Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 537 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 537 eben so sehr Ablehnung wie Anerkennung hervorrufen; die geschichtsphilosophischen Ausführungen Ernst Simons im besonderen berücksichtigen die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes so gut wie gar nicht, es ist kein Wunder, daß er dadurch zu einem sehr absprechenden und völlig ungerechten Urteil über den Herzischen Zionismus gelangt, das man in einem zionistischen Samrrielband nicht hätte erwarten sollen. Es ist noch sehr die Frage, ob Ernst Simon den Zionismus besser begründet hat als Herzl und dem Inhalt des Herzischen Zionismus jede jüdische Legitimität abzusprechen, wie Simon es tut, heißt einen Begriff von jüdischer Legitimität zu postulieren, der — vielleicht — sich philosophisch rechtfertigen läßt, aber zu dem jüdischen Leben des Tages und unserer Zeit keine Beziehung mehr hat; der Zionismus, den Ernst Simon begründet, wird nie eine Volksbewegung werden und man kann darum mit Recht fragen, ob er überhaupt noch Anspruch auf den Namen Zionismus hat. — Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes, der vom Jüdischen Frauenbund herausgegebene, von Lisbet Cassirer und Hannah Karminski redigierte Kunstkalender zeigt 51 Abbildungen jüdische Architektur, Plastik und Kunstgewerbe vom Altertum bis zur Neuzeit; die Malerei wird bewußt ausgeschaltet. Die Reproduktionen sind gut, die Aufmachung ausgezeichnet; zusammengehörige Bildgruppen sind durch Texte von Frl. Dr. Margot Rieß historisch und künstlerisch erläutert. Wer die vier Vorgänger besaß, wird den diesjährigen Wochenkalender des Frauenbundes nicht missen wollen, und wer nicht, der wird erst recht seine Freude daran haben. Gemeinden- und Vereins-Echo Der jüdische Kindergarten Der jüdische Kindergarten wurde unter Beteiligung von acht Kindern wiedereröffnet und erhielt die Anmeldung von weiteren acht, welche in der ersten Oktoberhälfte eintreten. Da der Kindergarten kürzlich die behördliche Konzession für Aufnahme von dreißig Kindern erhalten hat, womit für seine Organisation und Leistung eine gewisse Anerkennung verbunden ist, dürfte diese Einrichtung allen jüdischen Eltern, welche für ihre Kinder auch außerhalb des Elternhauses ein jüdisches Milieu wünschen, das größte Interesse bieten. Wir geben Eltern gern Gelegenheit sich das Leben im Kindergarten ohne Zwang und ohne Verpflichtung anzusehen. Unser Spielkreis hat mit Parteibestrebungen nichts zu tun. Wir machen den Kindern die jüdischen Feste lebendig, führen sie in die jüdische Gefühls- und Gedankenwelt ein, mit Geschichten aus der Bibel und am deren jüdischen Stoffen in kindlicher Form, singen mit ihnen neben anderen auch jüdische Lieder und machen bei den Handfertigkeitsarbeiten wie Tonen, Kleben, Falten, Zeichnen usw. auch jüdische Gegenstände. Wie glücklich sind beispielsweise die Kinder, wenn sie Gegenstände machen, die zum Schmuck des Freitagabendtisches bestimmt sind! Abgesehen von den positiven Leistungen des Jüdischen Kindergartens ist der große Vorteil zu bedenken, daß man die Kinder nicht schon in dem frühen Alter demschmerzlichen Erleben der Judenfeindschaft aussetzt. Es ist unerquicklich für ein Kind, wie es beispielsweise in einem allgemeinen Privatkindergarten vorgekommen ist — und dies Erlebnis wiederholt sich zweifellos sehr häufig in anderer Form — wenn es hören muß „Neben so einen Jud’ setze ich mich nicht“. Es ist auch unerquicklich, wenn man sein Kind in einem unparteiischen Privatkindergarten gut untergebracht glaubt, und plötzlich einen Brief von der Leiterin erhält, in dem sie mitteilt, sie habe nun genug christliche Kinder und lege keinen Wert mehr auf den Besuch jüdischer Kinder. Wir laden alle Interessenten zur Besichtigung ein. Dienstag und Donnerstag Vormittag ist Sprechstunde, während der Kindergarten Montag bis Freitag von 9V4 bis 12 Uhr geöffnet ist. Adresse: Herzog-Rudolph-Straße 1/1. Henny Reich. Zehn Jahre Jüdischer Gesangverein Der Verein begeht im Herbst die Feier seines zehnjährigen Bestehens durch ein Konzert im Odeon; die Proben haben bereits begonnen. Auf die Arbeit des Vereins wird später zurückzukommen sein; es möge nur heute erwähnt werden, daß der Verein den Namen München zu Ehren gebracht hat bei dem großen Musikfest in Frankfurt 1927, durch Wohltätigkeitskonzerte in Nürnberg und Augsburg, durch Seine Mitwirkung bei gemeindlichen Veranstaltungen aller Art und durch seine Konzerte im Odeon. In dieser Zeit hat er Kompositionen unseres hiesigen Altmeisters Kirschner, ferner Lewaddowskys und Sülzers aufgeführt, den Chor: Moh Odom, seines Dirigenten Josef Ziegler, eine Komposition, die bei dem Wettbewerb des. Kantorenverbandeis mit dem ersten Preis bedacht wurde, zur Uraufführung gebracht. Dazu kommt die Uraufführung des „Hymnus von Schallt“ in' hebräischem Text, nachdem der Domchor die Uraufführung in deutscher Sprache gebracht hatte. Für sein Konzert im November bringt der Verein neue Kompositionen; er wird aber auch die so viel besprochene Frage des Gemeindegesangs inAngriff nehmen, dadurch, daß er die Jugend heranzieht zur Aufführung von Kompositionen von Kirschner, Ziegler und Schalit. Es soll damit die Grundlage gelegt werden, den Gemeindegesang in die heranwachisende Jugend einzupflanzen, um so die Gemeinde zu dem Gemeindegesang heranzuziehen. Sangeskundige Damen und Herren, die Interesse an jüdischen Dingen haben,, werden gebeten, sich an den Proben, jeweils Dienstag abend im Lessingsaal, einzufinden. Gerade bei unserer schwierigen Lage sollte jeder und jede,, die in der Lage sind, zu Ehren des Judentums zu wirken, sich zur Verfügung stellen. E. Cahn. Hebräische Sprachkurse München. Montag, den 8. September, hat der hebräische Unterricht be- STUDENT Neuphilologe, welcher in Französisch, Englisch, deutscher Grammatik und allen anderen Oberrealschulfächern Unterricht erteilt, sucht für ständig Schüler oder Hauslehrerposten. Offerten an Hans Steiner, Großhadern, Wurmtalstr. 17 Jüdisches Mädchen erfahren in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Kenntnisse im Nähen sowie Umgang mit Kindern (sehr kinderlieb) sucht Stelle als Stütze oder Kinderfräulein in gutem Hause. Angebote an: Jüdischer Arbeitsnachweis (Berufs' beratung), München, Herzog-Max-Straße 5/1