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Das jüdische Echo · 1930-09-19 · 33 (19.9.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
33 (19.9.1930) Der Aufstand
Date
1930-09-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 31. Fortsetzung Säbel klirrten, ein hastiges Durcheinander entstand, in dem niemand die inzwischen eingetretene Pustowojtowna bemerkte, bis sie endlich mit eleganter Lässigkeit unter die Offiziere trat: „Warum sind Sie eigentlich so empfindlich, pieine Herren? Weil Czechowski Sie nicht allzu hoch einschätzt? Ist er ein guter Soldat? Schlägt er den Feind? Ich bin genau so guter Herkunft wie Sie, meine Herren: aber meinetwegen könnte er mich ,Hündin4 nennen — wenn er den Feind schlägt, so würde ich schweigen und nicht Rebellion machen!“ „Aber er darf nicht die Hand erheben!4* versuchte einer der Offiziere schüchtern einzuwenden. „Wenn ein Adjutant im Dienst schläft, so ist er zu erschießen — das weiß jeder von Ihnen!“ Henrykas Worte übten beruhigende Wirkung. Einer nach dem anderen legte sich wieder nieder. Langewitsch, der die ganze Szene mitangesehen hatte, war es egal, was geschehen war; er war bloß ärgerlich, daß in dem ganzen Auftritt niemand sich um ihn gekümmert hatte. Keinem war es auch nur eingefallen, sich an den General zu wenden, der in der Türe stand. Was bedeutet es denn, daß ich General bin, morgen vielleicht Diktator? Wer fragt schon darnach? Und selbst wenn ich den Feind besiege, Henryka würde sich nie so für mich einsetzen! Sie leugnet wohl, doch ich bin überzeugt, daß ihr Czechowski nicht gleichgültig ist, daß sie ihn noch immer liebt.. Er ließ sich wieder in den tiefen Lehnstuhl sinken, stützte den Kopf an die Seitenlehne und horchte auf das Hämmern seiner Schläfen. Henryka trat leise ein; sie betrachtete den zusammengesunkenen General, der noch kleiner schien als sonst, und fühlte, daß er um ihretwillen litt. Sie trat näher, und ihre Hand strich über sein kurzgeschorenes Haar. Das genügte. Langewitsch sprang auf, drückte Henryka in den Lehnstuhl und war bereit, ihr alles zu vergeben; sein düsteres Gesicht hellte sich freudig auf. Henrykas Haltung ließ erkennen, daß jetzt nicht mehr der General mit seinem Adjutanten da saß — im Zimmer saß eine verwöhnte junge Dame, die, in sich selbst verliebt und nur zerstreut hinhörend, ihre Offizierskleidung musterte, als probierte sie sie zum erstenmal. „Was meinst du, Henryka? Alle bestürmen mich und wünschen, daß ich Diktator werde...“ „Wer sind alle? Du meinst wohl die Magnaten vom Wawel?“ sagte Henryka. „Die Armee steht vor der Auflösung, Jezioranski und sein Gefolge erweisen dir einen Dienst, wenn sie mit dir Zusammengehen — und nun plötzlich Diktator? Über wen?“ „Warum bist du dagegen?“ Langewitschs Stimme zitterte. „Das hast du soeben gehört,“ sie schlug nach Männerart die Beine übereinander, „und im übrigen bin ich gar nicht dagegen; ich will nur, daß du die Diktatur aus eigener Kraft erreichst und nicht aus den Händen der Magnaten entgegennimmst, womit du nur den Appetit jedes Hundsfott aus dem Stab reizest. Und das, was ich will, ist so leicht! Die Diktatur liegt geradezu auf der Straße, es braucht nur jemand sich zu bücken und sie aufzuheben, dann sind alle Mäuler verstopft. Wenn aber du, Maryan, sie von den Magnaten annehmen wirst, so wird dir das nie verziehen werden! Du kennst Jezioranski nicht und vor allem nicht sein Werkzeug, den blatternarbigen Winnicki!.. .‘4 „Und was meint Czechowski?“ fragte Langewitsch, ohne es zu wollen, erkannte aber sofort, daß die Frage unpassend war. Er wollte seinen Fehler gutmachen, beging aber einen neuen, indem er fortfuhr: „Er ist gewiß dagegen!“ „Ich habe mit ihm darüber nicht gesprochen!“ „Du hast mit ihm darüber nicht gesprochen?“ „Czechowski ist der geborene Soldat, er kümmert sich nicht um die Politik und ist ärgerlich, weil wir müßig hier in Gosci sitzen, während der Feind immer näherrückt.“

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