gesagt!“ antwortete Jezioranski mit theatralischer Miene. Winnicki lächelte. Der abergläubischeWaligorski drückte sich in eine Ecke und fühlte sich sehr unbehaglich, weil Winnicki ihm gegenübersaß; wie konnte ein Mensch mit dem Gesicht eines bösen Dämons sich unter andere Menschen wagen? Seine sanften Augen fielen auf Langewitsch und gelobten ihm: Was du befiehlst, General, das werde ich tun. Er hielt die Hand in der Hosentasche, in der einige Gulden lagen. Unermüdlich zählte Waligorski die Gulden; er war schon bis über fünftausend gekommen und sagte sich, wenn er im Zählen bis zehntausend käme, ehe die Beratung begann, so würde Langewitsch Diktator werden. Biechanski, der Delegierte der Volksregierung, dessen lebhaftes Gesicht selten lächelte, ging im Zimmer auf und ab; sein ganzer Körper drückte Protest aus, sogar die hohen Schultern wendeten ein: Was wollt ihr tun, Leute? Das ist doch eine Verschwörung gegen die Volksregierung! Der Stabschef Bentkowski blätterte in seinem Notizbuch, in dem er mit geradezu deutscher Gründlichkeit jede Kleinigkeit verzeichnet hatte. Graf Grabowski und seine zwei Gehilfen brachten die guten Formen des Salons mit. Der parfümierte, tadellos gescheitelte Grabowski musterte durch sein Monokel die Versammlung. Jeder neue Ankömmling vergrößerte Langewitschs Zurückhaltung, und schließlich kümmerte er sich um niemanden mehr, als ginge ihn das Ganze nichts an. Gespräche schwirrten im Zimmer hin und her. Jezioranski faßte Bentkowski an der Hand und sprach auf ihn ein: „Sie begreifen, innerlich sträube ich mich dagegen, daß Langewitsch Diktator wird; denn ich bin fest davon überzeugt, daß gar mancher von uns mehr Anrecht darauf hat als Langewitsch. Doch im Interesse der patriotischen Sache werde ich seine Kandidatur unterstützen!“ „Wir werden ihn unterstützen, doch nur, wenn er sich entschließt, auf das Oberkommando zu verzichten“, fügte Winnicki hinzu. „Das ist selbstverständlich!“ — Bentkowski flüsterte mehr als er sprach — „Sie, General, und Czechowski werden das militärische Oberkommando erhalten.“ „Wer, Czechowski? Vielleicht deshalb, weil