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Das jüdische Echo · 1930-09-19 · 33 (19.9.1930) Der Aufstand · p. Seite 64

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
33 (19.9.1930) Der Aufstand
Date
1930-09-19
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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64 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 33 „Das sagst du, das habe ich bereits gehört; aber was sagt Czechowski?“ Sie zuckte nervös mit den schmalen Schultern, als wollte sie etwas Peinliches abschütteln; dann fuhr sie unbeirrt fort: „Da sitzen die Leute in Gosci und haben sich’s in den Kopf gesetzt, ,Geschichte4 zu machen. Aber Geschichte wird nicht gemacht, Geschichte macht sich selbst.“ „Henryka, liebst du ihn noch immer?“ „Wen?“ „Czechowski.“ Sie gab keine Antwort, griff in Langewitschs Tabaksbeutel und drehte sich eine Zigarette, die sie langsam anzündete. „Warum schweigst du, Henryka?“ drängte Langewitsch. „Ich soll also nach deiner Meinung die Diktatur nicht annehmen?“ „Nein.“ „Dann wird sie ein anderer an sich reißen.“ „Es gibt keinen anderen.“ „Und Mieroslawski?“ „Du siehst in jedem Schatten einen Konkurrenten. Mieroslawski wird seine Niederlage bei Krzywosadz nie verziehen werden.“ „Was ist also dein Rat, teure Henryka?“ „Zunächst den Feind schlagen!“ „Das tun wir doch!“ „Vorläufig werden wir geschlagen, lieber Maryan. Und vergiß eines nicht, deine Ernennung zum Diktator wird der Feind nicht unbeantwortet lassen; er wird eine möglichst große Armee gegen dich konzentrieren und alles daran setzen, um unser Häuflein Truppen zu zerschlagen. Hast du schon darüber nachgedacht, wie ein Diktator aussieht, der keine Armee hat?“ Langewitsch stand neben Henryka und strich über ihren weichen Tituskopf. Dem blonden, lockigen Haar entströmte etwas Leichtes, und immer, wenn er es spürte, glaubte er an keine Gefahren. Er beugte sich über sie; Henryka entwand sich ihm leise... DIE DIKTATUR Bei Tagesanbruch erwachte Langewitsch. Düster und melancholisch wie immer, ritt er allein durch die Stellungen. Was er gestern Henryka versprochen, hatte er vergessen und war überzeugt, wenn er heute die Diktatur nicht annehme, so werde es morgen Mieroslawski tun. Der kalte Morgen erfrischte Langewitsch. Er betrachtete die Armee im Tale. Sein Blick fiel auf die Zelte, die Feuer und die Reihen der Truppen, die sich bis weit hinter die Anhöhe schlängelten. Dies alles hatte er mit seinen zwei Händen geschaffen! Eben erst hat er sich über die Grenze gestohlen, hat er bei Bauern im Dorfe um Brot und Milch betteln müssen. Und dann war ein Wunder geschehen — und dieses Wunder wird Dauer haben! Der Führer in Langewitsch überwand alle Bedenken, schob weg, was ihm im Wege stand, mochte es auch Henryka sein, und war überzeugt, er werde in ein oder zwei Tagen mit einer mächtigen Armee vor Warschau stehen. Er ritt die Wiese entlang und kam an einem Pferdestall vorüber, wo einige Soldaten damit beschäftigt waren, Säcke von einem Wagen abzuladen. Ein Schlachtschitz von etwa vierzig Jahren lehnte lässig, die Beine gekreuzt, an der Stalltür und rauchte seine Pfeife. „Was ladet ihr hier ab?“ fragte Langewitsch. „Wir haben ein wenig Hafer für die Pferde erbeutet“ — der Schlachtschitz salutierte, ohne jedoch die Pfeife aus dem Munde zu nehmen. „Wer hat euch dazu abkommandiert?“ Langewitsch wurde strenger. „Niemand,“ antwortete der Schlachtschitz gelassen und rauchte seine Pfeife weiter. „Wenn man mit einem General spricht, hat man die Pfeife aus dem Maul zu nehmen!“ Langewitsch schrie beinahe. „Ein Maul hat ein Pferd, nicht ein Schlachtschitz.“ „Halt’s Maul!“ „Ich nicht!“ „Schweigen, sonst lasse ich dich einsperren!“ „He, Burschen!“ rief der Schlachtschitz den Soldaten zu, „Aufsitzen! Wo euer Führer beleidigt wird, dort können wir nicht bleiben!“ Langewitsch bebte am ganzen Körper vor Erregung. Doch ehe er sich’s versah, waren die Soldaten mit ihrem Anführer weit fort. Die Sicherheit, die er eben noch gefühlt, war verschwunden. Seine Augen fielen auf ein fremdes Truppenlager: Keinem liegt an der Befreiung Polens, jeder will nur sich selbst in den Vordergrund rücken! Morgen schon können mich alle verlassen haben — Jezioranski, Czechowski, alle, alle — und ich bin Diktator über den Wald hier ... * * * Nach dem Frühstück schickte Langewitsch die Adjutanten fort, ließ eine Wache von Sensenmännern aufstellen, der er strengen Befehl gab, einen Fremden einzulassen, und wartete auf die ersten Teilnehmer an der entscheidenden Sitzung. Fortsetzung folgt.

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